Im Kreis Rottweil gibt es nur noch eine Notfallpraxis. (Symbolfoto) Foto: Springmann

Im Kreis Rottweil gibt es nur noch eine Notfallpraxis – in Rottweil. Eine Ärztin schildert uns jetzt, was sie dort für ihren Dienst vorfand. Man darf sich wundern.

In der Notfallpraxis am SRH-Krankenhaus in Oberndorf drehte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Ende Juni den Schlüssel rum: Der Standort wurde geschlossen, laut KV unter anderem wegen Ärztemangels.

 

Mit viel Aufwand hatte die KV um Verständnis geworben – und betont, dass der an der Helios-Klinik angesiedelte Standort in Rottweil jetzt noch besser wird, mit längeren Öffnungszeiten und zusätzlichen Arztstunden.

Lara Stephan, die als Hausärztin in Waldmössingen niedergelassen ist und bisher in der Notfallpraxis Oberndorf Dienst gemacht hat, ging jedenfalls hochmotiviert zu ihrem ersten von der KV neu eingeteilten Dienst in die Notfallpraxis nach Rottweil. Auf das, was sie dort erwartete, war sie allerdings nicht vorbereitet.

Alles ziemlich provisorisch

Der Empfang sei herzlich gewesen, doch die zwei kleinen Behandlungsräume und das Aufnahmezimmer hätten doch „irgendwie vollgestopft“ gewirkt. Auf Nachfrage habe sie erfahren, dass die Räume unter der Woche als gynäkologische Ambulanz genutzt werden.“

Das habe dann auch erklärt, warum in einem angrenzenden Raum, in dem sie ihre Wertsachen und ihre Arzttasche unterbrachte, nur ein gynäkologischer Untersuchungsstuhl, ein Hocker und ein Schreibtisch stand.

Schreibtisch und PC? Fehlanzeige

Mit dem weiteren diensthabenden Kollegen habe sie sich zunächst ausführlich austauschen können. „Als dann endlich der erste Patient im Behandlungsraum saß und ich motiviert am Schreibtisch vor dem PC Platz nehmen wollte, wurde ich darauf hingewiesen, dass die Notfallpraxis mit einem kleinen Laptop auf einem Wagen mit darunter stehendem Drucker arbeitet und der Schreibtisch mit dem großen Bildschirm selbstverständlich nur unter der Woche von der gynäkologischen Ambulanz genutzt werden darf.“

E-Rezept? Fehlanzeige Sie habe also im Stehen die Anamnese des Patienten eingegeben und wollte wie gewohnt die Rezepte versenden – aber da spuckte zu ihrer Überraschung der Drucker im Schrank die Rezepte aus. Sie ist höchst erstaunt: „E-Rezepte werden in der Notfallpraxis nicht versendet und wer denkt, dass die elektronische Patientenakte, die ab Oktober zur Pflicht in der Arztpraxis wird, dann ermöglicht, den Medikamentenplan oder Diagnosen in der Notfallpraxis einzusehen, hat sich getäuscht. Die Notfallpraxis der KV ist dafür nicht gerüstet“, so ihre ernüchternde Feststellung. Sie betont: „Ich mache wirklich gerne Dienst, denn die Patienten kommen mit abwechslungsreichen Problemen und sind dankbar für jede Hilfe am Wochenende.“ Es sei kein Patient dabei, der unnötigerweise die Notfallpraxis aufsuche. Sie habe fleißig in dem kleinen Laptop Befunde und Diagnosen eingegeben, wunderte sich aber immer wieder, dass plötzlich alles verschwand. Auf Nachfrage habe sie erfahren: „Ach ja, der Computer stürzt regelmäßig ab.“ Zwischendurch sehnte sie sich einen bequemen Schreibtischstuhl für eine Pause herbei. „Der gynäkologische Untersuchungsstuhl im Nebenzimmer lächelte mich an aber ich konnte widerstehen.“

Abends großes Umräumen Um 19 Uhr schließt die Notfallpraxis – „und dann müssen die kleinen Laptopwägen der Notfallpraxis aus der gynäkologischen Ambulanz wieder entfernt und ans andere Ende des Krankenhauses transportiert werden“, berichtet sie weiter. Und dann will sie zum Feierabend am Eingangstresen der Helios-Klinik ihre Parkkarte abstempeln lassen. „Aber da wird mir gesagt, dass der Diensthabende die Parkgebühr für den Tag gefälligst selbst zu bezahlen hat.“ Sie betont aber auch: „Es war eine tolle Zusammenarbeit mit dem Diensthabenden der Chirurgie und der Inneren Medizin möglich und wir durften das Labor vom Krankenhaus nutzen.“

Ihr Fazit Ihr Fazit: „Super Personal, gute Zusammenarbeit mit den Kollegen des Krankenhauses, nette Patienten aber unzureichende Ausstattung ohne ordentlichen PC oder abschließbaren Ruheraum, EKG-Gerät defekt, kein E-Rezept oder Ansätze zur elektronische Patientenakte und vollständige Berechnung des Parktickets.“

KV und Helios Das alles berichtet sie auch der Kassenärztlichen Vereinigung und der Helios Klinik in einem Schreiben. Sie will von der KV wissen, wann die Notfallpraxen mit der Möglichkeit ausgestattet, werden, auf die elektronische Patientenakte zurückgreifen zu können? Und sie stellt klar: Die Notfallpraxis in Oberndorf war deutlich besser ausgestattet als in Rottweil.

Die kürzeren Dienstzeiten bei weiterer Anfahrt machen die Dienste durch externe Ärzte uninteressant, sagt sie. Und eine Doppelbesetzung über die Mittagszeit sei überflüssig. „Wann wird hier nachgebessert?“ Bislang habe sie von der KV keine Rückmeldung erhalten. Auf die Bitte unserer Redaktion zur Stellungnahme hat sich die KV bis Freitagnachmittag noch nicht gemeldet.

Ärztin Lara Stephan lässt sich die Laune nicht vermiesen – für die Ausstattung der Notfallpraxis in Rottweil findet sie aber dennoch deutliche Worte. Foto:  Stephan

Das sagt Helios

Auf Lara Stephans Frage nach der Ausstattung der Räume geht die Helios Klinik Rottweil – die die Räume zwar zur Verfügung stellt, aber wohlgemerkt nicht für den Betrieb der Notfallpraxis zuständig ist – zwar nicht ein, Helios-Geschäftsführer Moritz Lang antwortet der Waldmössinger Ärztin aber dennoch. Er teilt mit, dass er in Sachen Parkgebühren leider nichts machen könne, weil das Parkhaus nicht von Helios betrieben werde. Er dankt ihr jedoch ausdrücklich für ihren Dienst.

Sie hat nun wieder Ende Dezember Dienst in der Notfallpraxis und hofft, dass sich durch ihre Schilderung dort etwas tut. Und wenn sie weiter dort Parkgebühr entrichten soll, „dann werde ich wohl mit meiner Vespa kommen, egal bei welchem Wetter.“