Im Martinskindergarten im Kanadaring sind Legionellen aufgetreten. Dort wird aktuell das Trinkwassernetz saniert. Foto: Dahms

Sieben Millionen Euro müsste die Stadt pro Jahr für den Unterhalt ihrer Gebäude ausgeben, nur 2,5 Millionen Euro kann sie sich leisten. Das führt zu so manchen Problemen.

Es regnete in Strömen am Sonntag. Eigentlich perfekte Rahmenbedingungen für Hallenfußball, dachten sich neben den jungen Teilnehmern auch Hunderte Zuschauer beim Lahrer-Zeitung-Jugendcup. Doch statt Feierlaune und Fangesänge gab es auf der Tribüne des Hallensportzentrums erst einmal offene Münder und ungläubiges Kopfschütteln: Mehrere Bereiche waren mit rot-weißem Flatterband abgesperrt - Eimer und Bottiche fingen das Wasser auf, das aus der Decke rann. Nahezu ungebremst bahnte sich der Regen den Weg von draußen ins Halleninnere. Ein Zustand, der offenbar schon länger anhält, wie die dunkel verfärbten, bereits gewellten Holzpaneele an der Decke zeigen. Eine Nachfrage bei der Stadt bringt zutage: Das Hallensportzentrum ist längst nicht das einzige öffentliche Lahrer Gebäude mit einem Sanierungsstau.

 

Nach Angaben des Rathauses hat eine Fachfirma die „zuletzt aufgetretene Undichtigkeit im Bereich der Tribüne zwischenzeitlich behoben“. Dennoch werfen Fälle wie diese Fragen auf: Kommt die Stadt Lahr mit der Sanierung ihrer Gebäude aufgrund der angespannten Finanzlage nicht mehr hinterher? Freie-Wähler-Stadtrat Klaus Girstl mahnte am Montag im Haupt- und Personalausschuss (HPA) vor einem „hohen Rückstau“ bei Sanierungen, der langfristig zu Schäden bei Immobilien führen würde. Die Antwort aus dem Rathaus ist ernüchternd: Eigentlich müsste die Stadt viel mehr Geld für ihre Gebäude ausgeben, als aktuell drin ist.

Für einen „werterhaltenden Unterhalt“ der rund 330 städtischen Gebäude, erklärt die Stadt auf Anfrage unserer Redaktion, würden jährlich sieben Millionen Euro benötigt. Diese Schätzung beruht auf Kennzahlen multipliziert mit der Bruttogeschossfläche der Gebäude. Aufgrund der Finanzlage werden jährlich jedoch nur rund 2,5 Millionen Euro für die reine Gebäudeunterhaltung bereitgestellt – also nur etwas mehr als ein Drittel. Daraus ergebe sich ein Sanierungsstau, den die Stadt jedoch nicht beziffern könne.

1,5 Millionen Euro sieht die Stadt für Sanierungen vor

Die Verwaltung ist jedoch dabei, diesen abzubauen. So verweist die Stadt auf Sanierungsmaßnahmen am Max-Planck- und am Scheffel-Gymnasium sowie an der Schutterlindenbergschule in den vergangenen Jahren. Aktuell laufe noch die energetische Sanierung der Sulzer Grundschule. Im kommenden Jahr sind für weitere Sanierungsmaßnahmen 1,5 Millionen Euro vorgesehen. Darunter fallen beispielsweise die Sanierung von Fachräumen im Scheffel-Gymnasium, die Heizungserneuerung im Rathaus oder der Fernwärmeanschluss bei der städtischen Musikschule, informiert das Rathaus.

Im Hallensportzentrum hatte es am vergangenen Wochenenende hereingeregnet. Der Schaden ist inzwischen behoben. Foto: Bender

Drohen aufgrund des Sanierungsstaus sogar Schließungen? Die Verwaltung betont, man könne „nicht ausschließen“, dass in manchen Immobilien die Anlagentechnik (etwa Heizung oder Lüftung) ausfällt, weil sie stark veraltet ist. Sollte dieser Ausfall sicherheitsrelevant sein, könnte die Nutzung eines Gebäudes untersagt werden. An einem konkreten Gebäude sei es jedoch noch nicht akut, der Hinweis gelte allgemein. Problematisch ist die Lage aktuell allerdings im Martinskindergarten im Kanadaring. Dort muss laut Stadtverwaltung aktuell das Trinkwassernetz saniert werden, da wiederholt Legionellen aufgetreten sind.

Dass kommunale Gebäude, darunter einige Sportstätten, sanierungsbedürftig sind, ist allerdings kein reines Lahrer Problem, sondern tritt in Kommunen landauf, landab auf. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat deshalb eine sogenannte „Sportmilliarde“ beschlossen, um die Sanierung von Sportstätten gezielt zu fördern. Im HPA am Montag hatte die SPD gefordert, Lahr solle sich für eine Förderung bewerben. Wie ist der Stand? Die Stadtverwaltung prüft die Möglichkeiten, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. An der ersten Tranche in Höhe von 333 Millionen Euro werde man sich nicht beteiligen, da die Anträge dafür bereits zum 15. Januar 2026 eingereicht werden müssen. Nach heutigem Stand sei davon auszugehen, „dass die Stadt Lahr in einer späteren Tranche davon Gebrauch machen wird“, so die Verwaltung.

Haushaltsfahrplan

Der Lahrer Haushalt für 2026, der ein Defizit von 1,4 Millionen Euro aufweist, soll am 15. Dezember im Gemeinderat beschlossen werden. An dem Finanzwerk gibt es allerdings Kritik. Die AfD-Fraktion und auch die Grünen haben bereits angekündigt, dem Plan nicht zuzustimmen.