Rudolf Linkenheil (1880 bis 1939) Foto: Stadtarchiv Schramberg

"Fortwährend ist die Presse mit der Behandlung von Eisenbahnanfragen" in der Gegend um Schramberg beschäftigt, schreibt 1909 Rudolf Linkenheil einleitend in einer Denkschrift – und stellte damals schon fest, dass auch hier "das Bedürfnis nach einer Bahn" nicht fehle.

Schramberg - Eine mögliche Reaktivierung der Bahnstrecke Schiltach – Schramberg ist derzeit in vieler Munde, diese Woche hat das Land angekündigt, die Machbarkeitsstudie größtenteils zu finanzieren.

 

Dies soll Anlass sein, einmal auf frühere Überlegungen einer Bahnstrecken-Fortführung rings um Schramberg zu blicken.

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"Eisenbahn-Wünsche im südlichen Württembergischen Schwarzwald" heißt das mehrseitige Schriftstück mit mehreren Abbildungen, das sich um "die verschiedenen Eisenbahnwünsche im Schwarzwald und speziell in Schramberg" dreht. Dabei geht es unter anderem auch um eine "projektierte Linienführung von Schramberg auf die Höhe", die jüngst jetzt auch Armin Fenske vom Fahrgastverband Pro Bahn hinsichtlich einer Machbarkeitsstudie der möglichen Reaktivierung der Bahnlinie Schiltach – Schramberg als prüfenswert mit aufgenommen hat.

Von der Bahn abgeschnitten

In der Schrift verweist der Verfasser, der in Schramberg lebende Katastergeometer Rudolf Linkenheil, auf die wirtschaftliche Entwicklung, die Schramberg in den Jahren zuvor genommen hat. Eng verknüpft mit den Eisenbahninteressen Schrambergs seien auch die Orte Lauterbach und dass damals noch von Schramberg selbstständige Sulgen-Sulgau. Und Schramberg habe bis 1892 keinen Eisenbahnanschluss gehabt "wo andere Städte schon zum Teil seit mehr als 20 und 30 Jahren die Segnungen der Eisenbahn genossen".

Mit rund 1,8 Millionen Mark an Kosten rechnete Linkenheil für die Steigungsstrecke zwischen Schramberg und Sulgen – 150 000 Mark pro Kilometer, einschließlich der notwendigen Tunnel und Brücken. Eine zweigleisige Strecke, wie sie einst für die Schwarzwaldbahn als Option berechnet worden war, hätte das Dreifache gekostet.

Linkenheil sah zu dieser Zeit den südlichen württembergischen Schwarzwald hinsichtlich der Eisenbahnversorgung vernachlässigt. Er befürchtete eine Abwanderung der Menschen von den Höhenorten um Schramberg "nach den Fabriken in Rottweil und Schwenningen und Villingen".

Frühere Linienidee über den Tierstein

Hinsichtlich einer Eisenbahn von Schramberg auf die Höhe beleuchtete Linkenheil auch altes generelles Projekt über eine Linie Schramberg - und Lossburg - Dunningen - Rottweil zurück. Für den Aufstieg hätte die Bahnlinie von Schramberg aus Richtung Tiersteinberg geführt und durch diesen in einem großen Kehrtunnel durch, bis sie beim Rappenfelsen, etwa 30 Meter hoch über dem Talgrund wieder erscheinen würde. Dann würde die Bahnlinie in einem Viadukt den Eselbach überschreiten, badisches Gebiet queren und nach Untertunnelung einiger Bergvorsprünge ins Aichhalder Loch führen. Dort müsste ein zweiter Kehrtunnel mit größeren Viadukten angelegt werden, bevor die Bahn Richtung Schramberg weiterginge und nach zwei Tunneln am Tiersteinberg beim Paradieshof die Höhe erreicht hätte und über ziemlich direkter Linie Richtung Hinteraichhalden führte.

Tunnel durch den Schlossberg

Allerdings, so stellte Linkenheil fest, sei diese Linie für Schramberg nicht geschickt, so dass er eigene Untersuchungen angestellt habe. Dabei hätte er die Schiltach im Bereich vor der Majolika überbrückt, bevor ein rund ein Kilometer langer Tunnel durch den Schlossberg erforderlich geworden wäre. Zwischen Junghans und den letzten Häusern des Stadtteils Tös hätte es dann eine Haltestelle Lauterbachtal gegeben – und einen Gleisanschluss für die Uhrenfabrik. Gleichzeitig wäre auch Lauterbach damit deutlich näher an die Bahn gerückt worden. Anschließend hätte Linkenheil die Bahnlinie "am Hang des Amtlehenberges entlang" bis zum Falkenstein geführt. Dort wäre dann ein 100 Meter langes Tunnel erforderlich geworden und hätte hinter dem früheren "Berneckbad" in einem Viadukt das Bernecktal überquert. Im Bernecktal hätte dann an der "Teufelsküche" eine weitere Haltestelle ausgewiesen werden können. Anschließend hätte sich die Bahn in einem rund einen Kilometer langen Tunnel unter dem Tischneck in Richtung Kirnbachtal gewandt, "wo sie etwa einen halben Kilometer oberhalb des ›Ranks‹ beim Schwabenhof" die Straße nach Hardt kreuzt. Dort könnte eine Haltestelle "Kirnbach" entstehen, schlug Linkenheil vor.

Bahnhof bei Sulgen

Anschließend könnte die Bahn, "bald wieder in den Gesichtskreis der Stadt treten", nämlich "hoch droben am Bühle und am Bauernberg, dann würde sie ins Tal des oberen Göttelbachs einführen, und etwa 300 Meter unter der ›Unot‹", die alte Straße nach Sulgau kreuzen. Auf einem Damm von rund 25 Meter Höhe (der bei der Calw–Stuttgarter Bahnlinie bei Hirsau habe über 60 Meter) würde die Bahn auf "die Sommerseite des oberen Göttelbachs überführt" und "unmittelbar bei der ›Neuen Straße‹, etwa bei den Storz’schen Steinbrüchen" gebe es Platz für einen Bahnhof Sulgen-Sulgau. Für die Industrie im Tal regt Linkenheil an dieser Stelle übrigens die Bergstation einer knapp einen Kilometer langen Drahtseilbahn für den direkten Gleisanschluss an.

Durch das Tal der Eschach

Ohne weitere technische Schwierigkeiten würde die von Linkenheil vorgeschlagene Strecke bei Hinteraichhalden mit 710 Höhenmetern ihren höchsten Punkt erreichen. Von dort ab würde die Linie ins Tal der Eschach führen, an Heiligenbronn vorbei und unmittelbar westlich von Seedorf in die projektierte Linie Dunningen – Lossburg einmünden. So würden sich die damals projektierten Bahnen Rottweil – Schramberg und Rottweil – Lossburg nicht mehr bei Dunningen, sondern bei Seedorf vereinigen. Es liege im Interesse Schrambergs, so stellt Linkenheil weiter fest, dass die Bahn auf der Höhe möglichst vielen Menschen nutzbar gemacht werde, deswegen machten einige Kilometer Umweg gegenüber der direkten Linie nach Dunningen nichts aus.

Einigkeit wichtig

Als wichtig hatte Linkenheil damals erachtet, dass alle beteiligten Städte an einem Strang ziehen müssten. Man habe gesehen, dass kleinliche Streitigkeiten zweier Nachbarstädte 1864 dafür gesorgt hätten, dass die Schwarzwaldbahn nicht über Schramberg gebaut worden sei. Damals seien die Schwenninger den Wünschen der Rottweiler bezüglich der Führung der Bahnlinie entgegengetreten.

250 Bürger der Stadt hatten damals die Resolution unterzeichnet, mehr energische Schritte zu tun, bezüglich der Erstellung einer normalspurigen Nebenbahn von Schramberg auf die Höhe bei Seedorf und weiter nach Rottweil. Angeregt wurde zudem die Gründung eines engeren und weiteren Eisenbahn-Komitees sowie die Weiterleitung der Wünsche an die Bezirksabgeordneten.

Info: Rudolf Linkenheil

Der Verfasser der Denkschrift "Eisenbahn-Wünsche im südlichen württembergischen Schwarzwald" aus dem Jahr 1909 wurde am 14. April 1880 in Calw geboren. Er absolvierte von 1896 bis 1901 eine Ausbildung zum Katastergeometer. Linkenheil heiratete am 3. Mai 1904 Anna Karoline Steigelmann in Landau/Pfalz. Sie verstarb 1932.

Im Januar 1905 ist Linkenheil zum Katastergeometer der Amtskörperschaft Oberndorf in Schramberg ernannt worden, später wurde er zum Oberamtsgeometer befördert und zum Vermessungsrat ernannt.

Linkenheil war von 1909 bis 1917 Mitglied des Gemeinderats der Stadt Schramberg als Mitglied der Freisinnigen (seit 1910 umbenannt in Fortschrittliche) Volkspartei, seit 1918 Deutsche Demokratische Partei (DDP). Von 1919 bis 1920 gehörte er als Mitglied der verfassungsgebenden Landesversammlung des Volksstaates Württemberg für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) an. Er war Vorsitzender der Ortsgruppe der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), stellvertretender Vorsitzender der Ortsgruppe des württembergischen Schwarzwaldvereins, 1927 Mitbegründer des Schwarzwaldverkehrsverbands Obere Kinzig mit Geschäftsstelle in Schramberg.

Vom 22. bis 30. März 1933 und vom 3. bis 14. April 1933 wurde er als NS-Gegner zweimalig in "Schutzhaft" genommen.“ Am 9. August 1933 erfolgte die Dienstentlassung auf der Grundlage des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums", verbunden mit der Zwangspensionierung. Am 14. August 1933 heiratete Linkenheil Monika Schneider (1900 bis 1987), die Lehrerin an der Oberschule Schramberg und von 1956 bis 1962 FDP-Gemeinderätin in Schramberg war. Am 8. November 1939 starb Linkenheil im Alter von nur 59 Jahren in Tübingen.