Hanna Böhme ist seit 2018 als Geschäftsführerin der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM) tätig. Im Gespräch mit unserer Redaktion blickt sie auf diese herausfordernde Zeit.
Die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM) ist breit aufgestellt: Sie betreibt mehrere Veranstaltungshäuser, organisiert Messen, fördert Unternehmensansiedlungen und den Tourismus und noch einiges mehr. Kein Wunder, dass Geschäftsführerin Hanna Böhme kurz vor ihrem Wechsel zum Wirtschaftsverband WVIB sagt, sie sei zwar nur acht Jahre dort gewesen, habe aber das Gefühl gehabt, viele Jobs gleichzeitig auszuüben. Im Interview blickt sie zurück auf turbulente Zeiten und auch ein wenig voraus.
Frau Böhme, steht beim Abschied von der FWTM für Sie das lachende oder weinende Auge im Vordergrund ?
Ich brenne für Freiburg und habe meine Arbeit hier sehr gern gemacht. Den Zeitpunkt für den Wechsel konnte ich mir nur bedingt aussuchen. Aber ich denke, er passt jetzt auch gut. Ich bin dankbar für diese neue Chance. Sie knüpft inhaltlich an meine Zeit bei der Landesbank Baden-Württemberg LBBW und bei der FWTM an und gleichzeitig bleibe ich der Region verbunden.
Was war für sie in den acht Jahren bei der FWTM prägend?
Am Anfang musste ich berufliche Netzwerke neu aufbauen. Gleichzeitig waren unsere Kinder klein und mein Vater war im Pflegeheim. Schlaf war rar in dieser Zeit für mich. Dann kam Corona und stellte alles auf den Kopf. Unser Kerngeschäft besteht aus Netzwerken und Veranstaltungen. Das wurde alles durcheinandergewirbelt. Als die Pandemie vorbei war, musste ich von einem Tag auf den anderen allein die Geschäftsführung übernehmen. Keiner hat damit gerechnet, dass das zwei Jahre so sein würde. Erst seit März ist Jens Mohrmann als zweiter Geschäftsführer an Bord. Er ist eine sehr gute Wahl. Inhaltlich waren die Jahre extrem vielfältig. Nur einige Beispiele seien genannt: Wir haben durch den Ankauf von Cerdia-Flächen Chancen für die Gewerbeentwicklung geschaffen, das Tourismuskonzept und die Markenbildung erfolgreich weiterentwickelt und das Käpsele-Innovationsfestival aus der Taufe gehoben. Nicht alles hat geklappt. Beim Landeswettbewerb für den Innovationspark KI hatte am Ende Heilbronn die Nase vorn. Trotzdem hat der Wettbewerb viele neue Verbindungen geschaffen und damit nach innen gewirkt, das habe ich positiv in Erinnerung behalten.
Netzwerken als eine ihrer Stärken
Welchen Stellenwert hat die FWTM in Freiburg?
Einen großen. Das wird auch in Politik und Verwaltung wahrgenommen. Von Wirtschafts-, Tourismusförderung, über die von uns betriebenen Häuser und die zahlreichen Veranstaltungen, sind wir ein wichtiger Spieler im Konzern Stadt Freiburg. Zudem organisieren wir gemeinsam mit Solar Promotion seit vielen Jahren die ‚The Smarter E‘, Europas größte Messeallianz für Energiewirtschaft, in München und an diversen Standorten weltweit. Ich bin sehr dankbar für die Zusammenarbeit mit den vielen Menschen bei uns in Team und bei Partnern, mit denen wir all das gemeinsam stemmen.
Was braucht die FWTM für eine gute Zukunft? Und was wurde schon angestoßen?
Wir haben zahlreiche organisatorische und personelle Veränderungen auf den Weg gebracht, von denen einige noch laufen. Wir haben Teams zusammengeführt und eine neue Abteilung Märkte und Events geschafften, um die wachsende Komplexität von Veranstaltungen im öffentlichen Raum abzubilden. Hier kann man das Stichwort Sicherheitsanforderungen nennen. Und das nicht erst seit Magdeburg.
Schauen wir voraus. Was macht der Wirtschaftsverband WVIB? Und wie sehen Sie Ihre neue Rolle?
Noch bin ich bei der FWTM, daher möchte ich nicht vorgreifen und sagen, wie ich ab dem Jahreswechsel vermeintlich die Welt verändern werde. Was mich reizt: Der WVIB ist ein sehr wichtiger Partner für seine rund 1100 Mitgliedsunternehmen in Baden-Württemberg. Sie sind freiwillig dabei, weil sie dort Austausch auf Augenhöhe und relevante Dienstleistungen finden. Viele Firmen kenne ich bereits aus meiner LBBW-Zeit. Wir betonen ja immer: Der produzierende Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Er steht aber vor großen Herausforderungen. Der WVIB unterstützt seine Mitglieder mit Wissen und Wärme, um sie wirksamer zu machen. Dieses Motto des Verbands beschreibt sehr gut, wie das Netzwerk seinen Mitgliedern fachliche Impulse und zugleich eine emotionale Heimat bietet.
Zur Person
Hanna Böhme
wurde 1975 in Freiburg geboren. Ihr Vater war der SPD-Politiker und ehemalige Freiburger Oberbürgermeister Rolf Böhme. Sie hat in Marburg, Taipeh und London Wirtschaftswissenschaften studiert und lebte vor ihrer Zeit bei der FWTM 25 Jahre im Ausland. Zeitweise war sie Chefin des German Centre der baden-württembergischen Landesbank LBBW in Peking und in Singapur. Sie ist Mutter von Zwillingen und lebt mit ihrer Familie in Freiburg.