Er spielte nur eine Halbzeit lang – und zeigte dennoch gleich, warum der VfB Stuttgart ihn unbedingt haben wollte. Chris Führich hat in Bochum überzeugt. Wie geht es nun weiter?
Bochum - Vermutlich sind am Sonntag unter den 15 300 Zuschauern im Bochumer Stadion auch Fußballfreunde gewesen, die vom bisherigen Saisonverlauf, der Personalsituation und Verletzungsmisere des VfB Stuttgart keinerlei Kenntnis hatten. Spätestens Mitte der zweiten Spielhälfte dürften sie sich gedacht haben: Warum, zum Teufel, hat dieser blonde VfB-Spieler mit der Rückennummer 22 nicht von Beginn an gespielt? Das ist doch der beste Mann!
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Was diese Besucher nicht wissen konnten: Dieser blonde Mann mit Namen Chris Führich war erst im Sommer zum VfB gekommen und wochenlang verletzt gewesen – in Bochum hat er sein erstes Pflichtspiel für seinen neuen Club bestritten.
Zur Halbzeit kam Führich, 23 Jahre alt und im benachbarten Castrop-Rauxel geboren, für den (wieder einmal) enttäuschenden Mateo Klimowicz ins Spiel und benötigte keinerlei Anlaufzeit. Umgehend entfaltete er sein Potenzial, demonstrierte seine Ballsicherheit, Spielintelligenz und technischen Fähigkeiten – und trug damit maßgeblich dazu bei, dass der VfB die Partie beim Aufsteiger nach missratener ersten Hälfte deutlich besser gestalten konnte. „Ich sollte Zielstrebigkeit und Tempo nach vorne reinbringen – das habe ich versucht“, sagte Führich nach dem Schlusspfiff und war „glücklich, wieder zurück und verletzungsfrei zu sein“.
Führich kam zum VfB – und war gleich wieder weg
Deutlich wurde damit auch, warum Sportdirektor Sven Mislintat im Sommer wochenlang darum gekämpft hatte, den Offensivallrounder für 2,5 Millionen Euro vom SC Paderborn zum VfB zu holen. Als die Einigung mit dem Zweitligisten endlich erzielt war, reiste Führich ins Trainingslager seines neuen Arbeitgebers in Kitzbühel nach, absolvierte voller Tatendrang die ersten Einheiten – und musste seinen Dienst nur wenige Tage später schon wieder einstellen.
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Im letzten Testspiel des Vorbereitungscamps in den Alpen gegen Arminia Bielefeld (5:2) stand der Neuzugang kaum fünf Minuten auf dem Feld, da stürzte er nach einem Zweikampf und fiel unglücklich auf die Schulter. Die bittere Diagnose: Schlüsselbeinbruch. Führich reihte sich damit ein in die lange Liste der Verletzten, zu der schon zuvor Flügelstürmer Silas Katompa Mvumpa (Kreuzbandriss) gehört hatte und der nach Saisonbeginn auch noch die Mittelstürmer Mohamed Sankoh (schwere Knieverletzung) und Sasa Kalajdzic (Schulterverletzung) hinzugefügt werden mussten. Groß war der Notstand in der VfB-Offensive, der dazu führte, dass Sven Mislintat kurz vor Ende der Transferfrist noch einmal tätig wurde: Vom VfL Wolfsburg lieh er Omar Marmoush (22) aus und verpflichtete Wahid Faghir (18) vom dänischen Erstligisten Vejle BK.
Startelf-Einsatz gegen 1899 Hoffenheim?
Während Faghirs Debüt aufgrund körperlicher Defizite erst in ein paar Wochen folgen soll, hat der eindrucksvolle Einstand von Führich dazu beigetragen, dass die Sorgen in der VfB-Offensive kleiner werden. 45 Minuten reichten ihm, um zum Hoffnungsträger zu werden – im nächsten Spiel gegen die TSG Hoffenheim dürfte er am Samstag (15.30 Uhr) erstmals in der Startelf stehen. Was es im Angriffsspiel zu verbessern gibt, das weiß der Neuzugang bereits: „Der letzte Pass und den Ball aufs Tor zu bringen – darauf wird es ankommen.“ Praktischerweise sind genau das die Stärken von Chris Führich.