Stürmisch: Wooyeong Jeong zieht es vom SC Freiburg zum VfB Stuttgart. Foto: imago// Hettich

Die Stuttgarter verpflichten den Stürmer bis 2026 – mit der Besonderheit, dass der Südkoreaner noch seine Wehrpflicht erfüllen muss. Wir beleuchten die Hintergründe.

Er hat noch etwas Zeit. Bis spätestens 26 Jahre nach Ablauf seines Geburtsjahres. So lautet die offizielle Formulierung, wenn es um den Militärdienst in Südkorea geht. Dann muss dieser abgeleistet sein. Davon sind alle gesunden Männer in dem asiatischen Land betroffen. Auch Wooyeong Jeong, der beim VfB Stuttgart am Dienstag einen Vertrag bis 2026 unterschrieben hat. Den Medizincheck hatte der 23-Jährige beim Fußball-Bundesligisten bereits am Vormittag absolviert. Die Bestätigung des Transfers vom SC Freiburg erfolgte am Abend.

 

Mit dem Wechsel von der Dreisam an den Neckar stellt sich somit die Frage nach der Pflicht in Soldatenuniform. 18 bis 21 Monate beträgt die Militärzeit in Südkorea, normalerweise. Je nach Waffengattung. Für Spitzensportler gibt es jedoch Ausnahmen – sofern sie erfolgreich sind. Darauf hofft offenbar Jeong, um einen Karriereknick zu verhindern. Er will nicht nur an den Asienspielen teilnehmen, sondern mit seiner Heimatauswahl das Turnier gewinnen. Denn neben Ruhm und Ehre bringt das wie der Gewinn einer olympischen Medaille eine Verkürzung des obligatorischen Wehrdienstes mit sich – auf vier Wochen Grundausbildung.

Das sagt Fabian Wohlgemuth

Am 23. September beginnen nun die Asienspiele in China und dauern zwei Wochen. Eine Abstellungspflicht des Weltverbandes Fifa existiert nicht, doch Jeong wird wohl in der Nationalmannschaft auflaufen und dem VfB in der Liga fehlen. So ist der Plan, und der Stürmer soll bis dahin im Trikot mit dem Brustring neuen Offensivschwung auslösen. „Seine fußballerischen Fähigkeiten machen unser Offensivspiel deutlich variabler, dazu ist Wooyeong mit seinem Ehrgeiz und seiner mannschaftsdienlichen Art ein Gewinn für uns. Und nicht zuletzt verfügt er trotz seines relativen jungen Alters schon über eine beachtliche Bundesligaerfahrung“, sagt der Sportdirektor Fabian Wohlgemuth.

Flexibel einsetzbar ist der Angreifer, schnell und laufstark. Ein Spielertyp, wie ihn Trainer schätzen, weil er Lücken reißt und Räume für andere schafft. Da Sebastian Hoeneß die Offensivkraft aus der gemeinsamen Zeit in der Nachwuchsabteilung des FC Bayern München kennt, gilt Jeong als Wunschspieler des VfB-Coaches. Andersherum gibt es eine starke Bindung des Profis an Hoeneß. Der 41-Jährige gilt als sportlicher Ziehvater Jeongs, weil der Fußballlehrer dem Talent aus Fernost half, sich schnell im neuen Kulturkreis zurechtzufinden – und vor allem vertraute Hoeneß den Stärken des Stürmers.

Jeong kam als 18-Jähriger nach Deutschland. Er lief zunächst für die U 19 des Rekordmeisters auf, später für die U 21. Dabei offenbarte er nicht nur auf dem Platz Fleiß und Disziplin. Er lernte umgehend Deutsch und pendelt seither zwischen den Stationen FC Bayern und SC Freiburg. Für die Münchner debütierte er noch unter dem Trainer Niko Kovac in der Bundesliga, auch in der Champions League stand er einmal auf dem Rasen.

In der vergangenen Saison setzte ihn der SC-Coach Christian Streich meist als Energielieferant von der Bank ein. Jeong brachte es zuletzt auf 26 Einsätze in der nationalen Eliteklasse, im Schnitt spielte er dabei 25 Minuten. Allerdings präsentierte er sich nicht besonders treffsicher. Er erzielte in der Liga nur ein Saisontor. „Er ist jung, er will sich auf dem Platz zeigen“, sagte Streich zum Trainingsstart der Freiburger über Jeongs Ambitionen, die er nachvollziehen kann.

Weitere Spielzeit in der Europa League und im DFB-Pokal für den Sportclub änderte nichts am Wechselwunsch Jeongs, der sich auf den VfB als künftigen Arbeitgeber fixierte und mit Sportdirektor Wohlgemuth schon vor Längerem einig wurde. In Stuttgart kämpft der Angreifer (insgesamt 85 Bundesligaspiele/zehn Tore/vier Vorlagen) um eine Schlüsselrolle nach den Abgängen von Tiago Tomás und Tanguy Coulibaly. Von dem Portugiesen Tomás übernimmt Jeong die Rückennummer zehn – eine Zahl, mit der sich im Fußball Hoffnungen verknüpfen.

Wie hoch ist die Ablöse?

Etwa 2,5 Millionen Euro an Ablösesumme ist das dem VfB erst einmal wert. Denn der Marktwert Jeongs richtet sich auch ein Stück weit nach dessen Militärzeit. Wird sie verkürzt, steigt der Preis, und es dürfte wohl eine Nachzahlung fällig werden. Vier Millionen Euro hatten die Freiburger ursprünglich für Jeong verlangt, der von Ende 2025 an für den Pflichtdienst am Vaterland eingezogen werden kann. „Der VfB hat eine gute Mannschaft, und ich glaube, dass der Wechsel der richtige Schritt für mich ist. Ich habe schon einige Male in Stuttgart gespielt und kenne deshalb die gute Stimmung im Stadion. Auch deshalb wollte ich hierher wechseln“, sagt Jeong, der möglichst bald mit dem Team trainieren soll. Vorher will er in Südkorea aber noch ein paar Formalitäten regeln.