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Neuweiler Zwei Babys kamen aus Neuweiler

Von
13 Kreuze mit den Namen der unter jämmerlichen Verhältnissen im "Polenkinderheim" in Aach zu Tode gekommenen Kinder von Zwangsarbeiterinnen enthält die Stele des Pforzheimer Gestaltungskünstlers René Dantes (Zweiter von links). Am Volkstrauertag sprachen zur Enthüllung Pfarrer Manfred Mergel, Landrat Klaus-Michael Rückert und Bürgermeister Bernhard Haas. Fotos: Schabert Foto: Schwarzwälder Bote

Aus Neuweiler stammen ebenfalls zwei Mütter von Säuglingen, die unter jämmerlichen Umständen im sogenannten "Polenkinderheim" in Aach zu Tode kamen. Eine Stele gedenkt der umgekommen Kinder jetzt.

Neuweiler. Sie sind nicht vergessen, die 13 Kinder, die vor 75 Jahren im sogenannten Polen-Kinderheim in Aach (Kreis Freudenstadt) das Leben ließen. Mit einer Gedenkstele wird jetzt ihres Schicksals gedacht (wir berichteten). Darunter waren zwei Säuglinge, deren Mütter in den Gemeinden und heutigen Neuweiler’ Ortsteilen Gaugenwald und Oberkollwangen Zwangsarbeit leisteten.

Negative Erinnerungen

Einige der einstigen Männer und Frauen, die in den Waldgemeinden tätig sein mussten, hatten bei allem Zwang dort offenbar eine erträgliche Zeit. Dies lässt sich daran ablesen, dass sie noch Jahrzehnte nach dem Krieg Verbindung zu den Bauern hielten und sogar zu Besuch dorthin zurück kamen, wo sie ihre Arbeitskraft einsetzen mussten.

Weniger positiv mag die Erinnerung der Mütter gewesen sein, denen man kurz nach der Geburt ihre Babys wegnahm. In dem 2008 von der Gemeinde Neuweiler herausgegebenen Buch vom Verfasser dieses Beitrags, "Neuweiler gestern und heute – Aus 1000 Jahren Gemeinde- und Kreisgeschichte in Wort und Bild", sind die Forschungsergebnisse folgendermaßen zusammengefasst: "Es mag nicht an den Menschen aus Oberkollwangen liegen, dass die in den Kriegsjahren dort tätige polnische Landarbeiterin Anna Szydlak das Dorf vermutlich nicht in allerbester Erinnerung hat.

Laut Geburtsanzeige der Hebamme Helene Lörcher trug der Standesbeamte Hammann am 2. August 1944 die Geburt von deren kleinem, hier zur Welt gebrachten Wladyslaw ein. Auch die ebenfalls aus Polen stammende, nach einer Aufstellung von Bürgermeister Wurster kurz vor ihrem 19. Geburtstag 1940 nach Gaugenwald gekommene und hier bis September 1944 tätige Leokadja Klauze hatte ein ähnliches Mutterschicksal. Sie hatte im Nagolder Krankenhaus im Juni 1944 einen Jörek zur Welt gebracht.

"Polenkinderheim" in Aach

Beide Kinder wurden, wie alte Unterlagen vermitteln, ihren Müttern rasch weggenommen und ins sogenannte Polenkinderheim in Aach gebracht. Beim Standesamt in Aach – so die Einträge im Sterbebuch – zeigte Georg Franz, Rechnungsführer des Polenkinderheims Aach an, dass Wladyslaw am 8. Januar 1945 verstorben sei. Frida Bärstecher, Wärterin im Polenkinderheim, hatte schon am 6. November 1944 den Tod von Jörek angemeldet.

Als Todesursachen, die damals in den Standesamtsregistern vermerkt wurden, sind bei Jörek ›Lebensschwäche Magen und Darmkathar‹, bei Wladyslaw ›Hirnkrampf Rachitis‹ vom Standesbeamten festgehalten.

Im Gräberbuch des Friedhofs Aach ist zwischen 27. August 1944 und 9. Januar 1945 die Bestattung von elf weiteren ›Polenkindern‹ in ›untere-obere Ecke im Friedhof‹ eingetragen. Von allen 13 war Wladyslaw mit fünf Monaten und 6 Tagen am ältesten geworden."

Bewegende Gedenkfeier

Eine bewegende Gedenkfeier verfolgten am Volkstrauertag über hundert Besucher auf dem Alten Friedhof in Aach. Die Erinnerung galt diesmal besonders dort im Polenkinderheim zu Tode gekommenen Säuglingen, die grausam der NS-Ideologie vor 75 Jahren zum Opfer fielen. Zur Erinnerung wurde durch den Pforzheimer Gestaltungskünstler René Dantes eine Stele geformt, die an einer Stelle die Hintergründe aufzeigt, an anderer den Sinn zusammengefasst: "Mensch gedenke und lerne."

Enthüllt wurde das – aus einem Ideenwettbewerb heraus entstandene – eindrucksvoll gestaltete Denkmal nach tiefgründigen Ansprachen von Bürgermeister Bernhard Haas, Landrat Klaus-Michael Rückert, einem anlassbezogenen Gebet von Pfarrer Manfred Mergel, ehe Ausführungen des Künstlers folgten. Bestandteil der Stele ist ein Kreuz für jedes umgekommene Kind mit dessen Namen.

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 1308-91

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