Auf diesem Plakat präsentierte der Freundeskreis Dorfpartnerschaft Neuweiler/Betlehem seine Ziele und die Ortschaften, die beteiligt sein könnten. Foto: Schabert Foto: Schwarzwälder-Bote

(hms). Geht es nach Zvika Brandes, ist sein Betlehem in Galiläa,

(hms). Geht es nach Zvika Brandes, ist sein Betlehem in Galiläa, bezogen auf Christi Geburt, das richtige. Archäologen hätten dort schließlich drei Kirchen gefunden, argumentiert er. Außerdem glaube er nicht, dass die hochschwangere Maria den Weg von 150 Kilometern ins heute arabische Bethlehem auf einem Esel geschafft hätte. Nazareth sei von seiner Heimat aus lediglich 20 Kilometer entfernt.

Von Hans Schabert

Neuweiler-Zwerenberg. Schon im einführenden Vortrag von Martin Seeger im Rahmen des vom Freundeskreis Dorfpartnerschaft Neuweiler/Betlehem veranstalteten Abends wurde den Besuchern klar: Da gab es im vorletzten Jahrhundert durch Vorfahren aus dem Schwarzwald eine enge Verbindung zu den Templern in Palästina.

Dies zeigten die Namen der Gründer von Betlehem 1906: Beck, Beilharz, Blaich, Herrmann, Gassmann, Katz, Ruff, Schmid, Wagner oder Weber hießen vor 100 Jahren dort lebende Familien. Auch Briefe, Postkarten und das Grundstücksverzeichnis des Dorfs auf der Leinwand unterstrichen dies. Mit Haifa 1868 – durchgesetzt vom zum Vizekonsul erhobenen Metzgergesellen Fritz Keller aus Neuweiler – beginnend, gründeten die auch Jerusalemfreunde Genannten sieben Siedlungen. Sie suchten in Palästina vor allem ihr Seelenheil, brachten aber das Land durch moderne Anbaumethoden und Infrastruktur auch voran. Deshalb schützt der israelische Staat das von ihnen Hinterlassene, teils mitten in den gewachsenen Großstädten zwischen den Hochhäusern, als Denkmal.

Betlehem war eigentlich schon eine Folgesiedlung, weil es in Jaffa (gegründet 1869), Sarona (1871), Jerusalem (1873) und Wilhelma (1902) zu eng wurde. 1907 folgte lediglich noch Waldheim, das allerdings als "Kirchlersiedlung" gilt. Diese Auswanderer hatten sich nicht von der Kirche abgespalten und errichteten sogar ein bis heute als Gebäude erhaltenes evangelisches Gotteshaus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Deutschen auf Druck der Mandatsmacht England Palästina verlassen. Auch sie hatten sich dem Hitlerregime nicht entziehen können, fleißig Hakenkreuzfahnen geschwenkt, stramm Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädchen gepflegt. "Wie kam Zvika Brandes auf den Hof der Familie Ruff?", war eine der Fragen, die der heutige Eigentümer – mithilfe von Dolmetscher Moshe Tzrouya aus Karlsruhe – beantwortete.

Der Vater von Brandes floh 1942 aus Polen über Russland nach Palästina. Seine ebenfalls aus Polen stammende Mutter wurde 1945 aus dem Lager Bergen-Belsen befreit. Auch sie machte sich nach Israel auf. Beide fanden sich im gleichen Kibbuz. 1957 nahmen sie das Angebot der Einwanderungsbehörde an, den freien Hof in Betlehem zu übernehmen. Zivka Brandes war damals vier Monate alt und lebt seither dort.

Templer entschädigt

Im Rahmen der Wiedergutmachungsverhandlungen, so Brandes, seien die Templer 1962 entschädigt worden. Er betreibt heute den "Pfad von der Kuh zur Milch" betitelten Hof. Das genossenschaftlich organisierte Dorf liegt benachbart zu Siedlungen ehemaliger Beduinen. Ehefrau Efrat Brandes erzählt, dass sie ihren Mann im Alter von 18 Jahren im Zusammenhang mit dem Militärdienst im Bus getroffen habe. Vier Jahre später zog sie von Jerusalem zu ihm nach Betlehem.

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