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Neuweiler Gusseiserne Verbindung nach Tel Aviv

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Christoph Perrot (Zweiter von rechts) erklärt den Besuchern Shay Farkash (von rechts), Martin Seeger und Dana Lantzman die technischen Möglichkeiten. Foto: Schabert Foto: Schwarzwälder Bote

Eine ehemaliges Templerdorf im heutigen Israel bekommt restaurierte Kirchturmglocken von einer Calwer Spezialfirma. Doch die Verbindungen reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück, als Aussiedler auch aus Neuweiler nach Palästina auswanderten.

Neuweiler/Calw/Tel Aviv. Es ist ein besonderer Auftrag, über den Christoph Perrot mit den aus Israel angereisten Restauratoren Shay Farkash und Dana Lantzman im Stammheimer Feld in Calw spricht. Die auf Turmuhren und Läuteanlagen spezialisierte und international wirkende Firma Perrot soll zwei Glocken aus Sarona, dem heute mitten in Tel Aviv gelegenen ehemaligen Templerdorf, wieder in Gang bringen.

Diese sind in einer eigens dafür gezimmerten, gut ausgepolsterten Kiste per Luftfracht schon vor den Besuchern eingetroffen. 60 Kilo schwer sind die Kisten.

Dass die Glocken erhalten wurden, sicherte 1952 kein Geringerer, als der seit dem Verlust eines Auges Anfang der 1940er-Jahre im Syrisch-Libanesischen Feldzug die typische schwarze Augenklappe tragende, israelische General und Politiker Mosche Dajan (1915-1981). Der Historie zugeneigt, hat er die von der Stuttgarter Firma Heinrich Kurtz 1887 gegossenen Zeugen der Vergangenheit 1952 in seinem Haus einlagern lassen. Nach seinem Tod waren sie zunächst vergessen.

Aber Dajans erste Frau Ruth erinnerte sich vor wenigen Jahren daran. Die Glocken wurden hervorgeholt, von Dana Lantzman gereinigt und sollen nun wieder auf dem alten Gemeindehaus in Sarona die Zeit schlagen. Christoph Perrot erläutert den Besuchern die Möglichkeiten. Wenn die Zahlen für zwei mögliche Lösungen vorliegen, soll die Entscheidung fallen: Entweder läuten sie digital gesteuert bald in der denkmalgeschützten, heute von Hochhäusern umgebenen ehemaligen Templer-Siedlung mittels eines Magnethammers oder wie früher mit einem mechanischen Hammer über zahlreiche Seilzüge.

Viele Neuweiler wanderten einst aus

Letzteres wäre der ursprünglichen Wirkungsweise näher, erkennt Martin Seeger, der die Besucher begleitende Heimatgeschichtler aus Zwerenberg. Er hat sich nicht nur um die Ortsgeschichte seines heute einen Teil von Neuweiler bildenden Heimatdorfes Verdienste erworben. Besonders hat er sich auch – teils vor Ort in Israel – mit der Historie der Templer befasst. Diese hat einen ganz besonderen Bezug zu den Waldgemeinden. Allein aus dem heutigen Neuweiler wanderten im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts etwa 90 Personen nach Palästina aus, 30 davon aus Zwerenberg.

Sarona nimmt nach dem Krieg besonderen Weg

So verwundert es nicht, dass im dortigen Gemeindehaus eine Perrot-Uhr stand, die 1877 gefertigt, später auch den Glockenschlag steuerte. Dies führte dazu, dass die Israelis auf die Firma zukamen und den nicht mehr funktionierenden Zeitmesser 2014 durch eine moderne Turmuhr ersetzen ließen.

Unter den sieben Templer-Gemeinden, die in Palästina im 19. Jahrhundert entstanden, nahm Sarona während und nach dem Zweiten Weltkrieg einen besonderen Weg. Die Bevölkerung, die der deutschen Feindesmacht angehörte, wurde von den Briten interniert und später vor allem nach Australien deportiert.

Von den Gebäuden ergriff die britische Armee Besitz und übergab diese nach Gründung Israels 1948 dem israelischen Militär. Inzwischen ist das ehemalige Templerdorf denkmalgeschützt.

Die Stadt Tel Aviv, erklärt Shay Farkash, verkauft die Häuser nur an potente Eigentümer, die sich verpflichten, eine Renovierung nach Vorgaben vorzunehmen, die das historische Erscheinungsbild wahren und gegebenenfalls ergänzen. Diese Auflage galt für die Herstellung der Uhr am alten Gemeindehaus, und sie gilt auch für die Wiederinstallierung der Glocken. Untergebracht in dem Gebäude, das einstmals ihr Seelenheil in Palästina suchende schwäbische Auswanderer als Gemeindehaus errichtet haben, sind heute ein Restaurant und ein Modegeschäft.

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