Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Neuweiler Ein Mahnmal auf zwei Beinen

Von
Zeitzeuge Ernest Kolman kommt in den Nordschwarzwald. Foto: Schwarzwälder-Bote

Am 26. September beginnt eine Gedenkwoche an die jüdische Familie Eugen Marx, die von 1929 bis 1933 in Neuweiler gelebt hat. Aus diesem Anlass kommt der Zeitzeuge Ernest Kolman in den Nordschwarzwald.

Neuweiler/Freudenstadt. Er bezeichnet sich selbst gerne als "Mahnmal auf zwei Beinen". Seit Jahrzehnten besucht der inzwischen 90-jährige Ernest Kolman regelmäßig von London aus seine Heimatstadt Wesel und spricht dort jedes Jahr zum Holocaust-Gedenken am 8./9. November "Gegen das Vergessen". Jetzt kommt der Neffe des jüdischen Mediziners Eugen Marx, der in Neuweiler praktizierte und Badearzt in Bad Teinach war, aus England in den Nordschwarzwald. Für sein Alter noch rüstig und geistig rege, dürfte der 1926 in Wesel am Niederrhein als Ernst Kohlmann Geborene einer der letzten Zeitzeugen der Judenverfolgung während der NS-Zeit sein.

Bis 1933 erlebte er eine unbeschwerte Kindheit

Kolman erlebte, wie er berichtet, bis 1933 eine unbeschwerte Kindheit. Er erinnert sich besonders gern an die Besuche bei Onkel Eugen im Schwarzwald.

Doch schon bald nach der Machtergreifung der Nazis 1933 wird alles anders. Marx wird von Nationalsozialisten brutal zusammengeschlagen und kommt vorübergehend in Schutzhaft in das KZ Heuberg bei Balingen. Danach flieht die Familie nach Köln. Dort erkrankt Ehefrau Karoline und stirbt. Der Arzt wird 1938 erneut verhaftet. Er wird mit der Auflage entlassen, Deutschland zu verlassen. Marx flüchtet über Italien und die chinesische Hafenstadt Schanghai in die USA. Er praktiziert wieder als Arzt und stirbt 1965 in Chicago.

Marx hofft, seine Kinder Rosemarie und Ruth nachkommen lassen zu können. Die Mädchen leben im jüdischen Kinderheim in Köln. Alle Bewohner werden jedoch in ein Vernichtungslager im weißrussischen Minsk deportiert. Dort werden seine Töchter, neun und sechs Jahre alt, 1942 von den Nazis umgebracht.

Mit letztem Transport nach Großbritannien

Kolman selbst gelangt mit einem der letzen Kindertransporte nach Großbritannien, wo er bis heute lebt. Seine Eltern hat er nicht wiedergesehen. 1988 – 50 Jahre nach der Pogromnacht – besucht er erstmals wieder Wesel. Kolman: "Es war ein Treffen mit großen Vorbehalten auf beiden Seiten." Inzwischen habe sich vieles zum Guten gewendet. Ernest Kolman ist heute Ehrenbürger seiner Heimatstadt.

Den Neffen von Eugen Marx ausfindig zu machen, war gar nicht so einfach. Als der ehemalige Pfarrer Ulrich Müller, der heute in Baiersbronn lebt, die Biografie des jüdischen Mediziners Carl Beer (1885-1969) erforschte, der 1918 als junger Arzt nach Freudenstadt gekommen war, entstand in Neuweiler Interesse, das Leben von Eugen Marx zu erforschen. Es bildete sich ein Arbeitskreis, dem neben dem früheren Freudenstädter Pfarrer der Calwer Kreisarchivar Martin Frieß, Martin Seeger (Neuweiler), Gabriel Stängle, Lehrer (Nagold) und Norbert Weiss, Lehrer i.R. (Calw) angehören. Müller hat Kolman erst über eine Anfrage beim United States Holocaust Memorial Museum in Washington ausfindig gemacht. Weitere Recherchen im Internet haben ergeben, dass Ernest Kolman in London lebt.

Nordschwarzwald

Nummer 

, . 

Die Gedenkwoche an die Familie des jüdischen Arztes Eugen Marx, der mit seiner Familie von 1929 bis 1933 in Neuweiler gelebt hat, beginnt am Montag, 26. September. Der 90-jährige Ernest Kolman, Neffe von Eugen Marx, reist aus London an und wird Hauptredner bei einer Gedenkveranstaltung ab 19.30 Uhr in der Waldschule Neuweiler sein. Zudem wird dieser Zeitzeuge am Donnerstag, 29. September, ab 19.30 Uhr in der Remigiuskirche in Nagold sprechen.

Kolman besucht darüber hinaus Schulklassen, so an der Waldschule Neuweiler, dem Hermann Hesse-Gymnasium Calw, der Realschule Altensteig sowie an der Christiane-Herzog-Realschule in Nagold. Am Dienstag, 27. September, wird der Gast aus England von Bürgermeister Markus Wendel im Rathaus von Bad Teinach-Zavelstein empfangen, wo Marx als Badearzt gewirkt hat. Am Donnerstag, 29. September, trägt sich Kolman auf Einladung von Oberbürgermeister Jürgen Großmann ins Goldene Buch der Stadt Nagold ein.

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.