Das Bild zeigt das Gotteshaus in Breitenberg hier um das Jahr 1936. 1991 wurde dann der neue Kirchplatz eingeweiht.Foto: Digitalarchiv Schabert Foto: Schwarzwälder Bote

Kirchenmusik: Breitenbergs drittes Großinstrument steht seit 25 Jahren an seinem Platz / Wechselvolle Geschichte

Die Orgel im Breitenberger Gotteshaus ist schon viel herumgekommen – unfreiweillig wohlgemerkt. Denn im Zuge von immer wieder nötigen Umbauten, musste das Instrument des Jahres 2021 oft weichen und den Standort wechseln.

Neuweiler-Breitenberg. In aller Stille war für die Orgel in der Breitenberger Kirche jüngst der Tag des 25-jährigen Jubiläums. Dies passt natürlich zur "Königin der Instrumente", die nicht nur Weltkulturerbe, sondern 2021 auch noch Instrument des Jahres ist. Gebaut wurde das Breitenberger Exemplar von Orgelbaumeister Norbert Wylezol aus Pfullendorf, das die Kirchengemeinde Breitenberg unter großen Anstrengungen angeschafft und am 21. Januar 1996 eingeweiht hat.

Es handelte sich dabei nicht um die erste Orgel, die Breitenbergs Kirche mit ihrem Klang füllte und Gottesdienste begleitete. Eine Vorgängerin ist sogar auf einem Konfirmandenbild aus dem Jahr 1924 zu sehen. Damals stand sie im Altarraum. Sie stammte von dem Reutlinger Orgelbauer Jacob Daniel Stieglitz aus dem Jahr 1861. Im Zuge einer Sanierungsmaßnahme wurde sie 1936 auf die Empore versetzt. Seit 1986, als es erneut bauliche Veränderungen an dem Gotteshaus gab, ist die Empore zum Gemeinderaum abteilbar – und das gute Stück Orgel musste weichen.

Der Kirchenumbau der 1930er-Jahre war eine Folge von Schäden, welche die Baubehörde veranlasste, am 8. Juni 1935 eine sofortige Schließung wegen Einsturzgefahr des Kirchenschiffs anzuordnen. Schon am 26. Oktober 1935 war Richtfest. Am 9. August 1936 folgte die Wiedereinweihung. Der die Maßnahmen leitende Stuttgarter Architekt Behr sagte bei dieser Gelegenheit: "Der durch die Orgel früher zugebaute Chor ist nun freigelegt und bildet einen würdigen Altarraum. Auf der Mittelempore kommt die Orgel mit ihrem schmucken Pfeifenprospekt in schönheitlicher Beziehung und hinsichtlich der Klangwirkung viel besser als früher zur Geltung. […] Die Orgel wurde von der Orgelbaufirma Weigle in Echterdingen umgebaut und gleichzeitig ­verbessert."

Kunstvoller Turm

Auch diese Orgel hatte schon eine Vorgängerin. Dies belegt ein Pfarrbericht von Pfarrer Bezner aus dem Jahr 1827. Darin heißt es, die Kirche sei "ziemlich hell und zum Predigen gut geeignet". Wörtlich ist weiter zu lesen: "Sie ist mit einer sehr kleinen, feuchten und unheizbaren Sakristey, einem sehr kunstlosen Thurm, einer schlechten Uhr, aber mit einer ziemlich guten kleinen aus sechs Registern bestehenden Orgel versehen." Es wird vermutet, dass diese ebenfalls im Altarraum gestanden hatte.

Nach dem Umbau des Jahres 1986 hatte die Kirchengemeinde Breitenberg zur Überbrückung bis zum Kauf einer neuen Orgel ein ab 1987 eingesetztes elektronisches Instrument angeschafft. Die zwischengelagerte bisherige Orgel war zum Aufbau an anderer Stelle nicht geeignet und wurde dem Erbauer der neuen später in Zahlung gegeben.

Die Kirchengemeinde fing zu sparen an und hatte trotz anderer Verpflichtungen bis 1992 runde 42 000 Mark in der betreffenden Rücklage. Man hoffte, damit ein Drittel der Kosten decken zu können. Es reichte aber nicht, und es hieß weitersparen. An gemeinschaftlichen Festen wirkten auch örtliche Vereine und die Bevölkerung ehrenamtlich mit. So wurden zusätzlich zu Opfern und Spenden gute Erlöse generiert.

Bei der Orgeleinweihung vor 25 Jahren war förmlich zu spüren, wie das ganze Dorf hinter der Anschaffung steht. Bei einem ganztägigen Fest, zu dem der Reutlinger Prälat Claus Maier am Morgen den Auftaktgottesdienst hielt, wurde das Ereignis gefeiert, informiert, besichtigt und am frühen Abend zum Abschluss mit Kirchenmusikdirektor Bernhard Reich (Calw) und der Sopranistin Annegret Hörger-Budday (Ditzingen) ein eindrucksvolles Konzert geboten. Beeindruckend war auch, was der amtierende Pfarrer und Bruder der Sängerin, Friedrich Hörger, vortragen konnte: Zu den Kosten von 175 000 hatte die Gemeinde 130 000 Mark aus Opfern und Spenden gesammelt. Für den Rest gab es ein Darlehen von 45 000 Mark.

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