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Neuweiler Alles kommt doch nicht so schlimm

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Georg Roller ließ einen Blick in die Hofbrennerei in der Wildbader Straße in Oberkollwangen werfen und gab Einblick in die Arbeit eines Kleinbrenners nach Abschaffung des Branntweinmonopols. Foto: Schabert Foto: Schwarzwälder Bote

Es kam für die seit mehr als zwei Jahrhunderten in Württemberg und anderen süddeutschen Ländern betriebenen kleinen Hofbrennereien doch nicht so schlimm, wie im Zusammenhang mit der gesetzlichen Abschaffung des Branntweinmonopols zu Beginn des Jahres 2018 im Vorfeld befürchtet.

Neuweiler-Oberkollwangen. Darüber freuen sich Georg und Waltraud Roller, die in Oberkollwangen eine solche Kleinbrennerei betreiben, und sicher auch ihre Kollegen. Bis zum Inkrafttreten der neuen Vorschriften galt für alle Kleinbrenner für einen Teil des gebrannten Alkohols eine Ablieferungspflicht an den Staat. Diese war aber wegen des garantierten Preises, der über dem Marktpreis lag, eher ein Ablieferungsrecht. EU-Vorschriften ließen diese Regelung nicht mehr zu. Aber die Befürchtung, dass dadurch das Brennen unrentabel wird, ist dank des Absatzes am Markt bislang doch nicht zur Realität geworden.

Destillieren wird zur echten Passion

Idealisten müssen die Betreiber von Kleinbrennereien dennoch sein. Die Anlage samt dem ihm vermittelten Know-how hat Georg Roller in Oberkollwangen von seinem verstorbenen Schwiegervater Fritz Mönch 2002 übernommen. Früher als Pharma-Fachmann nebenbei, heute als Ruhestands-Beschäftigung betreibt er das Destillieren aus Passion. Für die Ökologie sind die Kleinbrenner wichtig. Denn ohne sie gäbe es in Baden-Württemberg sicher die 180 000 Hektar Streuobstwiesen mit zwölf Millionen Bäumen nicht mehr. Manche Tier- und Pflanzenarten oder alten Obstsorten hätten dann ihre Heimat verloren.

Maximal 300 Liter reiner Alkohol pro Jahr

Wichtig ist den Rollers: "Bei uns muss alles Natur sein!" Beispielsweise wird in den Blutwurzel nicht einfach eine Essenz geschüttet, sondern das Material wird gesammelt und gereinigt, um damit die Schnäpse anzusetzen. Gebrannt werden dürfen im Nebengebäude des Hofs jährlich maximal 300 Liter reiner Alkohol. Das Kontingent wird in der Regel gerade etwa zur Hälfte ausgeschöpft. Auch elf Stoffbesitzer, die nicht selber brennen können, haben 2020 aus ihrem Material schon Alkohol ziehen lassen. Sie sind allerdings auf 50 Liter begrenzt und müssen das Obst aus eigenem Anbau haben. "Dabei gehe ich allerdings nicht über 15 Liter", erläutert Georg Roller.

Wird diese Menge überschritten, setzt eine Phase des Bürokratismus ein, die er nicht mitgehen möchte. Auch unter dieser Menge ist eine ordentliche Dokumentation nötig, weist er auf sauber in einen Ordner gelegte Formulare hin. Arbeit bleibt neben dem Brennen so oder so genug. Es gilt die rund 60 Obstbäume zu pflegen, von denen nach dem Orkan "Lothar" 40 neu gepflanzt wurden. Mit Sorgfalt ernten, einsammeln, reinigen und einschlagen des Obstes sowie die Wiesenpflege sind weitere Arbeiten, die zu anderen Aufgaben in der kleinen Landwirtschaft erledigt werden wollen. Allein fürs Brennen hat Georg Roller früher zehn volle Samstage kalkuliert. Aber dazu kann er inzwischen ja die Wochentage verwenden.

Mit dem Brennen, bei dem man sich Zeit lassen sollte, ist das Destillat noch nicht verkaufsfertig. Jetzt sollte es gut abgelagert werden. Das Fertigstellen nach der Reifung erfordert weiteren Aufwand. Am Ende gilt es, den Alkohol auf die richtige Trinkstärke zu bringen, abzufüllen und zu etikettieren.

Das Schnäpsle mit der Bezeichnung Brand oder Wasser stammt rein aus der Frucht, dessen Namen es trägt. Ein Kirschbrand oder Kirschwasser entsteht zu 100 Prozent aus Kirschen. Brand und Wasser sind unterschiedliche Begriffe für das Gleiche. Auf andere Art wird etwa ein Himbeergeist hergestellt. Grundlage für einen Geist ist ein geschmacksneutraler Alkohol beispielsweise aus Getreide. Dieser mazeriert – der Fachausdruck bedeutet löst durch Aufweichung des pflanzlichen Gewebes – das Aroma aus den zuckerarmen Beerenfrüchten, wobei anschließend noch zusätzlich destilliert wird.

Ein Obstler ist ein aus mehreren Obstsorten destillierter Brand oder Geist.

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