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Neuweiler 300 Jahre alte Kaminkachel

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Vor 300 Jahren wurde wohl dieser Stein für einen Kamin im Hofstetter Schlössle gestaltet. Foto: Braun Foto: Schwarzwälder Bote

Als Frieder Stein in seinem Garten in Hofstett einen alten, bearbeiteten Stein fand, war für ihn klar: Der stammt aus der Zeit des Hofstetter Schlössles.

Neuweiler-Hofstett. Auf dem ehemaligen Staatseigentum, das seine Eltern vor Jahrzehnten kauften, hatte nämlich einst Württembergs Herzog Eberhard Ludwig – wie auch in kleinerem Maßstab in Naislach und Igelsloch – ein Jagdanwesen. Der Gründer von Stadt und Schloss Ludwigsburg sowie des Wildbader Kurparks ließ in Hofstett gleich dreimal das zunächst 1715 entstandene Herrenhaus erbauen.

Platz für rund 100 Pferde

Unter sieben Nebengebäuden gab es den Marstall mit mehr als 100 Pferdestellplätzen. Das Haupthaus entstand nach Bränden 1723 und 1732 neu. Es war wohl nicht – wie teils von Historikern angenommen – das ganz einfache, spartanisch ausgestattete Jagdhaus. Denn der Landesherr wollte ja den Jagdgesellschaften seine Größe zeigen.

Dazu passt der aufgefundene Stein. Fotografiert von der gegenüber dem Fundort wohnhaften Martha Braun wanderten Bilder davon zu ihrer heute in Heumaden lebenden, heimatgeschichtlich besonders interessierten Schwägerin, der Hofstetterin Renate Braun. Sie präsentierte die Aufnahmen dem ebenfalls in Heumaden wohnenden, früher bei Vermögen und Bau Baden-Württemberg tätigen Architekten Rudolf Weisz.

Der Fachmann datierte das Fundstück in die Zeit Ende 17./Anfang 18. Jahrhundert und erklärte: "Bei dem archäologischen Fund handelt sich um ein Eckprofil einer Kaminkachel, dem korinthischen Stil nachempfunden." Nachdem Eberhard Ludwig (1676-1733) ab 1693 bis zu seinem Tod regierte, passt der Fund exakt in die Zeit des Hofstetter Schlössles. Dieses wurde 1768 abgebrochen. Alte Unterlagen belegen, dass damals das Gebälk für den Pfarrhaus-Neubau in Neuweiler verwendet wurde.

Bei der Bevölkerung wird man über den Abbruch nicht traurig gewesen sein. Wenn der Landesherr aufzog, dann war man in Hofstett, dem Ämtlein Neuweiler und der Vogtei Calw nämlich mächtig gefordert. Frondienste, Botendienste, die Aufstellung von "Jagensmannschaften" als Treiber, Fuhrdienste oder Versorgungsaufgaben banden über die wenigen Hofstetter hinaus Bauern und Taglöhner der Umgebung zu Hunderten unentgeltlich oft tagelang.

Bevölkerung muss schuften

Was Eberhard Ludwig allein an Verpflegung so benötigte, wenn er mit dem Hofstaat zur Jagd anreiste, belegt ein Schreiben an den Calwer Vogt. Der hatte "ohnfehlbar" für die Lieferung nach Hof­stett auf Kosten des Amtes zu sorgen für "100 Scheffel Haber, 4 Wagen Heu, 2 Maß Grundeln [Fische], 10 Pfund Forellen, 50 Pfund Butter, 400 Stück ‚Ayer’, 24 alte Hühner, 6 Kapaunen [Hahnen], 2 welsche Hühner und 20 junge Tauben." Zur Frondienst- und Kostenbelastung für die Bevölkerung kam, dass gegen Wildschaden anrichtende Tiere nicht vorgegangen werden durfte.

Nach einem zeitgenössischen Bericht von 1781 tummelten sich in dem – auch nach dem Gebäudeabbruch – beliebten Jagdgebiet des Oberen Waldes Rehe in Herden und Hirsche in Rudeln. Schwarzwild gab es ebenfalls in Massen. Was dies für die Landwirtschaft bedeutete, muss nicht näher beschrieben werden. Es war Notwehr, wenn die Bevölkerung wilderte. Aber die Landesherren betrachteten dies anders: Um der Wilderei Einhalt zu gebieten, wurden Scharfschützenkommandos 1772 nach Aichhalden und Oberweiler, 1812 nach Zwerenberg, Hornberg und Neuweiler beordert.

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