Mit solchen Wildgattern wird der gepflanzte Jungebestand vor Wildverbiss geschützt. Foto: Strohmeier

Forst: Verpachtung der Jagdreviere auf Gesamtgemarkung steht an / Besser Zusammenarbeit geplant

In Bad Dürrheim stehen die Verpachtung der acht Jagdreviere auf sechs Jahre an, beginnend zum 1. April 2022. Die Jäger haben einen hohen Einfluss darauf, wie sich die Naturverjüngung im Wald entwickelt. Abschussquoten für das Wild, wie es sie früher gab, gibt es keine mehr.

Bad Dürrheim. Bei der Waldbegehung im Juni gaben die Förster Matthias Berger und Johannes Mayer dem Gemeinderat einen Zustandsbericht ab. Rund 900 Hektar Forst gibt es auf Bad Dürrheimer Gemarkung, Die Eigentümer sind die Stadt, der Staat und Privatpersonen, aufgeteilt ist die Fläche auf die acht so genannten Jagdbögen (Reviere), Verpächter ist die Jagdgenossenschaft.

Die Mitglieder von dieser sind alle Eigentümer der im gemeinschaftlichen Jagdbezirk gelegenen Grundstücke. Eigentümer von Grundstücken, auf denen die Jagd ruht oder aus sonstigen Gründen nicht ausgeübt werden darf, gehören der Jagdgenossenschaft nicht an. Der Gemeinderat ist der Verwalter der Jagdgenossenschaft bis zur Neuverpachtung und vertritt sie auch gerichtlich. Weiterhin gibt es die Versammlung der Jagdgenossen.

Unterschiedliche Merkmale

Die Reviere auf der Gesamtgemarkung weisen ganz unterschiedliche Merkmale auf, wie Sandra Hööck, Fachbereichsleitung Liegenschaften bei der Gemeinde­verwaltung, erläutert. So seien die Jagdreviere der Kernstadt, Sunthausen sowie Öfingen Nord und Süd stark erholungsgeprägt, hier gestalte sich die Jagd schwierig. Grundsätzlich berichten Förster wie auch Jäger seit Beginn der Coronapandemie über mehr Spaziergänger, aber auch Sportler, die den Wald nutzen. Und ein weiteres: Der Forst wird zunehmend vermüllt. Bauhofleiter Michael Liedtke und seine Männer wissen hiervon zu berichten, wie sie auf ihren Touren immer wieder vereinzelt etwas finden, genauso wie illegale Müllablagerung, beispielsweise von Bauschutt.

Bei der Waldbegehung im Juni wurde auch das Problem mit dem Verbiss angesprochen. Klar wurde damals, dass es Waldflächen gibt, auf denen die Naturverjüngung funktioniert, auf anderen wiederum hat diese keine Chance, da der Verbiss der jungen Pflanzen durch das Rehwild zu hoch ist. Diese gehen vor allem an das frische Grün der jungen Triebe der Nadelhölzer, aber auch junge Laubbäume sind nicht sicher vor ihnen. Hier haben die Baumarten verschiedene Bedürfnisse. Beispielsweise benötigt die Weißtanne in jungen Jahren Schatten, nimmt man bei der Holzernte zuviel von den großen Bäumen heraus, entwickelt sie sich nicht gut. Das Problem bei der Sache ist ein finanzielles.

Aufforstung teuer

Die Aufforstung einer Fläche kostet den Eigentümer – egal wer es ist – viel Geld, begonnen vom Kauf der Setzlinge bis hin zur Pflege und dem Schutz vor Verbiss. So kostet beispielsweise eine Wurffläche, die zum Teil in der Aktion "1000 Bäume für 1000 Kommunen" aufgeforstet wurde, mit Vorbereitung bis die Bäume gesichert, sprich rund zwei Meter hoch sind, 11 000 Euro, wie bei der Waldbegehung im Juni zu erfahren war.

Nach Aussage von Sandra Hööck kann die Jagdgenossenschaft als Verpächter beim Vertrag auch Auflagen machen unter Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen des Zivil- und Jagdrechts. Die Kriterien dabei sind beispielsweise zu Wild- und Jagdschäden, zu Wildschadensverhütungsmaßnahmen, die Duldungen der notwendigen Bejagung und außerordentlichen Kündigungsmöglichkeiten.

Die Problematik des Verbisses wurde bei der Waldbegehung von zwei Seiten her beleuchtet, Förster Matthias Berger kam zu Wort, genauso wie Jäger Jörg Wehinger. Damals formulierte man schon die Absicht, mehr miteinander zu kommunizieren und dies soll nun auch umgesetzt werden. "Hier wird es in erster Linie einen engeren Austausch zwischen zuständigem Förster, der Unteren Jagdbehörde und auch der Stadt geben. Insbesondere von Seiten des Försters wird es verstärkte Begehungen geben. Missstände werden unverzüglich allen Beteiligten aufgezeigt", erklärt Hööck auf Nachfrage.

Mehrere Jäger pro Revier

Bei einem Revier kann es auch mehrere Pächter geben, so ist nach dem Jagd- und Wildtiermanagementgesetz Baden-Württemberg je angefangene 100 Hektar ein Jäger hinzukommen. Auf der gesamten Gemarkungsfläche gibt es vier Pächter, die mehrfach eingetragen seien, so ­Hööck. Auf jeden Fall soll bei erhöhtem Wildverbiss auch die Abschusszahl steigen.

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