Florian Dieterich ist optimistisch, mit seinem neuen Fahrradgeschäft Erfolg zu haben. Foto: Schabel

Nach der Insolvenz von Black Forest Rides hat Florian Dieterich in den identischen Räumen ein neues Fahrradgeschäft eröffnet. Im Juni zieht er damit ins Kesselhaus um.

Als der Autor das Gebäude mit dem markanten Glasvorbau in der Breisgaustraße betritt, ist er überrascht. In den vergangenen Wochen haben Nachrichten von der Insolvenz und dem Ausverkauf bei Black Forest Rides die Runde gemacht – doch der große Ausstellungsraum ist in einem Top-Zustand und enthält eine sehr große Auswahl an Fahrrädern und E-Bikes, eines schicker als das andere. Florian Dieterich klärt auf Nachfrage auf: Der Verkauf der Insolvenzmasse sei auch dank Rabattaktionen gut gelaufen. „Was jetzt hier steht, ist Neuware.“

 

Der Hintergrund: Dieterichs altes Geschäft Black Forest Rides gab es bis Ende April. Jetzt führt er in denselben Räumen einen neuen Fahrradladen, den er mit Sinn für Ironie Second Ride GmbH genannt hat, zu deutsch zweite Fahrt oder zweiter Ritt. Inhaber ist Dieterichs Schwiegervater Rolf Körner aus Friesenheim, Dieterich selbst fungiert als Geschäftsführer. Die Telefonnummern und sogar die E-Mail-Adressen sind gleich geblieben, so dass die Kunden von der Umstellung kaum etwas spüren.

Körner hat die Namensrechte und das Umlaufvermögen des alten Betriebs gekauft, also den übrig gebliebenen Warenbestand und die Ausstattung der Werkstatt. So sei es gelungen, einen großen Teil der finanziellen Forderungen auszugleichen, die auf Black Forest Rides lasteten, verdeutlicht Dieterich. Er persönlich habe aber noch erhebliche finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen – Forderungen der Bank, die ihm mit einem Kredit beim Geschäftsstart geholfen hatte.

Der Autor hat Dieterich am Dienstag in seinen neuen Räumen besucht, die gleichzeitig auch seine alten sind. Es war der erste offizielle Öffnungstag des neuen Unternehmens Second Ride, das am 28. April in das Handelsregister beim Amtsgericht Freiburg eingetragen worden war. Am Samstag, 2. Mai, habe man wegen Umbauarbeiten geschlossen gehabt, der Montag sei ohnehin kein regulärer Öffnungstag, erklärt Dieterich.

Fixkosten haben Black Forest Rides erdrückt

Der 40-Jährige, der in Lahr geboren und aufgewachsen ist und lange im Eventmanagement tätig war, wirkt im Gespräch zuversichtlich. Durchaus bemerkenswert, denn er war in die Selbstständigkeit als Inhaber eines Fahrradladens zwar mit viel Herzblut gestartet, musste dann aber feststellen, dass sich ein rentabler Geschäftsbetrieb nicht realisieren ließ. Black Forest Rides sei letztlich von den Fixkosten erdrückt worden, erzählt er.

Schon der Start habe unter keinem guten Stern gestanden: Den geplanten Eröffnungstermin habe er um drei Monate verschieben müssen, da Nacharbeiten beim Brandschutz fällig wurden. Bereits angeschaffte Waren habe er deshalb zunächst nicht verkaufen können und später teils unter dem Einkaufspreis abstoßen müssen. Auch das Personal sei schon eingestellt gewesen, ohne dass er jeglichen Umsatz habe machen können. Als der Betrieb im April 2023 endlich starten konnte, seien deshalb bereits erhebliche Kosten aufgelaufen. Das größte Problem sei allerdings die hohe Miete gewesen.

Worauf beruht seine Zuversicht, dass es unter dem neuen Namen besser läuft? Im Juni sei der Umzug ins Kesselhaus auf dem Roth-Händle-Areal geplant, erwidert Dieterich – dort sei die Miete niedriger. Vor allem aber sei es Black Forest Rides gelungen, einen beträchtlichen Kundenstamm aufzubauen. „Im dritten Jahr hatten wir doppelt so viele Kunden wie im ersten Jahr“, verdeutlicht Dieterich. Das Geschäftskonzept habe also funktioniert.

Bei Black Forest Rides spielte die Fahrrad-Ergonomie eine wichtige Rolle. Jeder Kunde wurde mit einem speziellen Gerät vermessen, wenn er es wünschte. Anhand der Längen von Armen, Beinen sowie des Oberkörpers und der Proportionen zueinander ließ sich ableiten, welches Fahrrad geeignet ist und wie es eingestellt werden muss. Für die Kunden sei es ein Aha-Effekt gewesen, endlich auf dem „richtigen“ Rad zu sitzen, hebt Dieterich hervor. Vor oder nach der Beratung konnten die Besucher in einem zugehörigen kleinen Café einen Cappuccino genießen. Die Atmosphäre stimmte in dem großzügigen Ausstellungsraum mit angeschlossener Werkstatt – auch daran hat sich nichts geändert, ist beim Besuch festzustellen.

Alle sieben Mitarbeiter werden übernommen

Mit derselben Geschäftsphilosophie werde man im Kesselhaus weitermachen, auch dort werde es natürlich eine Werkstatt und ein Café geben, so Dieterich. Alle sieben Mitarbeiter von Black Forest Rides würden weiterbeschäftigt.

Im Juni soll der Fahrradshop im Kesselhaus eröffnet werden. Foto: Schabel

Zurzeit laufen im Kesselhaus auf dem Zeit-Areal Umbauarbeiten, die der Vermieter bezahlt. Im Juni soll die Firma Second Ride in das 280 Quadratmeter große Erdgeschoss ziehen, im Jahr 2027 wolle man dann auch die oberen Stockwerke belegen, so Dieterich, der Großes verspricht: „Was wir dort aufbauen, wird alles in den Schatten stellen.“

Fahrräder sind Dieterichs Hobby, es war sein Traum, sich in diesem Bereich selbstständig zu machen. Im Gespräch schwärmt er von den Vorzügen des Fahrradfahrens – es sei ein perfekter, Gelenke schonender Ausdauersport, den jeder in den Alltag integrieren könne. Sein Shop bietet Fahrräder aller Art, natürlich auch E-Bikes; Spezialgebiet sind Rennräder.

Das ist das Kesselhaus

Das Kesselhaus auf dem ehemaligen Roth-Händle-Areal hat im Lauf der Zeit einen Funktionswandel von einer Industrieanlage zu einem Kulturstandort vollzogen. Ursprünglich diente das Gebäude der Energieversorgung der Roth-Händle. Es beherbergte die Kesselanlagen, die Dampf für die Tabakverarbeitung (Trocknung, Befeuchtung) erzeugten. Außerdem lieferte das Kesselhaus die Heizenergie für die weitläufigen Fabrik- und Lagergebäude auf dem 30.000 Quadratmeter großen Gelände. Später wurde es zu einem Zentrum für Kreativität umgebaut. Unter dem Namen „The Kesselhouse“ fungierte es lange als Kulturgalerie.