Nach fast sieben Jahren Vorbereitung wurde die neue Kirchengemeinde Südliche Ortenau Realität. Sie besteht aus den fünf bisherigen Seelsorgeeinheiten im Raum Lahr.
Die Bildung der neuen Kirchengemeinde im Altkreis Lahr ist Teil eines großen Veränderungsprozesses bei der Erzdiözese Freiburg: Dort sind zum 1. Januar 224 bisherige Seelsorgeeinheiten zu 36 neuen Pfarreien zusammengefasst worden. Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen dazu. Dabei stützen wir uns auf Informationen, die Melanie Bischoff, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im bisherigen Dekanat und auch bei der neuen Kirchengemeinde, zur Verfügung gestellt hat.
Was steckt hinter dieser Umstrukturierung?
Mit der Bildung größerer Einheiten reagiert die Erzdiözese auf schwindende Mitglieder- und Priesterzahlen sowie den demografischen Wandel. Die Anzahl der Gläubigen und der Mitarbeiter der Kirchen sinkt seit Jahren, kirchliches Engagement geht zurück, die Einnahmen aus der Kirchensteuer verringern sich. „Veränderungen der Pastoral, der Verwaltung und der Strukturen sind notwendig, damit Kirche die Verkündigung der Frohen Botschaft in unserer Zeit gelingt“, formuliert die Erzdiözese diesen Umstand. Es geht auch einfach darum, sicherzustellen, dass weiter Gottesdienste in erreichbarer Nähe angeboten werden können.
Wie wirkt sich das Ganze im Raum Lahr aus?
Mit dem Start der neuen Kirchengemeinde sind alle bisherigen, hiesigen Seelsorgeeinheiten (Kirche an der Schutter, Ettenheim, Friesenheim, Maria Frieden Kippenheim und Rust) sowie das Dekanat zu einer gemeinsamen Körperschaft zusammengeführt worden. Die neue Kirchengemeinde Südliche Ortenau hat die Verantwortung für alle bisherigen Gemeinden übernommen.
Welche Neuerungen gibt es kirchenintern?
Die bisherigen Seelsorgeeinheiten mit je eigener Leitung sind einem übergeordneten System für die neue Kirchengemeinde mit einem sogenannten Kernteam als neuer Leitungsstruktur gewichen. Es besteht aus dem leitenden Pfarrer Nelson Ribeiro, dem leitenden Referenten Martin Wetzel sowie dem stellvertretenden Pfarrer Josef Rösch. Die Verwaltung wird mit der neuen Stelle des Pfarreiökonomen (Martin Göhringer) sowie seinem Stellvertreter (Jonas Limberger) neu aufgestellt, auch die bisherige Verrechnungsstelle geht in diese Struktur über. Alle Leitungsfunktionen arbeiten bereits seit Oktober, die Leitungsverantwortung hat jedoch offiziell am 1. Januar begonnen. Auch in den Gremien gibt es Neuerungen: Der Pfarreirat, der die bisherigen Pfarrgemeinderäte ersetzt, wurde bereits gewählt und nimmt nun seine Arbeit auf. Die bisherigen Stiftungsräte entfallen, an ihre Stelle ist ein Pfarreivermögensverwaltungsrat getreten, der im Frühjahr eingerichtet werden soll.
Was ändert sich für die Gläubigen?
Zum Jahresbeginn ist eine neue Gottesdienstordnung in Kraft getreten. Sie folge einem festen, verlässlichen Rhythmus und solle langfristig Orientierung geben – „bei gleichzeitiger Berücksichtigung der pastoralen Möglichkeiten“, betont Melanie Bischoff. Außerdem wurden zum 1. Januar die alten Webseiten blindgeschaltet und leiten nun auf eine neue gemeinsame Webpräsenz weiter: Ab jetzt laufen alle Infos über www.kath-so.de. Die Seite ist bereits mit den wichtigsten Punkten gestartet, werde aber Stück für Stück erweitert, heißt es. Das neue Logo der Kirchengemeinde ist indes seit mehr als einem Jahr bekannt – nun ist es auch für alle ehrenamtlichen Gruppierungen verfügbar. Idee sei es, dass auf allen Einladungen, Plakaten und Jahresplänen das Logo der Kirchengemeinde zu sehen ist und alle Gruppen und Aktivitäten der Kirchengemeinde als Einheit erkennbar seien, so Bischoff. Dafür gebe es nun auch ein Corporate Design mit ein paar Richtlinien zur Nutzung.
Ist alles bisher Gewohnte verloren gegangen?
Hier gibt Bischoff Entwarnung: Vieles bleibe vertraut. Die pastorale Arbeit vor Ort mit Gruppen, Angeboten, Gottesdiensten, Veranstaltungen und Begegnungsräumen werde es weiterhin geben. „Auch das geistliche Leben in seiner ganzen Vielfalt bleibt ein tragender Bestandteil der Gemeinden.“ Die Pfarrbüros würden wichtige Anlaufstellen vor Ort bleiben. Ebenso seien die bekannten pastoralen Mitarbeiter, Ehrenamtlichen, Gruppen und Verbände nun auch Teil der neuen Kirchengemeinde. Da noch nicht alle Zuständigkeiten abschließend neu geregelt sind, gelte für die Übergangszeit erst mal: „Bitte wenden Sie sich weiterhin an die Personen oder Stellen, die bislang für Ihr Anliegen zuständig waren, bis neue Informationen veröffentlicht werden.“ Auch die Pfarrblätter vor Ort soll es weiter geben – bis sich im Laufe des Jahres ein gemeinsames Pfarrblatt etabliert.
Wie läuft der Übergang zur neuen Kirchengemeinde?
In verschiedenen Bereichen befinde sich die neue Kirchengemeinde weiterhin in vielen Abstimmungs- und Entwicklungsprozessen, hatte Bischoff noch vor Weihnachten mitgeteilt. Auch neue E-Mail-Adressen mit einer einheitlichen Endung für alle hauptberuflich Mitarbeiter sowie einzelne Funktions-E-Mails würden erst im Lauf des Jahresstarts 2026 kommen. Dadurch könne es zu verzögerten Rückmeldungen kommen. „Rund um den Jahreswechsel liegt der Schwerpunkt zunächst auf vielen strukturellen Veränderungen. Wenn sich hier vieles geordnet hat, entsteht wieder mehr Raum für das, worum es eigentlich geht: die pastorale Arbeit und das Leben in unseren Gemeinden“, äußert sich Pfarrer Nelson Ribeiro.
Die neue Adresse
Seit dem 1. Januar gibt es eine zentrale Adresse, die Lotzbeckstraße 7 in Lahr: Das bisherige Büro der „Kirche an der Schutter“ neben der Kirche St. Peter und Paul ist nun die neue Anlaufstelle für die neue römisch-katholische Kirchengemeinde Südliche Ortenau.