Hier entstehen in Stuttgart neue Wohnungen: Das Azenberg-Areal im Norden . . . Foto: privat

Die Bauflächen in Stuttgart reichen nach Auffassung von Städtebaubürgermeister Matthias Hahn in etwa aus, damit man den Wohnungsbedarf decken kann. Dennoch muss die Verwaltung heftig umsteuern, damit sich bei den bezahlbaren Wohnungen etwas bewegt.

Stuttgart - Wie viel Wohnungsbau ist in Stuttgart noch nötig und möglich? Bei dieser Frage muss sich nach dem OB-Wahlkampf und dem Amtsantritt von OB Fritz Kuhn (Grüne) nicht nur die Verwaltung neu sortieren – auch der Städtebauausschuss, der den Gemeinderat und die Verwaltung berät, tat das am Dienstag.

Die grundlegende Botschaft von Städtebaubürgermeister Matthias Hahn (SPD) lautete: Ob man den vom Pestel-Institut ermittelten Bedarf von 8000 Mietwohnungen für einen ausgeglichenen Markt glauben wolle oder nicht – „in der Tendenz können wir den Wohnungsbedarf in Stuttgart decken“.

Das Potenzial an Bauflächen habe in den letzten Jahren in der Summe „trotz Inanspruchnahme nicht abgenommen“, weil immer wieder neue Flächen verfügbar geworden seien. Hahn zeigte auf, dass allein in den nächsten fünf Jahren rund 6000 Wohneinheiten in Bau gehen könnten – und zwar nur in Baugebieten für jeweils mehr als 100 Wohnungen, mit denen sich die Stadtverwaltung beschäftigt. Unter den zwei Dutzend genannten Gebieten waren die Flächen nicht gesondert genannt, die durch Stuttgart 21 frei werden sollen. Doch allein schon, wenn sich die Fertigstellung des Tiefbahnhofs bis 2024 verzögern sollte, „haben wir zeitlich ein Problem“, sagte Hahn. Er verwies auf einige Projekte wie jenes am Altstandort des Olgahospitals (200 Wohnungen), auf dem Azenbergareal in Stuttgart-Nord und auf dem Schoch-Areal in Feuerbach (120 Wohnungen). Mit rund 1000 Wohnungen sei durch private Initiativen in Bestandsgebieten zu rechnen, wo jeweils weniger als 100 Wohnungen möglich sind.

Anwohner wehren sich gegen bauliche Nachverdichtung

Aber auch bisher sei viel geschehen, sagte Hahn. Von 2000 bis 2011 seien in Stuttgart binnen zehn Jahren 14.227 Wohnungen fertiggestellt worden. Und dennoch: Spätestens die geringe Zahl von geförderten Wohnungen, die 2012 fertiggestellt wurden, habe gezeigt, dass man umsteuern müsse. Außerdem sei das Thema bezahlbare Wohnungen „in besonderer Weise ein Schwerpunktthema“ von Kuhn. Man werde die Zahl der geförderten Wohnungen kontinuierlich erhöhen. Stadtplanung und Wohnungsbauförderung würden wieder enger verzahnt werden.

Nach wie vor sei man sich in der Verwaltung einig, sagte Hahn, dass man nicht neue Flächen mobilisiere, die bisher nicht im Flächennutzungsplan vorgesehen waren. Überlegt werde, ob man bisher für Gewerbe vorgesehene Flächen – wie auf dem Hansa-Areal in Möhringen – teilweise für Wohnen rekrutiere. Auch zusätzlicher Wohnungsbau in bestehenden Wohngebieten oder gemischten Gebieten ist im Gespräch. Hahn nannte die Fläche, die man vor Jahren beim geplanten Wohngebiet Langenäcker-Wiesert in Stammheim ausgenommen hatte. Aber besonders das Beispiel Azenberg zeige, dass sich Anwohner gegen eine bauliche Nachverdichtung wehren. Hahn und Stadtplanungsamtsleiter Detlev Kron deuteten an, dass das Durchstarten beim Wohnungsbau ein Stück weit mit dem anderen Ziel von mehr Bürgerbeteiligung kollidiere. Im Ausschuss meinte man aber, die Verwaltung habe den Job, die Beteiligungsverfahren nicht nur für Anwohner zu öffnen, sondern auch für Wohnungssuchende. Die Wohnungsnot sei skandalös. Man müsse schneller und konsequenter Wohnungen bauen, etwa in Mühlhausen oder auch im Neckarpark. Man solle mehrerlei Instrumente, auch Erhaltungssatzungen und Zweckentfremdungsverbot, einsetzen und die diversen Baugenossenschaften wieder mehr aktivitieren.

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