Mit Liebe zum Detail hat Michael Truttenbach (Bild unten) den Bunker in Altenheim hergerichtet. Er möchte damit dafür sorgen, dass die Schrecken des Kriegs nicht vergessen werden. Foto: Archiv

Bunker in Altenheim öffnet morgen

 
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Der Museumsbunker "Emilie" in Altenheim öffnet am morgigen Samstag, 12. August, wieder seine Hunderte Kilogramm schwere Tür für Besucher. Pächter Michael Truttenbach informiert darin über den Zweiten Weltkrieg.

Altenheim. "Im Rahmen unseres Tagesprogramms gibt es unter anderem ab 14 Uhr einen Vortrag über die öffentlich zugänglichen Wehrbauten, des Weiteren historische Fahrzeuge im Außenbereich", so Truttenbach. Auch eine Gulaschkanone soll zum Einsatz kommen. Ein Getränkestand soll es vor Ort auch wieder geben, sowie weitere Infostände zu anderen Bunkeranlagen aus allen Epochen.

Mit viel Liebe zum Detail und einer großen Sammlung aus ehemaligen Ausrüstungsgegenständen hat Truttenbach im Ulmenweg den ehemaligen Westwallbunker restauriert und ausgestattet. Er ist keiner von jenen kriegsverherrlichenden Menschen. Truttenbach will die Geschichte konservieren.

Betreiber sieht Anlage als Mahnmal an

Personen, die der rechtsradikalen Szene zugeordnet werden können, dürfen den Bunker nicht betreten. "Ich sehe das hier als Mahnmal", erklärte er sein Engagement bei einem der vergangenen Tage der offenen Tür im Bunker. Seit November 2002 ist er der Pächter der Bunkeranlage. Seit April sind Truttenbach und seine Mitstreiter in einem eingetragenen Verein rund um den Bunker tätig.

Die Anlage liegt ein wenig versteckt mitten in einem Wohngebiet. "Man soll auch an das Schreckliche denken", so Truttenbach. Denn zur Bewältigung der Gräueltaten gehöre auch, dass viele Bunker gesprengt oder anderweitig beseitigt wurden.

"Emilie" ist einer der wenigen Bunker in Baden-Württemberg, die es noch gibt. "95 Prozent aller Anlagen sind weg", weiß Truttenbach. Eine Zeit lang diente der Bunker als Clubheim für die MC Biker. Bis der heute 32-Jährige per Zufall darauf aufmerksam wurde. Die Biker suchten sowieso gerade eine neues Vereinsheim, sodass Truttenbach im November 2002 den Pachtvertrag unterschrieb.

In den Kriegsjahren diente der Bunker ab 1939 der Grenzwacht. 1942 wurde er auch für die zivile Bevölkerung geöffnet. 80 bis 100 Menschen suchten dann in den zusammen etwa 60 Quadratmeter großen Räumen Schutz.

100 Menschen suchten Schutz unter der Erde

"Wie die Ölsardinen saßen die hier drin", weiß Truttenbach von Zeitzeugen. Mehrere Frauen und Männer, die während des Zweiten Weltkriegs lebten, besuchten bereits den Bunker.

Unter anderem mithilfe von Zeitzeugen und aus Büchern sowie durch Internetrecherchen hat Truttenbach den Bunker rekonstruiert. Dazu gehört auch die kolossale Eingangstür. Sie hat Truttenbach aus der Normandie aus einer anderen Anlage, die abgerissen wurde, geholt. "Die Türen waren Einheitsteile, deshalb passen sie", weiß Truttenbach. Insgesamt entspricht die Einrichtung ungefähr dem Originalzustand.

Aber nicht alle Gegenstände stammen original aus der damaligen Zeit. Die Helme, die auf den Feldbetten im hinteren Raum ausgestellt sind, sind größtenteils umlackierte Feuerwehrhelme. "Ein originaler Stahlhelm kostet rund 600 Euro", so Truttenbach. Im nächsten Jahr soll es keinen Tag der offenen Tür geben, weil 2019 das 10-jährige Bestehen der Ausstellung groß gefeiert werden soll.

Der Bunker ist am Samstag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, der Verein bittet jedoch um Spenden. Parkplätze gibt es direkt am Bunker im Ulmenweg 6.

INFO

Vom Niederrhein bis zur Schweizer Grenze

> Der Westwall war eine Verteidigungslinie entlang der Westgrenze Deutschlands und gehört zu den umfangreichsten Bauvorhaben des Dritten Reiches. Es war ein 630 Kilometer langes Geflecht aus Bunkern, Laufgräben und Sperren, welches sich von Kleve am Niederrhein bis nach Weil am Rhein kurz vor die Schweizer Grenze erstreckte. 1936 begannen die Bauarbeiten und endeten Mitte 1940. Während dieser Zeit wurden in fünf Bauphasen mehr als 18 000 Bunkeranlagen errichtet, deren Gesamtkosten sich auf rund 3,5 Milliarden Reichsmark beliefen.

> Innenpolitisch diente der Westwall der Arbeitsbeschaffung und als Beweis der Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Größere Bedeutung erlangte er jedoch durch die propagandistische Darstellung als unüberwindliches Hindernis.

> Nach Kriegsende wurden viele der Westwallanlagen durch Sprengungen geschleift. Bei diesen Arbeiten sowie bei der Beseitigung der Minen verloren nochmals zahlreiche Menschen ihr Leben.