Eine Wahl ist immer auch ein Großkampftag für die Stadtverwaltung. Viele städtische Mitarbeiter sind als Wahlhelfer im Einsatz und waren am Sonntagabend mit der Auszählung der Stimmen beschäftigt. Foto: Thomas Fritsch

Nagold wählt ähnlich wie der Bundestrend. Nur fällt alles noch ein wenig extremer aus. Gegenüber der letzten Bundestagswahl 2021 kann die AfD ihr Ergebnis fast verdoppeln. In zwölf Wahlbezirken liegt sie sogar vor der CDU.

Wahlsonntag, 18 Uhr: Während in ARD und ZDF die ersten Hochrechnungen zur Bundestagswahl präsentiert werden, steht den Wahlhelfern in Nagold jetzt erst noch der wichtigste Arbeitsschritt einer jeden Wahl bevor: das Auszählen. Die Wahlurnen werden ausgekippt, dann beginnt das große Sortieren und Zählen.

 

Um 18.46 Uhr liefert der erste Wahlbezirk sein Schnellergebnis: Vollmaringen Nord. Doch erst gut zwei Stunden später sind alle 34 Ergebnisse da.

Entwicklungen der Parteien

Die CDU kommt in Nagold auf 33,2 Prozent der Zweitstimmen. Man muss aber auch sehen, wo die Partei herkommt: Bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2021 fuhr die Union ein fast schon historisch schlechtes Ergebnis ein und kam nur auf 28,4 Prozent. Bei der Europawahl 2024 wählten dann schon wieder 35,4 Prozent der Nagolder die Union.

Die AfD ließ schon bei der Europawahl 2024 mit 21,1 Prozent in Nagold aufhorchen. Zur Bundestagswahl machten nun 26,8 Prozent der Nagolder ihr Kreuz bei der Partei. 2021 bei der Bundestagswahl kam die AfD auf 13,9 Prozent.

Auf die SPD entfallen diesmal 11,9 Prozent der Zweitstimmen. Vergleichsweise stark – für Nagold eben – war das Ergebnis vor dreieinhalb Jahren mit 18,7 Prozent. Schon bei der Europawahl aber stimmten nur noch 10,3 Prozent der Nagolder für die Genossen.

9,0 Prozent der Stimmen entfallen auf die Grünen – 2021 waren es 11,3 Prozent und bei der Europawahl 8,6 Prozent. Die FDP hat in Nagold schon herausragende Ergebnisse eingefahren. Zum Beispiel bei der Bundestagswahl 2021, wo die Liberalen 17,3 Prozent der Stimmen ergatterten. 13,8 Prozent waren es noch 2017 und 6,7 bei der Europawahl 2024. Bei der diesjährigen Bundestagswahl machten nur noch 6,0 Prozent der Nagolder ein Kreuz bei der Zweitstimme für die FDP. Weitere Ergebnisse: Die Linke holt sich 5,2 Prozent und die BSW schafft in Nagold ein Ergebnis von 4,0 Prozent.

Die Wahlbeteiligung

Bundestagswahlen mobilisieren im Regelfall die meisten Wähler. Während vor einem dreiviertel Jahr bei der Europawahl in Nagold knapp 63 Prozent der Berechtigten wählen gingen, lockt eine Bundestagswahl deutlich mehr an die Urnen. 2017 lag die Wahlbeteiligung bei 75,1 Prozent und 2021 bei 73,9 Prozent. Diesen Sonntag schritten 81,2 Prozent der 15 742 Wahlberechtigten zur Wahl. In Gündringen wurde besonders eifrig gewählt (66,1 Prozent). Am geringsten war das Interesse im Bezirk Mittlerer Lemberg mit 45,6 Prozent. Die Zahlen sind aber mit Vorsicht zu genießen – es fehlen die Briefwähler.

Kampf um die Erststimmen

Bei den Erststimmen hat erwartungsgemäß Klaus Mack die Nase vorne. 38,0 Prozent der Nagolder stimmen für ihn. 2021 – bei seiner Premiere – waren es 32,9 Prozent. Zur Abrundung: Hans-Joachim Fuchtel erhielt 2017 bei seiner letzten Wahl als Direktkandidat 42,5 Prozent. AfD-Kandidat Raimond Lamparter holt 25,6 Prozent der Nagolder Stimmen. Saskia Esken von der SPD kommt auf 13,1 Prozent. 2021 waren es 17,6 Prozent.

Die Besonderheiten

Beim Blick auf die einzelnen Wahllokale in Nagold gibt es wieder einige Besonderheiten zu entdecken. Zum Beispiel jene 61,2 Prozent für die AfD auf dem Oberen Steinberg. Die CDU ist dort auch mit 10,9 Prozent besonders schlecht. Gündringen ist mit 45,6 Prozent die stärkste CDU-Bastion. In zwölf von 34 Wahlbezirken lag die AfD vor der CDU.

Hinweis

Korrektur
In einer alten Version berichteten wir von neun Wahlbezirken, die an die AfD gingen. Diese Zahl stimmte nicht. Es sind zwölf. Der Text wurde korrigiert.