Mit Erfolg war das Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters Villingen-Schwenningen gekrönt. Positiv ist daher die kommende Saison zu werten: lebendig, vielfältig und hoffnungsvoll.
Als Claus Oberle 1984 die Neujahrskonzerte aus der Taufe hob, dachte niemand an eine Erfolgsgeschichte.
Mit dabei und bis heute treu waren Heike Heuser (Cello) und Joachim Westendorf (Viola). Auch der Rezensent wirkte vor 40 Jahren mit.
Weiter Sprung nach vorn
Mit Dirigent Achim Fiedler hat das große Ensemble einen weiten Sprung nach vorn getan. Geschmeidig führt er das Orchester, wie beispielsweise beim „Frühlingsstimmen-Walzer“ und einfallsreich sind seine Programmtitel.
Am Neujahrstag betätigte er sich auch als Sänger, Entertainer und Sprachlehrer. Sympathisch und informativ war seine Moderation. Er führte geschickt nach Bella Italia, den Mittelmeerraum und darüber hinaus.
Spritzig, straff, mit pfiffigem A tempo erklang der „Spanische Marsch“ von „Giovanni“ Strauß, der südlichen Duft, gepaart mit Wiener Charme und reizvoller Harfe beim „Wo die Citronen blüh’n“ präsentierte. Farbig glitzernde Klangfenster wurden mit den Intermezzi aus „Goyescas“ (Enrique Granados) oder der „Cavalleria rusticana“ (Pietro Mascagni) geöffnet, und der Gassenhauer „Finiculi-Funicula“ von Luigi Denza vollendete den Sprachkurs mit „Jamme, jamme, ’ncoppa, jamme jà“. Das Publikum machte begeistert mit und sparte nicht mit Beifall.
Mit viel Spiellaune wurde die „Tarantel-Polka“ von Pepi Strauß interpretiert, wobei der Mann mit dem Taktstock von „Bissen der Geigen“ verschont blieb, genau wie er nicht beim Chabrier-Titel von der Konzertmeisterin erstochen wurde.
Mit viel Leidenschaft
Die „Espana-Rhapsodie“ wurde leidenschaftlich mit einer dynamischen Flut wieder gegeben, wobei Triangel, Tambourin, Harfe, Schlagwerk, Kastagnetten und Col-Legno-Streicher ihre Klangwirkung nicht verfehlten. Einen Ausflug auf die Krim wurde mit Aleksandr Spendiarovs „Danse Oinavà“ gemacht, geprägt durch „variable Metren“, orientalische Momente, Balkanstimmungen, Exotik und kunstvollem Zauber.
Zündend, mitreißend und akzentuiert erklang schließlich mit effektvollem Einsatz der einzelnen Orchestergruppen das Intermezzo aus „La Boda de Luis Alonso“ von Gerónimo Gimenez. Die Zugaben „Donner und Blitz“, „An der schönen Donau“ und „Radetzky-Marsch“ wurden zu Sahnehäubchen.
Ein gesegnetes und gesundes Neues Jahr und einen schönen Abend wünschte Oberbürgermeister Jürgen Roth. 2023 sei von Kriegen und Krisen geprägt worden, Ereignisse deren Auswirkungen wir alle spüren. Daher freue er sich auf persönliche Begegnungen und Gespräche, die im Austausch über das Programm Kraft und Motivation gäben.
Das Stadtoberhaupt war voll des Lobes für Dirigent Fiedler und das Orchester und war erbaut vom 40. Neujahrskonzert. Roth lud zum Neujahrsempfang am Sonntag, 14. Januar, 17 Uhr, ins Franziskaner-Konzerthaus ein.