Die Streicher beeindrucken mit viel Gefühl, sei es bei Kinderklassikern wie der Biene Maja, dem Meadley „Spiel mir das Lied vom Tier“ oder der Geschichte des Schwanenritters Lohengrin. Foto: Vollmer

Stunden voller Nostalgie und Gefühle gibt es beim Neujahrskonzert des Residenzorchesters Baden-Württemberg. Hier werden die Helden der Kindheit wie E.T. oder eine freche Biene musikalisch wieder zum Leben erweckt.

Das Neujahrskonzert mit dem Residenzorchester Baden-Württemberg ist eine Marke in der Region und erfreut sich auch überregional großer Beliebtheit. Mit dem 13. musikalischen Feuerwerk mit großer Musik aus Klassik, Kino- und TV-Filmen erreichte das experimentierfreudige Orchester sein Publikum wieder hautnah.

 

Den Startschuss für ganz viel Gefühl feuerte das Orchester mit der legendären „20th Century Fox Fanfare“ von Alfred Newman ab und versprach mit der wuchtigen Eröffnungsmelodie von Hollywood-Filmen Emotionsgeladenes.

Märchenhafte Science-Fiction

Die Interpretation von „Flying Theme“ erinnerte das Publikum an den Klangmeister John Williams und seine Untermalung des märchenhaften Science-Fiction-Films „E.T.“ Emphatisch begrüßte Sven Gnass die Besucher im ausverkauften Backsteinbau und führte sie gut gelaunt durch das Programm.

Begeisterten Applaus erhielt Pianist Andrej Jussow von der Staatsoper Stuttgart und das Orchester für Sergej Rachmaninoffs Konzert Nr. 2, op. 18, 2. Satz mit der feinsinnigen Verflechtung von Klavier- und Orchesterpart.

Oskarreife Musik im Saal

Virtuos, geradezu mit dem Steinway-Flügel verschmolzen, spielte Jussow die großartige Komposition. Die raschen Läufe modellierte der Pianist ebenso wunderschön wie die sensiblen Passagen, was eine gelungene Hommage an den Komponisten bildete.

Klassische Leichtigkeit erklang mit der ungemein populären Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauss jun. Es stellte keine leichte Aufgabe dar, „A Passage to India“ mit den vielschichtigen Nuancen des Films musikalisch umzusetzen. Doch der viermal verheiratete Maurice Jarre habe Herausforderungen geliebt, verriet Moderator Gnass. Für die Musik habe er darüber hinaus einen Oskar erhalten.

Lassie und Black Beauty tauchen auf

Maria Gawrilenko, erste Konzertmeisterin der Badischen Philharmonie am Stadttheater Pforzheim, faszinierte mit ihrer Interpretation der berühmten Zwischenaktmusik „Meditation“ aus der Oper „Thais“ von Jules Massenet.

Wer liebte sie nicht, die Abenteuer der Biene Maja, von Black Beauty, Lassie, dem weißen Hai oder Duck Tales? Das von Frank Heckel arrangierte Meadley „Spiel mir das Lied vom Tier“ gab das Orchester mit größter Spielfreude und Augenzwinkern zum Besten.

Der Drehorgelspieler und Richard Wagner

In bester Stimmung, ein paar Akkorde der kleinen, frechen Maja summend, begaben sich die Besucher in die Pause. Danach wurde das Publikum von Richard Wagners facettenreichem Vorspiel zum 3. Akt von „Lohengrin“ mit lyrischen Streicherklängen, warmen Holz und strahlkräftigem Blech in den Bann gezogen.

Dazu erzählte Sven Gnass eine Anekdote über Richard Wagners Begegnung mit einem Drehorgelspieler, der Akkorde dieser Oper auf den Straßen von Sorrent zu schnell spielte, was Wagner korrigierte. Der Drehorgelspieler erkannte seine Chance und nannte sich fortan ein Schüler Wagners.

Das Publikum tanzt Walzer

„My Way“ wurde ausdrucksvoll von Johanna Hirschmann auf dem warm klingenden Flügelhorn wiedergegeben. Die „Mary Poppins Suite“ von Richard und Robert Sherman wurde nach der Hälfte unterbrochen, um den Besuchern die Möglichkeit eines romantischen langsamen Walzers zum Mittanzen zu geben. Tatsächlich drehten sich Paare aus dem Publikum unter Bravo-Rufen im Dreiviertel-Takt.

Für den glanzvollen Höhepunkt des Abends betrat Pianist Jussow erneut die Bühne und lieferte eine feurige Interpretation von Gershwins „Rhapsodie in Blue“ mit souverän gestalteten Tempi und geradezu swingenden, sanft-fließenden Jazz- und Klassikelementen.

Das Publikum wurde mit dem ersten Konzert im neuen Jahr vom ersten bis zum letzten Ton auf höchstem Niveau verwöhnt. Für Standing Ovations und enthusiastischen Jubel bedankte sich das dynamische Orchester und ihr energiegeladener Dirigent mit einigen Zugaben. Der traditionelle „Radetzky-Marsch“ setzte den furiosen Schlusspunkt.