Das Sinfonieorchester aus Villingen-Schwenningen beim Neujahrskonzert Foto: Benner

Im Bärensaal wurde das neue Jahr wie üblich mit dem traditionellen Neujahrskonzert eingestimmt.

Der Dirigent des Sinfonieorchesters Villingen-Schwenningen, Achim Fiedler, sagte zur Begrüßung, dass das Orchester stets mit Freude in Schramberg gastiert. Nun umso mehr, weil die Bühne vergrößert wurde und das gesamte Orchester darauf bequem Platz findet. So kündigte Fiedler an, dass es sich neben erstklassigem Musizieren mit einem unenetgeltlichen Sprachkurs revanchieren würde.

 

Nachdem das Programm 2023 auf eine Reise mit dem Orient-Express führte, blieb das Thema ähnlich entdeckungsfreudig. Das Motto „Wo die Citronen blüh’n“ entführte musikalisch und sprachlich in den europäischen Süden. Titelgebend war das Gedicht „Mignon“ von Goethe, das fragt: „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn“? Johann Strauß verwandelte es in einen Walzer, der ursprünglich Bella Italia heißen sollte. Dazu gab es gleich die erste Sprachlektion auf Italienisch. Auch die Tarantel-Polka seines Bruders Joseph Strauß verblieb thematisch in Italien.

An lieben Menschen denken

Wer zu Beginn gut aufgepasst hatte, konnte dann Luigi Denzas Klassiker Funiculi-Funicula mit der erlernten Zeile „Jammo, jammo ncoppa, jammo, jà, funiculì, funiculà!“ mitsingen. Für einen guten Schlager sei der Text eben nicht wie bei manch anderem Künstler „egal“. Bei Pietro Mascagnis Intermezzo aus Cavalleria Rusticana forderte der Dirigent die Besucher auf an einen lieben Menschen zu denken, er denke an seine Cellistin die Geburtstag hatte.

Zitronen von der Krim

Nicht nur Italien kann mit der gelben Frucht erfrischen. Auch in Spanien fanden sich Prachtexemplare wie Enrique Granados über Nacht gezaubertes Intermezzo zur Oper Goyescas. Notwendig war dies, um den Künstlern Zeit für einen Kostümwechsel zu verschaffen. Mit Emmanuel Chabrier Espanas Rhapsodie für Orchester betrachtete man Spanien durch die französische Brille und Geronimo Gimenez Intermezzo aus La Boda de Luis Alonso ging mit einer weiteren Sprachlektion einher. Unvermutet war die Zitrone in der Ukraine – im Süden der Krim herrscht Klima ähnlich der Riviera. Dorthin entführte Aleksandr Spendiarovs „Oinava“.

Mit minutenlangem Applaus bekundeten die voll besetzten Ränge nach einer üppigen Zugabe ihre Begeisterung für die musikalische Finesse und die prosaische Umrahmung des Programms.