Das Neujahrskonzert der Städtischen Musikschule erfüllte die Erwartungen der Besucher voll und ganz. Das Publikum feierte die Instrumentalisten mit stehenden Ovationen.
Nach dem überwältigenden Erfolg im Vorjahr schlug die Nachricht von einer Neuauflage hohe Wellen in den Nagolder Bevölkerung. Bereits eine halbe Stunde vor dem Einlass bildete sich eine dichte Menschentraube im Foyer der Stadthalle, und die zahlreich ankommenden Besucher füllten bald den gesamten Großraum. Die netten Damen vom Freundeskreis der Musikschule versorgten die Durstigen mit Getränken und Butterbrezeln.
Rund 130 Musiker verschiedenen Alters nahmen an der Großveranstaltung teil, die im Rahmen der Kooperation zwischen der Musikschule, dem Otto-Hahn-Gymnasium, der Lembergschule und der Stadtverwaltung stattfand. In einem zweistündigen Programm stellten die drei Ensembles mehrere musikalische Glanzstücke vor und verdienten wahrlich den üppigen Beifall.
Das ganz junge Streichorchester Jolly Strings erweichte die Zuhörerherzen mit Klängen der kindgerecht bearbeiteten Beiträge (darunter Ausschnitte aus „Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns) und der resoluten Moderation zwischendurch. Zur Freude ihrer Leiterinnen Antje Ruf und Judith Rentschler brachten die Kinder ihr Pensum selbstbewusst und aufmerksam zustande – trotz der Aufregung des großen Auftritts-Moments wegen.
Opulentes Klangvolumen
Nicole Offenhäuser und Kaoru Minamiguchi sind Leiterinnen des Nagolder Jugendorchesters, die ihre etwas älteren Streicher, Bläser und Schlagzeuger mit viel Engagement betreuen. Die Jugendlichen bestachen sowohl mit dem temperamentvollen „Crocodile Rock“ (Elton John) als auch mit dem tänzerischen Walzer aus „Nussknacker“ (Peter Tschaikowsky) durch ihr technisches Können, Musikalität und engagierte Wachsamkeit.
Nachdem Musikschulleiter und Konzert-Koordinator Christian Pöndl den Einsatz der Ensembles-Leiterinnen mit Blumensträußen bedachte, stellte er sich selbst ans Dirigentenpult und entlockte auf Anhieb dem Nagolder Kammerorchester ein opulentes Klangvolumen von großer dynamischer Spannweite. Der souverän agierende Klangkörper vom sinfonischen Ausmaß strahlte in Beiträgen von Hans Zimmer, John Powell und Harry Gregson-Williams Lebens- und Spielfreude aus, die ihren Ausdruck in bildhafter Expressivität und technischer Zuverlässigkeit fand.
Stilistisch flexibel
In der „Sinfonie singulière“ des schwedischen Komponisten Franz Berwald (1796-1868) stellte das Kammerorchester seine stilistische Flexibilität erfolgreich unter Beweis und begeisterte schließlich das Auditorium mit der unbändigen Wildheit der „Polowetzer Tänze“ von Alexander Borodin.
Pöndl verlangte seiner Mannschaft sowohl technisch als auch musikalisch sehr viel ab, doch sein Fachwissen nebst Freundlichkeit und Motivation zahlten sich aus. Als der Schlussbeifall abebbte, trugen alle Ausführenden die „Ode an die Freude“ von Ludwig van Beethoven gemeinsam vor. Eine Welle der Begeisterung – die sicherlich auch der hintergründigen Arbeit der Musikpädagogen galt – war der Lohn für den überaus gelungenen und erlebnisreichen Abend.