Das Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen unter der Leitung von Achim Fiedler ist als Gast beim Neujahrskonzert in Donaueschingen. Foto: Lutz Rademacher

Beim Neujahrskonzert der Musikfreunde können sich die Musiker über viel Applaus freuen. Nach der Corona-Lücke ist wieder volles Haus im Mozart-Saal. Auch das Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen ist zu Gast und begeistert das Publikum.

An Dreikönig ist das Neujahrskonzert der Musikfreunde mit dem Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen das erste große gesellschaftliche Ereignis des Jahres, nun schon das 28. Mal. Nur 2020 musste wegen der Pandemie kurzfristig abgesagt werden, 2021 waren die Plätze begrenzt. Doch das ist Vergangenheit. „Wir haben dieses Jahr wieder die Besucherzahlen, die wir vor Corona hatten“, freute sich Musikfreunde-Präsident Andreas Wilts und rechnet mit mehr als 900 Zuhörern. Erstmals vor großer Runde wiederholte Andreas Wilts seine im Juli 2023 bei der Mitgliederversammlung geäußerte Ankündigung, sein Amt Mitte 2024 abzugeben. Ein Nachfolger stehe fest, werde aber erst später bekanntgegeben.

 

Beim Neujahrskonzert 2024 sind etwa 900 Zuhörer. Foto: Lutz Rademacher

Die Zuhörer kommen voll auf ihre Kosten, Dirigent Achim Fiedler hat nicht nur ein ansprechendes Programm zusammengestellt, sondern übernimmt auch die Ansagen mit Wissen und als Entertainer. Der Funke springt über, auch bei Wort-Spielereien oder Mitsingen bei „Funiculi-Funicula“ und auch ein kleiner Defekt an der Mikrofon-Anlage wird mit Humor überspielt.

Nur einen kurzen Augenblick wird Fiedler nachdenklich. Bei der Ansage eines Tanzes aus „Skizzen von der Krim“ mit einem Hinweis auf den Komponisten Enrique Granados, von dem im ersten Teil das Intermezzo aus der Oper „Goyescas“ gespielt wurde. Auf der Rückfahrt von der Uraufführung dieser Oper in New York war er 1916 bei einem deutschen Torpedoangriff ums Leben gekommen. „Jetzt ist wieder Krieg, was können wir tun? Ich bin ratlos.“ Es könne so einfach sein, alle Menschen hätten den gleichen Ursprung. Das Publikum stimmte ihm laut applaudierend zu, bevor das Orchester den Tanz „Olinavà“ anstimmte.

Orchester spielt drei Zugaben

Danach endet der offizielle Teil eines knapp eineinhalbstündigen Programms aus Walzern und Melodien aus dem Mittelmeer-Raum mit dem Intermedio aus „La Boda de Luis Alonso“. Doch damit ist noch lange nicht Schluss. Gleich drei Zugaben gibt das Orchester, die Polka „Unter Donner und Blitz“, den „Donauwalzer“ und den „Radetzky-Marsch“, bei dem Dirigent Achim Fiedler noch einmal zur Hochform aufläuft. Das Orchester wird mit Applaus im Stehen verabschiedet.

Hochkarätiges Programm

Ein positives Fazit des Konzerts zieht auch Musikfreunde-Präsident Andreas Wilts: „Dieses Jahr war das Programm sehr ungewöhnlich.“, freut er sich „vor allem diese langsamen Stücke, nicht immer die Walzer, abwechselnd.“

Für 2024 rät er den Anwesenden von guten Vorsätzen ab. Frei nach Erich Kästner rät er: „Es schadet bloß, sich tausend Dinge vorzunehmen. Lasst das Programm und bessert Euch drauflos.“

Welche Chancen ergeben sich durch Kooperationen mit Orchestern wie diese? Durch diese Kontakte habe man immer ein hochkarätiges Programm, das man selbst zusammenstelle, so Andreas Wilts. Er nennt dieses Sinfonieorchester als Fixpunkt, aber auch das Landesjugendorchester, das Bundesjugendorchester, das Kammerorchester Basel und die Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester des SWR im Rahmen der Musiktage.

Freier Eintritt für Jugendliche bis 16 Jahre

Wie gelingt es, junge Leute in die Konzerte zu bringen? „Kinder und Jugendliche bis 16 haben bei uns freien Eintritt. Für die 18-Jährigen gibt es den Kulturpass. Jeder kann am 18. Geburtstag ein Konto mit 200 Euro buchen und kann damit Kulturveranstaltungen buchen, hier beteiligen wir uns. Wir sind Gründer der Jugendmusikschule, arbeiten mit den Schulen zusammen.“ An den Musiktagen gibt es einen Kompositionsworkshop mit dem Fürstenberg-Gymnasium. Am 15. Juni findet um die Musikschule ein Familien-Sommerkonzert statt. Sind die Eintrittspreise deckend? Hier antwortet Andreas Wilts mit einem klaren Nein. Die Musikfreunde werden von der Stadt Donaueschingen und Sponsoren unterstützt.

Was sind die Glanzlichter 2024? „Zu den noch kommenden Highlights zählen sicherlich das Bundesjazzorchester (9. März), das Gabetta Consort mit zwei phänomenalen Geigern (4. Mai) und das in Kanada beheimatete, aber international besetzte Ensemble Constantinople mit dem Programm ‚Wandernde Gärten‘ (24. März).“

Das Sinfonieorchester

Verein
Das Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen organisiert sich als Verein und wird von der Doppelstadt mit einem maßgeblichen Zuschuss gefördert. Die Hauptarbeit des Orchesters sind fünf Abo-Konzerte im Franziskaner. Ferner unterstützt es die Chöre der Stadt und Region bei Aufführungen. Hinzu kommen zahlreiche Gastkonzerte in der Region. Im Herbst 2018 konnte mit Achim Fiedler ein namhafter Dirigent mit großer stilistischer Bandbreite verpflichtet werden, der zahlreiche Ur- und Erstaufführungen aufweisen kann.