Gute Laune herrschte im Franziskaner-Konzerthaus am Neujahrstag, als das Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen unter der Leitung von Achim Fiedler das erste von insgesamt vier Neujahrskonzerten präsentierte – alle vier Konzerte sind ausverkauft.
Das allein ist seit Corona schon ungewöhnlich und zeigt einmal mehr, dass in der Stadt und in der Region ein enormes musikalisches Potenzial vorhanden ist, sowohl an Aktiven als auch an Zuhörern.
Natürlich war auch die Musikauswahl dazu angetan, ein großes und vielfältiges Publikum anzuziehen. Der 200. Geburtstag von Johann Strauß (1825 bis 1899) war der Anlass, um unter dem Motto „Happy Birthday, Johann Strauß“ Werke aus seinem rund 500 Kompositionen umfassenden Œuvre zu musizieren, kombiniert mit Werken von Freunden und Bewunderern.
Neben „Orpheus-Quadrille“ und „Künstlerleben“ aus der Feder des Jubilars erklangen von Strauss auf viele Arten inspirierte Werke unter anderem von Johannes Brahms (der berühmte Walzer A-Dur aus opus 25), von Richard Wagner „Albumblatt“ (doch lieblicher als das Zitat von Arthur Schnitzler erwarten ließ), von den Brüdern Joseph und Eduard sowie die „Tanzwalzer opus 53“ von Ferruccio Busoni (1866 bis 1924), die mit ihren dunklen Eintrübungen den Wert und die Leichtigkeit der ursprünglichen Wiener Walzer erst so recht ins Bewusstsein rückten.
Es gibt Glückwünsche
Außerdem beinhaltete das Programm Glückwünsche des Sinfonieorchesters unter dem Titel „An der etwas blauen Donau“, eine Verbindung von Originalzitaten aus „Fledermaus“ und „Donau-Walzer“, von einem anonymen (oder doch nicht so anonymen?) Arrangeur erweitert um die geschickt eingebauten Geburtstagslieder „Happy Birthday to you“ und „Hoch soll er leben“.
In bester Spiellaune
Dem Orchester war anzumerken, dass es in bester Spiellaune war und mit Kraft und Schwung zu Werke ging. Dass es dabei gelegentlich über das Ziel hinausschoss und den ansonsten so geschätzten Feinschliff etwas vermissen ließ, tat der Zustimmung des Publikums keinen Abbruch, es ließ sich von dieser geballten Ladung an Energie anstecken und applaudierte begeistert.
Achim Fiedler, seit 2019 Dirigent des Orchesters, tat mit seiner umgänglichen Art und seinem guten Draht zu den Musikerinnen und Musikern ein Übriges, um die Charakteristika der jeweiligen Kompositionen zum Klingen zu bringen, das Orchester anzuspornen und die solistischen Passagen zu unterstützen.
Viel zu schmunzeln
Und als ob die dirigentische Hochleistung noch nicht genug wäre, moderierte er das ganze Konzert. Jedes Werk wurde auf humorvolle Weise mit launigen Anekdoten oder Zitaten eingeführt, so dass das Publikum genug zu schmunzeln hatte und einen besseren Zugang zu den Stücken gewann.
OB Roth begrüßt
Umrahmt wurde das offizielle Programm mit der Begrüßung durch Oberbürgermeister Jürgen Roth zu Beginn, in der er kurz das vergangene Jahr Revue passieren ließ und den Wert der Kunst, hier speziell der Musik, als gesellschaftliches Bindeglied in den Vordergrund rückte.
Und den Abschluss bildeten, wie bei den Wiener Philharmonikern, die bereits erwarteten und auch angekündigten Zugaben, darunter der Radetzky-Marsch, bei dem sich das Publikum unter der sicheren Führung des Dirigenten beteiligen konnte. Außerdem, eine nette Geste, gab es am Ausgang für jeden Zuhörer und jede Zuhörerin eine „original Villinger Strauss-Kugel“ mit auf den Nachhauseweg.