Eine Podiumsdiskussion zum Neujahrsempfang in Steinen widmete sich dem gesellschaftlichen Engagement. Moderiert wurde die Diskussion von Matthias Zeller vom Südwestrundfunk.
Der Neujahrsempfang der Gemeinde Steinen stand ganz im Zeichen des Ehrenamts. Zu diesem Thema gab es ein Podiumsgespräch mit ehrenamtlich engagierten Bürgern der Gemeinde. Gemeinsam ging die von Matthias Zeller moderierte Runde der Frage nach, ob sich das gesellschaftliche Engagement in der Krise befindet und was dagegen getan werden kann.
Ehrenamt als Ausgleich zur Arbeit
Medizinstudentin Janina Abt vom Verein zu Erhaltung des Schneiderhofs sprach von einer „wahnsinnigen Bereicherung“, wenn man sich ein Ehrenamt aussucht, das Spaß macht und zu einem passt. Dies könne auch ein guter Ausgleich zur Arbeit sein. Sie selbst hat die alte Kulturtechnik des Spinnens für sich entdeckt, womit sie die Kinder bei Vorführungen fasziniert und bei Senioren mitunter Erinnerungen an die Großmutter weckt. Adelheid Lenz, Vorsitzende des Vereins LebensWert Höllstein, hob ebenfalls den Spaß an ihrer Tätigkeit hervor. Sie sprach von vielen interessanten Gesprächen und einer fast familiären Gemeinschaft im Verein.
Ähnlich äußerte sich auch der Bahnhofspate Josef Engel. Die längste Zeit seines Lebens war Ehrenamt für den Kellner in einem Spitzenrestaurant ein Fremdwort. Dann kam für den Naturschützer eins zum andern. Heute sammelt er Zigarettenkippen am Bahnhof mit der Pinzette auf und erfährt dafür viel Wertschätzung, wie er sagt. Das halte fit und mache mehr Spaß als ein Urlaub oder eine Radtour, erklärt der Rentner. Und sein Beispiel macht Schule: Eine Mitstreiterin wird sich nun um einen anderen Bereich im Ortskern kümmern.
Der neue Jumelage-Beauftragte und ehemalige Gemeinderat Andreas Wörner aus Hägelberg engagiert sich, damit es ihm nicht langweilig wird. Neben der Partnerschaft mit der Gemeinde Cornimont setzt sich der Familienvater für pädagogische Projekte mit Kindern ein. Um Mitstreiter zu gewinnen, hält er eine direkte Ansprache für die beste Methode.
Eher ein Dirigent als ein Alleinunterhalter
Bodo Küster ist Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Steinen. Es gelte, die Leute im Vorstand so zu nehmen, wie sie sind. Er sei kein Alleinunterhalter, sondern eher der Dirigent, erklärte er auf die Nachfrage hin, wie man Ehrenamtliche bei der Stange halte. Um wieder mehr jüngere Leute für eine Mitgliedschaft zu gewinnen, will er dem „Produkt“ – wie in der Wirtschaft – eine neue Verpackung geben.
Tiziano Berardinucci wiederum ist Jugendleiter bei der Feuerwehr und Volleyballtrainer. Die Jugendlichen sollten sich entfalten und ausprobieren können. Man müsse ihnen ihre Freiheit lassen, erklärt er zur Motivationsfrage bei dieser schwierigen Altersgruppe.
Verpflichtungen zum Freiwilligendienst oder Bezahlungen wurden in der Runde eher skeptisch gesehen. Das Ehrenamt, so hieß es, solle Spaß machen und auf Eigeninitiative beruhen. Großes Engagement könne nicht erzwungen werden. Bürgermeister Gunther Braun sprach dabei von einem Trend hin zur Unverbindlichkeit, den man akzeptieren müsse. Dennoch könne es sich später auszahlen, Kinder und Enkel in die Vereine mitzunehmen, ihnen die eigenen Hobbys nahezubringen. „Sie werden es nicht vergessen. So etwas prägt sich ein“, zeigte er sich überzeugt.
Als Teil einer Gemeinschaft fühlen
Dass die geburtenstarken Jahrgänge bald in Rente gehen und einige sich sicherlich neue Beschäftigungen suchen werden, lässt zumindest für die nächsten Jahrzehnte hoffen, wie Küster vermutete. Nicht zu unterschätzen sei zudem der Aspekt, Teil einer Gemeinschaft zu sein, in der sich die Ehrenamtlichen wohlfühlen, wurde betont. Hat eine Person das für sie perfekte Hobby gefunden, muss sie vermutlich sogar aufpassen, sich nicht zu sehr zu verausgaben.