Die Gemeinde Schuttertal ehrte Bürger für außergewöhnliche sportliche, kulturelle oder gemeinnützige Leistungen. Foto: Axel Dach

Den Blick mehr auf Positive richten – so lautete der Appell von Schuttertals Bürgermeister Matthias Litterst beim Neujahrsempfang. Beispielsweise gebe es in der Gemeinde viele Menschen, die sich ehrenamtlich einsetzen und dabei Gutes bewirken. Nicht zuletzt für das Jubiläumsprogramm 800 Jahre Dörlinbach.

Dass die Gemeinde Schuttertal in diesem Jahr zum Neujahrsempfang nach Dörlinbach einlud, hatte einen besonderen Grund. Die Veranstaltung war der Auftakt für ein „Festjahr der Superlative“, wie es Bürgermeister Matthias Litterst nannte. Denn der Ortsteil Dörlinbach wird 800 Jahre alt. Zu diesem Anlass gab es am Sonntagvormittag historische und aktuelle Bilder zu sehen sowie ganz verschiedene Jubiläumsprodukte zu erwerben – von T-Shirts über Nudeln bis hin zum Kalender. „Die Dörlinbacher waren richtig kreativ“, lobte der Bürgermeister. So war es dann auch die Trachtenkapelle Dörlinbach, die die Veranstaltung musikalisch begleitete.

 

Seine Ansprache hatte Litterst in diesem Jahr unter ein ganz bestimmtes Motto gestellt. „Den Blick auf das Gute richten“, erklärte er, sei eine Fähigkeit, die den Menschen „zunehmend abhanden kommt“. Vor Herausforderungen und Problemen dürfe man sich keineswegs verschließen – Litterst warf hierbei einen Blick über die Gemeindegrenzen hinaus und sprach die „doppelte Rezession“ in Deutschland an sowie die „lähmende Überregulierung und Bürokratie –, „doch gerade in Zeiten von Unsicherheiten und Wandel ist es wichtig, die positiven Entwicklungen nicht aus dem Blick zu verlieren. Sie sind unsere Basis, um Veränderungen aktiv und optimistisch zu gestalten.“

Als „eine der richtungsweisendsten Wahlen der letzten Jahrzehnte“, bezeichnete Litterst die in fünf Wochen anstehende Bundestagswahl. Den Ausblick darauf verband mit einer deutlichen Aufforderung: „Gehen Sie am 23. Februar zur Wahl!“ Die demokratischen Parteien, so der Bürgermeister, stünden „wieder sehr viel deutlicher für unterschiedliche Haltungen“. Entsprechend gelte die Ausrede „die sind ja eh alle gleich und wollen dasselbe“ nicht mehr.

Klare Meinung zur Zuwanderung

Klare Kante zeigte der Rathauschef gegenüber rechten Strömungen. Er sprach das Thema Migration gezielt an. Für die illegale Zuwanderung, so Litterst, brauche es Antworten. Generell aber brauche Deutschland Zuwanderung. Der Arbeitsmarkt sei mehr denn je auf ausländische Fach- sowie einfache Arbeitskräfte angewiesen. Wer jedoch „in der Migrationspolitik mit primitiven Parolen auftritt, von massenhafter Remigration und totaler Abschottung spricht, zeigt nicht nur seine absolute Ignoranz, sondern legt gezielt die Lunte an die gesellschaftliche Stabilität“.

Matthias Litterst rief die Bürger dazu auf, am 23. Februar wählen zu gehen. Foto: Axel Dach

Auf einige positive Entwicklungen ging der Bürgermeister in seinem Rückblick genauer ein. So laufe etwa der Breitbandausbau, der den Haushalt der Gemeinde die kommenden Jahre „finanziell dominieren“ wird. In diesem Jahr soll auch der Ausbau in den Außenbereichen starten. 300 Gebäude gilt es, ans Netz anzuschließen. Fertigstellen konnte man 2024 die Radwegbrücke am Durenbach und die Fußgängerbrücke am Kappelweg. Ebenso ging er auf die Sanierungsarbeiten am Dörlinbacher Rathaus ein. Eine positive Entwicklung hier: „Wir bleiben mehrere Zehntausend Euro unter der Kostenschätzung“. Zudem bezeichnete Litterst den Beschluss zur Realisierung der Baugebiete in Schuttertal, Dörlinbach und Schweighausen als „großen Wurf“.

Zu den Herausforderungen, die 2025 auf Schuttertal warten, zählt Litterst etwa den Anschluss der Kreuzhaldenquelle an das Trinkwassernetz, die Erneuerung der Trinkwasserhauptleitung im Bereich Blessingstraße, Mühlweg, Oberrain, Wurtsgraben und Herrenmatt in Dörlinbach, das Starkregenrisikomanagement und den Umgang mit möglichen neuen Vorranggebieten für Windräder, für die die Entscheidung dieses Jahr fallen wird. Das alles, darauf machte Litterst keinen Hehl, mit eingeschränkten Mitteln in einer Gemeinde, die „finanziell nicht auf Rosen gebettet ist“. Den Haushalt für 2025 wird der Bürgermeister am Dienstag im Gemeinderat einbringen.

Wie kommt Litterst also zu seinem Appell? „Wir sind gewohnt, aus dem Wenigen was wir haben, das Beste zu machen. Das gelingt uns auch immer wieder“, erklärte er. „In Schuttertal leben Menschen, die einen außergewöhnlichen Sinn für das Allgemeinwohl haben. Menschen, die sich in außergewöhnlichem Maße für die Allgemeinheit engagieren, die füreinander einstehen und so trotz der ein oder anderen Widrigkeit Jahr für Jahr viel Gutes leisten.“

Carsten Gabbertübernimmt Ehrungen

Einigen von ihnen dankte der Bürgermeister im Namen der Gemeinde ausdrücklich. Zum Einen seien da die „Obertäler“, die in Schuttertal in Eigenregie ein Buswartehäuschen errichtet haben. Zum Zweiten sei da Alois Göppert, auf dessen Initiative hin ein tonnenschwerer Gedenkstein seinen Platz im Wald bei Dörlinbach gefunden hat. Zum dritten sei da Kurz Weber, der bei Schweighausen einen neuen Weg initiiert hat, wo sich Wanderer auf die Spuren der Köhler begeben können.

Regierungspräsident Carsten Gabbert (von links) überreichte die Landesehrennadel an Erwin Geiger und Bernhard Vetterer. Foto: Axel Dach

Die Ehrung zwei Menschen, die sich über das gewöhnliche Maß hinaus in ihren Vereinen engagiert haben, übernahm Regierungspräsident Carsten Gabbert. Littersts Vorgänger als Bürgermeister von Schuttertal verlieh Bernhard Vetterer, unter anderem langjähriger Vorsitzender des TV Schuttertal, und Erwin Geiger, unter anderem mehr als 20 Jahre Oberschützenmeister in Schweighausen, die Landesehrennadel. Beide kenne er noch aus seiner Zeit als Rathauschef, berichtete Gabbert. Und beide stünden dafür, mit anzupacken. Etwa bei der Hallensanierung in Schuttertal in Vetterers Fall oder bei der Wärmeversorgung im Bergdorfhaus Schweighausen in Geigers Fall. Für beide neuen Träger der Landesehrennadel passte ein Satz Littersts besonders gut: „Es gibt wahrhaftig viel Gutes. Das Gute ist oft näher, als wir denken – in den Menschen um uns herum, in der Gemeinschaft, in jedem kleinen Erfolg.“

Dies im Sinn appellierte Litterst, „unsere Stärken und das Gute, das und umgibt“ zu nutzen, um gemeinsam den Herausforderungen zu begegnen. „Ich wünsche uns allen ein frohes, gesundes und erfolgreiches neues Jahr und unserem Jubiläum einen tollen Verlauf. Packen wir’s gemeinsam an!“

Die Geehrten

Landesehrennadel:
Bernhard Vetterer, Erwin Geiger

Sport- und Kulturmedaille in Gold:
 Elisabeth Winterer, Ludwig Griesbaum

Sport- und Kulturmedaille in Silber:
 Pamina Müllerleile (Saxophon), Nils Schwendemann (Trompete), Mathilda Hummel, Annika Heuberger, Lena Heuberger, Emilia Ehret (Tischtennis), Klaus Binder (Hundesport), Mädchen-Mannschaft des TTC Schuttertal (Tischtennis, Damenmannschaft des SV Dörlinbach (Fußball)