Rund 400 Gäste sind zum Friesenheimer Neujahrsempfang in die Sternenberghalle gekommen. Groß war das Interesse für das Thema Künstliche Intelligenz.
Mit einem humorvollen Rap, alles KI gesteuert und vom IT-Spezialisten der Gemeinde Jan Brämer erarbeitet und vorbereitet, erlebten die Gäste, wie Bürgermeister Erik Weide von Ronaldo in die Wange gekniffen wird und von einem Bären im Friesenheimer Wald verfolgt wird. Charlotte Schubnell zeigt sich in Umarmungen mit Angela Merkel und Barack Obama und Diakon Hans Benner lächelt Arm in Arm mit Papst Franziskus in die Kamera. Es sind Bilder, die einem auf Social-Media-Plattformen zuhauf gezeigt werden. Künstliche Intelligenz war am Mittwochabend zum Neujahrsempfang das große Thema.
Im Interview zeigten sich dabei mit Bürgermeister Weide Sebastian Zilch, von „Frage Walter“, eine KI, die für Schulen entwickelt wurde, Gemeinderat Stefan Armbruster und Jan Brämer von der Verwaltung. Alle drei erkennen für sich: KI richtig angewendet, vereinfache und ergänze das Arbeitsleben. In der Bildung wird sie künftig eine große Rolle erfahren. Wichtig sei dabei jedoch der verantwortungsvolle Umgang, welcher an der Schule vermittelt werden sollte. Bereits 1797 habe Goethe im Zauberlehrling auf seine Art und Weise, die Angst der Menschen vor neuen Dingen, aber auch das Risiko, neu Geschaffenes nicht mehr bändigen zu können, dargestellt, führte Bürgermeister Weide aus. Zum Neujahrsempfang ging es nicht um Für und Wider, vielmehr hat die Chance von KI im Fokus gestanden.
Einige Entwicklungen zeige auch Frustration
Wichtig sei das Miteinander und die Menschen. So haben ganz real auf der Bühne Inge Kiefer und Hilde Böhnemann vom Verein für Heimatpflege- und Brauchtum die Gäste in der Halle in ihrem Dialekt begrüßt. Herausragend war ebenfalls der Gesang des Realschulchors unter der Leitung von Isabell Schiebel sowie die klassischen Werke von Jonas Wahler am Flügel.
Dass die baulichen Maßnahmen für Friesenheim im vergangenen Jahr Fahrt aufgenommen haben, machte Weide deutlich: Der Bau des neuen kommunalen Kindergartens, die Entwässerung im Baugebiet Kloster, der Pfarrhausverkauf in Heiligenzell, Oberweier erhielt an der Grundschule eine neue Mensa, Oberschopfheim eine neue Pausenhalle und die Gesundheitsversorgung steht für die kommenden Jahre „hervorragend da“, so Weide. Selbst für Friesenheim liefen Gespräche für ein neues Ärztehaus. Abgeschlossen sei der erste Bauabschnitt zur Sanierung der Sternenberghalle. Zuschüsse für Mobilität, energetische Sanierungen aus dem Schulbauförderprogramm sowie der Breitbandausbau lassen Weide von einem Rekordjahr sprechen.
So positiv sein Rückblick auf 2025 auch ausfalle, zeige manche Entwicklungen auch eine gewisse Frustration. Noch immer gebe es keinen Radweg über die Bahnbrücke in Friesenheim. Marode sind die Brücken zwischen den beiden Autobahnbrücken von Lahr und Offenburg, weshalb 40-Tonner eine Umfahrung hinnehmen müssten. In Friesenheim selbst wünsche sich Weide mehr sachliche Diskussion über einen funktionierenden und bezahlbaren Brandschutz. Die Gremien und der Bürgermeister hätten diese Diskussionen zu führen, stellte Weide klar.
Für 2026 greife die Gemeinde noch auf Rücklagen zurück. Kommen wird für die Folgejahre der Ausbau der Grundschulen an allen Standorten, ein neues Schwimmbad und eine neue Sporthalle sind geplant.
Politik für die Mehrheit
Die Gremien müssten die knappen Mittel dort verwenden, wo der Gesetzgeber die Prioritäten setze. „Die vielen Millionen, die wir in den Ausbau unserer Kinderbetreuung und Bildung stecken, werden zwangsläufig an anderen Stellen fehlen.“ Künftige Einsparungen seien schmerzhaft. „Denn Verzicht, den keiner spürt, gibt es nicht“, so Weide. Nicht gespart werde in Friesenheim jedoch an der elementaren Wasserversorgung und dem Vorzeigeprojekt in Baden-Württemberg: einer vierten Reinigungsstufe mittels Retentionsbodenfilter Plus bei der Kläranlage.
Hoffnungsvoll will Bürgermeister Weide in die Zukunft blicken. „Von den Marotten – alles darf geschehen, nur nicht vor meiner Haustür, müssen wir uns verabschieden“, so Weide und zählte auf: Bau von Windrädern, Bahnausbau, Schaffung von Wohnraum oder ein Krematorium. Es gelte Politik für die Mehrheit zu machen und „nicht nach jeder Nase zu tanzen“. Weide wünscht sich mehr Gelassenheit und ein Miteinander und Zupacken. Dabei bleibe zu vermuten: „Ohne KI werden wir das nicht schaffen.“
Schornsteinfeger
Zum Schluss gab es die traditionellen Neujahrsgrüße von Schornsteinfegermeister Hans-Jürgen Kopf. Vom Verein für Heimatpflege und Brauchtum sind mit Freude Glückskäferchen verteilt worden.