Zahlreiche Besucher waren am Sonntag der Einladung von Bürgermeisterin Susanne Irion zum Neujahrsempfang ins Konzerthaus Trossingen gefolgt.
Gastgeberin des Neujahrsempfang der Musikstadt Trossingen zu sein, sei ein Privileg und Bürde zugleich, betonte Bürgermeisterin Susanne Irion. „Privileg, weil man gar keine lange Neujahrsrede halten muss. Man kann musikalisch aus dem Vollen und einer unermesslichen Vielfalt schöpfen und sich jedes Jahr überlegen, welches musikalische Fenster man diesem Publikum öffnen möchte“.
Die Bürde bestehe darin, aus so vielem was Menschen in ihrer Freizeit Freude mache, was künstlerisch exzellent sei oder den Geist des Neuen, des Avantgardistischen trage, eine Auswahl zu treffen. In diesem Jahr waren es die Preisträger des Kammermusikwettbewerbs der Musikschule Trossingen sowie das „Smart-Kick-Team“ der Stadtkapelle Trossingen und später zum Sektempfang und vielen Gesprächen im kleinen Saal das Swingin’s Bossa Trio.
Einwohnerstruktur Trossingen wachse nicht mehr so schnell und so stark. „Aber wir sind trotzdem 53 Trossinger mehr als im Vorjahr und zählten zum Jahresende 17542 Einwohner“, so Susanne Irion. Trossingen zähle mit einem Durchschnittsalter von 41,3 Jahre zu den jüngsten zwei Prozent aller Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg „Im Rest des Landes ist man übrigens 44“.
Junge Einwohner und eine wachsende Stadt hätten hohen Bedarf an öffentlichen Ressourcen. Dies bedinge die Fortsetzung des Investitionskurses und die klare Prioritätensetzung in Sachen Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur.
Entwicklungen Mit Blick auf Großinvestitionen, die ihre Schatten weit über das Jahrzehnt hinauswerfen, sagte die Bürgermeisterin, „manchmal wird es mir nicht nur bei den Summen und der Aufgabenflut, die da im Raum steht, selbst schwindlig“, hinzu komme bei ihr auch die Sorge um die schwächelnde Wirtschaft und die geopolitische Instabilität. „An schlechten Tagen erwische ich mich beim allgemeinen Lamento, das da heißt ‚früher war alles besser‘, da spreche dann auch aus ihr „das Heimweh nach Vergangenem“, sagte Susanne Irion. „Dann merke ich, dass auch ich älter werde, denn Jugend hat Heimweh nach der Zukunft“.
Verantwortung für nachfolgende Generationen
Und sie habe auch ein Recht darauf. Doch gerade „weil wir in einer jungen Stadt leben, trifft uns die Verantwortung, nachfolgenden Generationen diese Zukunft nicht madig zu machen. Lassen wir uns lieber anstecken von neuen Ideen, von Optimismus und mutig gemeinsam voranzugehen. Wenn schon nicht der Jugend wegen, dann wenigsten um unserer selbst Willen“, denn was vergangen sei, hole man nicht mehr zurück.
„Diese Heimat gibt es nicht mehr, aber wir sind mehr als herzlich eingeladen, uns in der Zukunft eine neue zu bauen und unseren Beitrag dazu zu leisten, wie diese aussieht und wie es sich darin lebt“. Das Jahr 2026 liege unverbraucht und neu vor uns, „und was es im kommenden Jahr, dem 100. Jahr der Stadt Trossingen, an dieser Stelle zu berichten gibt, das weiß noch niemand“.
Wirtschaft Trossingen gehöre seit Jahrzehnten zu den Städten mit unterdurchschnittlicher Gewerbesteuerausstattung, „die bei uns bei 493 Euro pro Einwohner und damit 180 Euro spürbar unter dem Landesdurchschnitt liegt“, erläuterte die Bürgermeisterin. Eine tiefgreifende und schmerzhafte Haushaltskonsolidierung, wie sie in vielen anderen Kommunen stattfinden müsse, sei Trossingen für 2026 noch erspart geblieben, „dass unser Haushalt gut genehmigungsfähig ist, war klar“.
Man bemühe sich trotzdem intensiv, als Wirtschaftsstandort zu wachsen, sagte sie mit Blick auf Bebauungsplanänderungen zu Gunsten erfolgreicher Betriebe in Schura und Trossingen. Außerdem werden mit Durchhausen und Talheim zwei neue interkommunale Gewerbegebiete entwickelt. „Weil wir im Laufenden keine überbordenden Standards aufgebaut haben, können wir anstehende und notwendige Großprojekte trotzdem noch realisieren“, betonte sie mit Blick beispielsweise auf das Rathaus.
Bürgerbeteiligung Bürger strukturiert und von Dritten professionell begleitet einzubeziehen, wie bei der Bürgerbeteiligung zur Neugestaltung des Rudolf-Maschke-Platzes, sei ein Novum gewesen. „Es war nicht nur die Einlösung meines Versprechens zum Amtsantritt, sondern aller Gemeinderatsfraktionen zur Kommunalwahl, Bürgerinnen und Bürger künftig besser einzubeziehen“. Dies werde so auch für die Händelstraße umgesetzt. „Die Flüchtlinge dort sind ausgezogen, und der Weg ist frei, was auf diesen Flächen entstehen soll.
Stadtbild „Quartiere, Kindergärten und Schulen, der Zustand unserer Sporthallen und Sportanlagen, die Aufenthaltsqualität unserer Parks und unserer Plätze, der Zustand unserer Wege und Straßen, wie sauber und hell es dort ist – all das ist Stadtbild“, betonte die Bürgermeisterin. „Wir prägen Kinder und Jugendliche in unseren Bildungseinrichtungen, in Vereinen und Kirchengemeinden und haben nicht zuletzt durch unser Verhalten in öffentlichem Raum selbst eine Vorbildfunktion. Wir sind Stadt und wir sind Stadtbild, und zwar weit mehr als die Wenigen, deren Verhalten oder Dasein wir dort beanstanden“.
Nicht alle Wünsche lassen sich erfüllen
Bei allem Wandel und den unruhigen Zeiten habe sich eine Sache nicht verändert, „nämlich, dass sich nicht alle Wünsche gleichzeitig und manche Wünsche vielleicht auch gar nicht erfüllen lassen. Wir müssen die Summe staatlicher Versprechen und Erwartungshaltungen reduzieren“. Man müsse auch nicht jeden Wunsch erfüllen, könne nicht jedem Individualinteresse gerecht werden.
„Ich bin davon überzeugt, dass es ein erfülltes Stadtleben trotz unerfüllter Wünsche gibt. Ein Stadtleben, in dem wir uns darüber freuen, was uns gelungen ist und das war 2025 viel. Ein Stadtleben, das wir so verstehen, dass jeder Einzelne eine Aufgabe in dieser Stadt hat, wichtig für sie ist und in diesem Gebraucht-Werden Erfüllung finden möge. Und ein Stadtleben, von dem wir wissen, dass es nie vollkommen sein kann – aber an dem wir mit klarem Kompass für das Große und Morgen einstehen“.
Saalquiz Bei einem interaktiven Saalquiz, bei dem sich die Gäste mit ihrem Handy bei acht Schätzfragen beteiligen konnte, präsentierte sich Bürgermeisterin Susanne Irion als perfekte Quizmasterin. Preise hatte sie in Zeiten des Sparens nicht zu vergeben, doch die Bürger wissen jetzt, dass es im Jahr 2025 in Trossingen 92 Eheschließungen gab, 200 Kinder geboren wurden, die Pro-Kopf-Verschuldung bei 399 Euro und das Pro-Kopf-Vermögen bei 5800 Euro lag. Gewerbeanmeldungen gab es 197, es wurden 2700 Bäume im Stadtwald gepflanzt und 3287 Strafzettel verteilt.