Bürgermeister Michael Rieger rief beim Neujahrsempfang in St. Georgen zum Zusammenhalt auf, berichtete über städtische Projekte und erklärte, warum er bei der Bürgermeisterwahl in diesem Jahr ein weiteres Mal kandidieren möchte.
Musikalisch begrüßt wurden die Gäste von der Stadtmusik. Michael Rieger erinnerte daran, dass die Gruppe 2024 ihr 150-jähriges Bestehen feiert und dafür Helfer sucht.
Der Blick zurück
Beim Rückblick auf 2023 sei ihm aufgefallen, dass sich Menschen zum Teil berechtigte Sorgen machten. Seit 1998 seien Kriege, Bürokratieabbau, Finanzkrisen oder Fachkräftemangel beherrschende Themen gewesen. Das Licht am Ende des Tunnels habe man allenfalls per Teleskop gesehen, Positives sei Fehlanzeige. „Früher war auch nicht alles besser, deshalb sollte man sich vor zu viel Nostalgie hüten.“
Sich dem Wandel zu stellen heiße nicht, mit allem einverstanden zu sein, vor allem nicht damit, dass Demokratie mit Füßen getreten werde. Man dürfe sich nicht von Populismus und Angst leiten lassen. Alle hätten gemeinsam Verantwortung, schwarzsehen sei kontraproduktiv. „Weiter kommen wir, wenn wir uns zutrauen, neue Perspektiven zu entwickeln.“ St. Georgen habe in den vergangenen Jahren ein solides Finanzpolster aufgebaut. Man schwimme nicht im Geld, habe den Schuldenstand pro Einwohner aber auf unter 100 Euro gesenkt.
Die wichtigsten Projekte
2023 war der Start der Stadtsanierung ein „herausragendes Ereignis“, das Anliegern und Parkplatzsuchenden viel abverlangte. Obwohl das Projekt enorm kompliziert sei, liege man gut im Zeitplan zu einer modernen Stadtmitte samt wunderschönem Marktplatz.
Sehr froh sei er über die Sanierung des Klosterweihers. Dem Gemeinderat sei immer klar gewesen, dass der nicht zu einem Biotop werden dürfe. Bei der Spendenaktion kamen bis dato 107 000 Euro zusammen.
Der Vollendung entgegen gehe die Sanierung des Roten Löwen. Offizielle Eröffnung sei im April, samt Feier des 25-jährigen Bestehens der Wirkstatt.
Das steht 2024 an
Millionen investiert habe man in Glasfaser. 2024 stünden im Haushalt 1,4 Millionen Euro für Außenbereiche und Einzelgehöfte in Langenschiltach, Brigach und Oberkirnach. Rieger kritisierte neue Förderrichtlinien des Bundes, welche diejenigen bestraften, die sich lange vorbereiteten, und die belohnten, die nichts machten.
2024 soll die Robert-Gerwig-Schule digitale Tafeln erhalten, nachdem man 2023 in Realschule und Gymnasium 650 000 Euro investiert hatte. Für den Ausbau erneuerbarer Energien gebe man eine Million Euro aus, mit Photovoltaik auf dem Roten Löwen, einem Blockheizkraftwerk am Bauhof oder der Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED. Etwa eine Million Euro soll in die Generalentwässerung fließen.
Zur Rathaussanierung berichtete Rieger, dass das Modellprojekt mit einem Volumen von 20 Millionen Euro etwa 60 Prozent Förderung erhalten werde. Während das Umbaus komme die Verwaltung ins A.-Maier-Gebäude, das die Stadt für 750 000 Euro kaufte, bei Fördermitteln von 400 000 Euro und gesparter Miete von 200 000 Euro. Nach der Sanierung werde man das Areal nicht behalten, aber den Finger drauf haben, um zu entscheiden, was damit geschehe.
Plädoyer für Zusammenhalt
In der Stadt habe es schon immer Veränderungen geben, so Rieger. Er ermunterte, Vorbild für die Jugend zu sein. Die Stadt brauche Menschen, die Verantwortung übernähmen. Ehrenamtliche bei Vereinen, DRK, DLRG oder Feuerwehr praktizierten Solidarität. Einzelhandel und Gastronomie stünden vor Herausforderungen. Gemeinschaft tue allen gut.
Dem Gemeinderat bescheinigte Rieger 16 Jahre vertrauensvolle Zusammenarbeit und wiederholte sein Versprechen, erneut als Bürgermeister zu kandidieren. Sein Wunsch sei, wieder Verantwortung zu übernehmen für Projekte, in denen sein Herzblut stecke.
Jugendgemeinderätin Selina Wagner rief in einem leidenschaftlichen Plädoyer dazu auf, im Angesicht von Kriegen und Ängsten Hoffnung zu bewahren und eine Gemeinschaft ohne Vorurteile zu bilden.