Gegen zum Teil anonyme Kritik wehrte sich Bürgermeister Michael Rieger beim Neujahrsempfang in St. Georgen. Er warb stattdessen dafür, sich einzubringen.
Musikalisch begrüßt zum St. Georgener Neujahrsempfang wurden die Gäste von der Stadtmusik. Bürgermeister Michael Rieger berichtete verschmitzt, dass die „berüchtigten, lärmenden“ Stühle der Stadthalle 25-Jähriges feiern, wünschte Gästen neben Zuversicht und Kraft erstmals auch Frieden.
Die Welt sei unruhig und verrückter geworden. Allein werde Deutschland wohl wenig ausrichten können. Der Blick auf die Konjunktur falle nicht immer leicht, politische Spannungen belasteten viele Familien.
Sorgen dürften aber nicht lähmen oder zu viel Angst machen. Es gelte, den Blick auf das zu richten, was man miteinander gestalten könne und was einem Halt gebe. Das sei in St. Georgen sehr viel. Deutschland sei immer dann stark, wenn es Schwierigkeiten nicht beschönige sondern anpacke. So langsam würden die Menschen aber müde.
Verwaltungsakte dauerten viel zu lange, die kommunale Selbstverwaltung gebe es auf dem Papier, bei Bauvorhaben müsse man aber mit 40 bis 50 Verbänden reden. Mittelständlern müsse man das Gefühl vermitteln, willkommen zu sein, denn ohne sie könne man sich vieles nicht leisten.
Wichtig sei auch die eigene Haltung; hier und da fehle es an Vertrauen oder Arbeitswillen. Man müsse daran glauben, dass man Schwierigkeiten aus dem Weg räumen könne. Hier sei auch die Bürgerschaft gefragt, denn es gebe immer etwas, wo man sich einbringen könne.
Rieger: Stadt auf gutem Weg
Die Stadt sei trotz Krisen immer noch sehr gut unterwegs, Verwaltung und Gemeinderat täten ihr Möglichstes. Trotz eines durchwachsenen Jahres 2025 habe man einen ausgeglichenen Haushalt. Es gebe viele Betriebe, die richtig zu kämpfen haben, aber auch gute Beispiele. Maßnahmen wie die Sanierung der kurz vor dem Einsturz stehenden Tiefgarage oder Spittelberg- und Sommerauer Straße habe man hinbekommen, aber mit Parkzonen etwas ganz Schlimmes eingeführt, so Rieger sarkastisch. Dabei sei man eine der ganz wenigen Städte, die außerhalb der Garage keine Gebühren verlange.
Eine wunderbare Sache sei der Radweg Richtung Hardt, im Gewerbegebiet Hagenmoos/Engele habe man Flächen erweitert. Bei sieben Millionen Euro liege heute der Eigenanteil der Stadt am Glasfaserausbau, am Ende dürften es über zehn Millionen sein. Rieger erinnerte an 175 000 Euro Spenden der Bevölkerung zur Klosterweihersanierung.
Nicht alles geht sofort
2026 soll der Rest der Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt, in der Robert-Gerwig-Schule für acht Millionen Euro Brandschutz und Elektrosanierung in Angriff genommen werden. Die Baugenossenschaft Familienheim erklärte sich bereit, die Terrasse am Roten Löwen zu erstellen. Das Rathaus liege gut im Zeitplan, bei dem modellhaften Projekt nutze man viel Holz aus dem Stadtwald, die Bücherei werde zur Begegnungsstätte.
Für die Feuerwehr gehe man Planungen für den dringend nötigen Anbau am Gerätehaus an, im Frühjahr gebe es erste Gespräche zur Sanierung des Schulzentrums auf dem Roßberg. Nicht machbar sei derzeit die Sanierung des Hauses der Vereine für nach ersten Schätzungen 3,2 Millionen Euro.
Kritik anonym oder unter falschem Namen
Rieger wehrte sich gegen den Vorwurf eines Palasts als Rathausprovisorium. Man nutze gebrauchte Möbel, Teppiche und Türen – wie könne jemand einfach so daherschwätzen? Traurig sei, wenn Leute versuchten, anonym oder unter falschem Namen schlechte Stimmung zu verbreiten. Wichtig sei, auch bei einem „Nein“ fair miteinander umzugehen. Veränderungen kämen nicht allein von Bund, Land oder Stadt, sondern von Menschen, die mitmachten.