Zahlreiche Gäste kamen zum Neujahrsempfang in Ostelsheim. Foto: Jeanette Tröger

Der Ostelsheimer Neujahrsempfang stand im Zeichen der Gemeinschaft. Bürgermeister Ryyan Alshebl sieht trotz manch schwieriger Situation Chancen für die Zukunft.

Von Mut und Zuversicht war die Rede, von gelungenen Projekten, von nicht zur tatsächlichen Lage passender schlechter Stimmung, und alles untermalt vom erfrischenden Sound der „Kuglfuhr“-Rocker – der Neujahrsempfang in Ostelsheim stand unter der großen Überschrift „Gemeinschaft“ und wer dabei war, spürte, dass diese in der Gäugemeinde nicht nur ein Wort ist.

 

„Sie haben heute das Glück, „Kuglfuhr“ am Sonntagvormittag zu hören,“ begrüßte Bürgermeister Ryyan Alshebl die Bürgerschaft, die Vereine und Gemeinderäte in der voll besetzten Gemeindehalle und die Rockband. Die setzte mit „I schwätz schwäbisch“ gleich ein Zeichen, das wie ihre vier weiteren Einlagen mit großem Applaus bedacht wurde.

Der Auftritt der Band „Kuglfuhr“ stand auch unter dem Stichwort „Gemeinschaft“, sind die Bandmitglieder doch junge Ostelsheimer und ihre Freunde aus Weil der Stadt. Foto: Jeanette Tröger

Gäste aus der Politik

Der Schultes ließ seinen Gästen aus der Politik und der Kreisverwaltung zunächst den Vortritt. Die Bundestagsabgeordnete der SPD, Saskia Esken, sagte, angesichts der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Lage und der sich auf der ganzen Welt überschlagenden schrecklichen Ereignisse, sei es „wahrhaftig nicht einfach, Mut und Zuversicht zu bewahren und neu zu entwickeln“. Ob der Ruf nach dem „starken Mann“ und damit „die Abkehr von unserem demokratischen System“ wirklich eine gute Idee sei, fragte sie ins Publikum. Alshebl habe dazu eingeladen, „gemeinsam die Gemeinschaft hochleben zu lassen“. Zusammen gehe einfach mehr, es gelte bei unterschiedlichen Blickwinkeln und Ideen einen Kompromiss zu finden, der möglichst viele zufrieden macht.

Schwierige Verhältnisse

Nachdem die Band den ganzen Saal in Bewegung und in rhythmisches Klatschen versetzt hatte, beschrieb der Erste Landesbeamte Frank Wiehe die verbreitete Stimmung, dass wir in ganz besonders schwierigen Verhältnissen lebten. Er berichtete von ungeduldigen Diskussionen und persönlichen Angriffen wie „Die sind unfähig und gehören weg“. Das übertrage sich aufs Rathaus, auf den Landkreis und auf die Regierung.

Trotz aller Krisen „haben wir jedoch allen Grund, zuversichtlich auf die Gegenwart zu schauen“. Im Kreis, wie die Hermann-Hesse-Bahn (HHB) und das neue Krankenhaus beweisen, und auch in Ostelsheim: „Sie haben seit jeher ein tolles Vereinsleben und zu allem Überfluss geht es der Gemeinde finanziell besser als den meisten Kreisgemeinden.“

Kein einfaches Jahr

2025 war kein einfaches Jahr, gestand auch der Bürgermeister, nicht für die Welt, nicht für Europa und nicht für Deutschland. „Ich möchte jedoch über das sprechen, was wir in der Hand haben.“ Gravierend sei der Bürgerentscheid zur Windkraft gewesen. „Wenn ich in Ihre Gesichter schaue, sehe ich, wir sind alle erleichtert.“ Der Ton sei in weiten Teilen von einem Grundrespekt getragen worden, Gräben weitgehend zugeschüttet.

Allerdings stehe man in Deutschland vor einem „strukturellen Webfehler in der Energiepolitik“, der Ausstieg aus fossiler Energie wurde im Bund entschieden, umsetzen müssten ihn die Gemeinderäte. „Wenn wir unseren Wohlstand halten wollen, müssen wir unsere demokratischen Prozesse beschleunigen.“ so der Schultes.

Schultes sieht Chancen

Ostelsheim beweise, „dass wir sehr wohl machen können.“ Er nannte das Dorfcafé, das „ein Versprechen an die Gemeinschaft“ sei, und den Naturkindergarten, der die frühe Bildung attraktiver macht.

„In 2026 haben wir die Chance unseren Ortskern neu zu definieren“ als lebendige und zukunftsfähige Ortsmitte. Am 26. Januar soll eine Info-Veranstaltung hierzu die Fördermöglichkeiten für private Investitionen aufzeigen. „Wir brechen aus der Isolierung aus“ lenkte Alshebl den Blick auf die Bahn und das Ende von 40 Jahren Abkoppelung vom Schienennetz. Der HHB-Haltepunkt sei ein Beispiel für moderne vernetzte Mobilität mit Fahrradgaragen und Schnellladern für E-Autos, was am 31. Januar mit einem kleinen Einweihungsfest gefeiert wird.

Die vergangenen Monate seien für ihn persönlich nicht einfach gewesen, gestand Alshebl. „Ich stehe hier auch als Mensch, dessen Wurzeln in einem Land liegen, das nicht zur Ruhe kommt, die Angst um die Eltern, Verwandten und Freunde weicht auch nachts nicht.“ „Eine Gemeinschaft, die zusammen lacht, hält auch, wenn es mal ernst und schwierig wird“, sagte der Schultes und wies auf den großen Festumzug zur Feier von 40 Jahren Narrenfreunde Ostelsheim am 14. Februar hin.

Eine Gemeinschaft

Demokratie lebe vom Machen, nicht vom Zuschauen, „wir sind eine Gemeinschaft, die bewiesen hat, dass sie Entscheidungen treffen und Gräben überwinden kann.“ Dafür gaben die Ostelsheimer ihrem Schultes und sich selbst noch einmal großen Applaus.