Gleich vier Neujahrsbrezeln wurden von Bürgermeister Jens Fondy-Langela und seinen Stellvertretern, von den Ortsvorstehern der Ortsteile und von Bantzenheims Bürgermeister Roland Onimus angeschnitten. Foto: Volker Münch

Neuenburgs Bürgermeister Jens Fondy-Langela zog beim traditionellen Neujahrsempfang der Stadt Bilanz, hielt Ausschau und gab zwei ungewöhnliche Versprechen.

Der Neujahrsempfang im Stadthaus gehört zu den großen gesellschaftlichen Ereignissen der Zähringerstadt. Entsprechend groß war die Riege der Ehrengäste, angefangen von Alt-Bürgermeister Joachim Schuster bis hin zu Repräsentanten aus Behörden, Wirtschaft, Vereinswelt und anderen Organisationen. In seiner Neujahrsrede verwies Fondy-Langela auf das Bevölkerungswachstum Neuenburgs: „Zum Jahresende lebten 12 857 Menschen in der Stadt. Es waren 881 Personen neu in die Stadt gezogen, 777 waren weggezogen.“

 

„Jubiläumsjahr ein voller Erfolg“

Stolz verwies der Bürgermeister auf das Engagement der Stadtgemeinschaft. Als Beispiele nannte er die vier Jubiläen, die im vergangenen Jahr gefeiert wurden: den Stadtgeburtstag (850 Jahre) sowie die Eingemeindungen der Ortsteile Grißheim, Steinenstadt und Zienken vor rund 50 Jahren. „Das Jubiläumsjahr war ein voller Erfolg“, stellte er stolz fest und sagte: „Wenn eine Stadt feiern und etwas Besonderes bewegen kann, dann ist das Neuenburg am Rhein.“ Dies zeige sich auch bei der Neuorganisation des Nepomukfestes, das die Stadt gemeinsam mit den Vereinen in kurzer Zeit aus dem Boden gestampft und zum Erfolg geführt habe.

Jens Fondy-Langela verwies auch auf viele andere Ereignisse und Projekte, etwa die Gewerbeentwicklung. Als Beispiel führte er das Richtfest für das große Industriegebäude an, in das der große Versandhändler Galaxus einziehen werde und über 1000 neue Arbeitsplätze schaffen möchte.

Er verwies auf die Jugendbeteiligung im Rahmen des künftigen „Gesamtörtlichen Entwicklungskonzeptes“ (GEK) und die Beteiligungsprozesse der Bürger, aus der nun eine Initiative hervorgegangen sei, die einen Bürgerverein gründen wolle.

„Um unsere Finanzen steht es alles andere als gut“

Bei einer Einwohnerversammlung am 3. Februar gehe es um die angespannten Finanzen der Stadt und um eine notwendige Haushaltskonsolidierung. Dazu sagte Fondy-Langela nach seinem Hinweis auf die allgemeine kommunale Finanzkrise wörtlich: „Um unsere städtischen Finanzen steht es alles andere als gut.“ Weitere Themen, die die Gemeinde 2026 beschäftigen werden, sind laut Bürgermeister ein neues Baugebiet, die kommunale Wärmeplanung, die Erweiterung der Grundschule wegen des Rechtsanspruchs auf die Ganztagesbetreuung und die künftige Nutzung des ehemaligen Pflegeheims St. Georg mitten in der Stadt.

Sorge bereitet dem Bürgermeister nicht nur die Weltpolitik, sondern die Verschärfung des Tons in der Auseinandersetzung sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft. Dazu Fondy-Langela: „Verständnis, Empathie, Vernunft, Einsicht, schlichtweg gutes Benehmen scheinen aus der Mode zu kommen. Auch die Würde des Menschen ist offensichtlich wieder antastbar.“ Seiner Ansicht nach nimmt die Polarisierung in der Gesellschaft äußerst bedenkliche Züge an.

Dabei gebe es aus seiner Sicht genügend Gründe, optimistisch in die Zukunft zu blicken und sich für die Gesellschaft zu engagieren. Er verwies auf die vielen Ehrenämter bei Vereinen und Blaulichtorganisationen wie die Feuerwehr und auf das Wirken der Bürgerstiftung.

Bürgermeisterspende und Karaokeparty

Mit einer ungewöhnlichen Idee will er die Mitbürger sowohl für das Ehrenamt als auch für die Unterstützung der Bürgerstiftung, die das kulturelle Leben in der Stadt, die Umwelt, Bildungsangebote, die Jugend und den sozialen Zusammenhalt fördert, gewinnen: „Ich habe beschlossen aus meiner privaten Schatulle für jedes neue Aktivmitglied in einem unserer Vereine oder bei unserer Feuerwehr einen Euro an die Bürgerstiftung zu spenden.“ Er rief die Bürger dazu auf, selbst die Stiftung mit Spenden zu unterstützen.

Als Jahresziel gab er einen Mindestbetrag von 50 000 Euro aus. Sollte dieser erreicht werden, so ein weiteres Versprechen des Bürgermeisters, wolle er eine Karaokeparty im Stadthaus veranstalten und auch das erste Lied selbst singen. Werde das Ziel nicht erreicht, dann müssten die Vereinsvorsitzenden der zehn größten Vereine ans Mikrofon treten, kündigte er mit einem schelmischen Lächeln an.

Ein gesonderter Bericht über die Ehrungen folgt.