Referent Dirk Güsewell spricht über die Energiewende und bezahlbare Stromversorgung. Foto: Steinmetz

Dirk Güsewell aus dem Vorstand der EnBW zeigt in Dornhan die Herausforderungen der Energiewende auf. Dabei ist die Versorgungssicherheit ein zentraler Aspekt.

Bezahlbare Energie, Klimaschutz und Versorgungssicherheit: Darum geht es vor allem bei der Energiewende. Dies gehe alle etwas an, betonte Referent Dirk Güsewell am Freitag beim Neujahrsempfang in der Stadthalle.

 

Güsewell ist Vorstandsmitglied der EnBW AG. Der Energieversorger in Baden-Württemberg macht einen Umsatz von 34,5 Milliarden Euro, beschäftigt 30 000 Mitarbeiter und versorgt 5,5 Millionen Kunden. Die Kraftwerksleistung liegt bei 11,2 Gigawatt, rund 60 Prozent davon kommt bereits aus erneuerbaren Energiequellen. Die klimapolitischen Erwartungen seien damit erfüllt. Dennoch: Die erneuerbaren Energien müssten weiter ausgebaut werden.

Vorbereitet auf CO2

Dabei müsse sich das Ausbautempo deutlich beschleunigen, und hinzu kommt: „Wir werden weitere regelbare Leistungen brauchen“, sagte Güsewell. Um das Energiesystem stabil zu halten, würden Gaskraftwerke benötigt, besonders in Baden-Württemberg, wo Kraftwerkskapazitäten stillgelegt worden seien. Diese Kraftwerke sollen später auf den CO2-freien Betrieb mit Wasserstoff umgerüstet werden können.

Die Transformation des Energiesystems werde jedoch gewaltige Investitionen erfordern. Von 2023 bis 2030 komme die Energiewende auf 721 Milliarden Euro. Ziel sei, bis 2045 die Klimaneutralität zu erreichen. Neben der Verdoppelung der erneuerbaren Energien ist der erforderliche Ausbau der Netze ein weiterer Kostentreiber. Während bis jetzt der Stromverbrauch, auch wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage, eher zurückging, werde dieser den Prognosen zufolge in den kommenden Jahren stark ansteigen.

Bedarf wird massiv wachsen

Wie Güsewell mit einer Folie aufzeigte, liegt der Bedarf an elektrischer Energie privater Haushalte durchschnittlich bei 4000 Kilowattstunden. Künftig werden es 10 500 Kilowattstunden sein. Mit ursächlich dafür sind Wärmepumpen und das Aufladen des Elektrofahrzeugs.

Laut Güsewell steht Deutschland bei der Versorgungssicherheit gut da. Etwas anders sieht es bei den Strompreisen aus. „Bei 38 Cent pro Kilowattstunde fallen wir im europäischen Vergleich negativ auf“, räumte der Referent ein. 60 Prozent der Kosten entfielen jedoch nicht auf die Stromerzeugung, sondern auf Abgaben.

Was kann man tun, um die Kosten der privaten Verbraucher zu reduzieren? Güsewell: „Wir werden unser Verbraucherverhalten nach der Verfügbarkeit von Energie ausrichten müssen.“ Es komme darauf an, wann der Stromverbrauch stattfinde. So sei es günstiger, wenn das E-Auto nicht um 8 Uhr, sondern erst um 14 Uhr aufgeladen werde. Im Laufe des Tages verändern sich die Spotmarktpreise für den Strom. Das Aufladen der Autobatterie, beispielsweise, könne inzwischen über eine App programmiert werden. Güsewell wies hierbei auf dynamische Tarifangebote hin.

Zusammenfassend stellte er fest, dass sich für Verbraucher neue Perspektiven eröffneten: „Innovation und Digitalisierung bieten uns neue Möglichkeiten, bewusster und selbstbestimmter mit Energie umzugehen.“