Rund 350 Besucher kamen zum Neujahrsempfang in der Stadthalle. Foto: Steinmetz

Geringere Energiekosten, weniger Bürokratie und ein Absenken geltender Standards sind Ansatzpunkte, um wieder zu einem wirtschaftlichen Aufschwung zu kommen. Auch wurden Lothar Reinhardt und Bürgermeister Markus Huber ausgezeichnet.

Wo der Schuh drückt, machten dabei die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe (IHG) Christina Braun und Bürgermeister Markus Huber deutlich.

 

Zum 24. Neujahrsempfang von Stadt und IHG kamen rund 350 Besucher. Braun und Huber begrüßten Vertreter aus der Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Banken, Kirchen und Vereinen. Gastrednerin war Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der deutschen Automobilindustrie.

Veränderung bei Autoindustrie und Kommune

Ihre Einschätzung zu einer Schlüsselindustrie in Deutschland stand im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung, die diesmal auch von besonderem Interesse war, wie die überdurchschnittlich große Besucherzahl zeigte.

Braun und Huber sprachen aus lokaler Sicht über die aktuellen Herausforderungen und ließen keinen Zweifel daran, dass Veränderungen nötig sind – in der Autoindustrie ebenso wie bei den Kommunen.

Neue Standards kosten viel Geld

2024 habe die Erwartungen nicht erfüllt, stellte Braun fest, „die wirtschaftliche Lage ist nicht gut.“ Anstatt aber nur zu klagen, sieht sie sowohl die Unternehmen als auch die Arbeitnehmer in der Pflicht, mehr Leistung zu erbringen. Sie geht optimistisch das Jahr 2025 an. Nach der Krise komme auch wieder der Aufschwung, ist sie überzeugt. Dazu würde aus ihrer Sicht beitragen, wenn die Energiekosten gesenkt und die Bürokratie reduziert würde.

Bürgermeister Huber beklagte vor allem die zu hohen Standards, so bei den Grundschulen durch die 2026 obligatorisch werdende Ganztagsbetreuung, den Kindergärten oder beim Bau öffentlicher Gebäude. Dies treibe die Kosten der Kommunen in die Höhe. So hätten sich in Dornhan allein die Personalkosten der Verwaltung in den vergangenen zehn Jahren von 2,6 auf 5,2 Millionen Euro erhöht. Huber: „Das heißt, wir können uns eine Rezession nicht leisten. Nicht ohne Grund sind in vielen Kommunen und Landkreisen die Ergebnishaushalte auch nicht nur annähernd ausgeglichen.“

Bürgermedaille für Lothar Reinhardt

Für diese Entwicklung macht er die Politik verantwortlich, die Rechtsansprüche in die Welt setze, die am Ende die Kommunen bezahlen müssten. Der Gemeindetag Baden-Württemberg habe schon vor drei Jahren gewarnt, dass die Belastungsgrenze in den Rathäusern erreicht sei. Jetzt brauche man eine „klare und ehrliche Analyse der aktuellen Lage, eine realistische Bewertung des Leistbaren sowie eine neue Festlegung des Erforderlichen“. Huber befürchtet, dass die von Kanzler Scholz 2022 angesagte Zeitenwende mit dem heutigen Blick auf die USA, China und Indien erst noch bevorsteht. Für die Bundestagswahl erhofft er sich eine hohe Wahlbeteiligung.

Foto: Steinmetz

Nicht auf dem offiziellen Programm standen zwei hochrangige Ehrungen. Das Bundesverdienstkreuz hat Lothar Reinhardt schon 2019 erhalten. Beim Neujahrsempfang überreichte ihm Bürgermeister Huber nun die Bürgermedaille der Stadt Dornhan. Diese Auszeichnung wird seit 2018 an Persönlichkeiten verliehen, die sich auf kulturellem, sozialen, wirtschaftlichem und kommunalpolitischem Gebiet Verdienste erworben haben.

Ein Fürsprecher der Stadt

Reinhardt ist seit mehr als 50 Jahren ehrenamtlich tätig, war unter anderem Gemeinderatsmitglied, aktiv in Vereinen und Organisationen wie dem Posaunenchor, Musik- und Trachtenverein, Tennisverein und Heimatverein. Mit einem von ihm arrangierten Landtagsbesuch bei Minister Peter Hauk habe er den Weg zur Bezuschussung des Bürgerhauses Leinstetten geebnet. Reinhardt war zudem Mitbegründer der IHG Dornhan und insgesamt sieben Jahre lang deren Präsident. Er gilt als Initiator des Neujahrsempfangs.

In seiner Funktion als langjähriger CDU-Stadtverbandsvorsitzender setzte er sich politisch für Dornhan ein, warb bei Bund und Land für Unterstützung der Investitionen. „Die Stadt hat viel von seiner Fürsprache profitiert“, betonte Huber. Mit seinem Engagement und seiner Stimme habe er den Menschen der Stadt und der Region viel gegeben.

Seit 20 Jahren im Amt: Stadtrat Roland Jerke (rechts) überreicht Bürgermeister Markus Huber die Auszeichnung des Gemeindetags Baden-Württemberg. Foto: Steinmetz

Lothar Reinhardt dankte für die hohe Ehrung, die für ihn überraschend kam. Ein Großteil davon gebühre jedoch seiner Frau Ulrike: „Ohne ihre Unterstützung hätte ich das nicht machen können.“

„Kann sich sehen lassen“

Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister Roland Jerke händigte Markus Huber die Auszeichnung des Gemeindetags Baden-Württemberg aus. Huber wurde nach einem spannenden Wahlkampf im November 2004 mit einem Ergebnis von mehr als 75 Prozent zum Bürgermeister gewählt und dann am 1. Februar 2005 ins Amt eingesetzt. 2012 und 2020 wurde er jeweils wiedergewählt. In den vergangenen Jahren hat Huber in Dornhan viel bewegt. Hallenbauten, zentraler Omnisbusbahnhof, Schulsanierungen, neue Ortsmitte in Marschalkenzimmern, Neubaugebiete, Sanierungsgebiete – es war eine lange Liste an Projekten, die Jerke vorlas.

„Unser Städtle kann sich sehen lassen“, stellte er fest. In 20 Jahren habe Huber als Bürgermeister eine hervorragende und pflichtbewusste Arbeit geleistet. Seiner Frau Sabine überreichte Jerke einen Blumenstrauß.

Foto: Steinmetz

Zwischen den Programmpunkten spielte die Band „Presto 2“, mit Wilhelm Tausch (Akkordeon), Natalie Bräuer (Saxofon), David Gamerdinger (E-Gitarre) und Johannes Kipp (Schlagzeuger) Jazz- und Rocktitel wie „Bei mir bist du schön“, „The Girl from Impanema“ oder „Hotel California“. Wie üblich in Dornhan beim Neujahrsempfang, stellten die Gäste zum Schluss die Stühle selber zur Seite und gingen zum gemütlichen Teil über.