Die Handelskammer beider Basel startete an ihrem Neujahrsempfang mit einer Botschaft ins neue Jahr: In anspruchsvollen Zeiten brauche es eine Renaissance der Wirtschaftspolitik.
Mehr als 700 Gäste aus Wirtschaft und Politik stießen am Neujahrsempfang der Handelskammer beider Basel (HKBB) auf ein erfolgreiches Wirtschaftsjahr an. Inspiriert von der Renaissance rief Präsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter zu einer Epoche des Neu-Denkens und einer Neo-Wirtschaftspolitik auf, die Herausforderungen wie Destabilisierung, Zollkrieg, Autokratie, Etatismus und Klimakrise in Chancen verwandelt – mit Neugier, Verantwortung und gesundem Menschenverstand.
Neben Neugier als Treiber für Innovationen braucht es für eine Renaissance der Wirtschaftspolitik Verantwortung - für das eigene Handeln, die Gesellschaft und die Zukunft. „Verantwortung war in der Renaissance die logische Konsequenz von Freiheit. Diesen Gedanken sollten wir aufgreifen. Indem wir Wirtschaftspolitik als Zukunftspolitik verstehen. Als Chancenpolitik. Denn jede Herausforderung bietet Chancen“, so Schneider-Schneiter. Als Beispiel nannte sie die europäische Vernetzung: „Wenn wir unsere Nähe zu Europa festigen und die Bilateralen III unter Dach und Fach bringen, nutzen wir Europa als Chance für unsere Wirtschaft und Sicherheit.“
Chancen böten auch Ökosysteme, hieß es weiter: Während in der Renaissance Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft sich gegenseitig befruchteten, sei heute ein starkes Ökosystem aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gefragt. So sollte der Auftakt für 2026 beim Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft ansetzen, forderte Schneider-Schneiter: „Indem wir Geschäftsmodelle weiter innovieren, Beziehungen vertiefen und neue knüpfen, die Synapsen von Volk und Wirtschaft neu verkabeln.“
Mit gesundem Menschenverstand agieren
Auch gesunder Menschenverstand sei wichtig – insbesondere um vernünftig mit Errungenschaften umzugehen. So müssten Ängste vor Arbeitsplatzverlust oder Urheberrechtsverletzungen durch KI ernst genommen werden, betonte Schneider-Schneiter: „Gleichzeitig gilt: Wer in KI investiert, sichert sich wertvolle Chancen für Effizienz und Wettbewerbsvorteile. Das bedingt Mut, Tempo, solide Infrastrukturen und einen passenden Rechtsrahmen.“
Ein gutes und innovatives Umfeld mit attraktiven Steuern, genügend qualifizierten Arbeitskräften, effizienten Verkehrswegen, zukunftsfähigen Wirtschaftsarealen, einer sicheren, zahlbaren Energieversorgung und weniger Bürokratie seien als Basis für wirtschaftlichen Erfolg entscheidend. Seit ihrer Gründung am 28. Februar 1876 nutze die Handelskammer jede Chance, diese Grundlagen zu stärken – ein Auftrag, der im Jubiläumsjahr 2026 aktueller sei, denn je, wie HKBB-Direktor Martin Dätwyler betonte: „Wir wollen in unserem Jubiläumsjahr auch den Dialog mit der Gesellschaft verstärken und starten deshalb eine Umfrage in Baselland und Basel-Stadt. Wir wollen wissen, wie die Bevölkerung zur Wirtschaft in unserer Region steht.“
Für gute Zukunft Standort stärken
Während der ehemalige Präsident Dr. Thomas Staehelin und ehemaliger Direktor Andreas Burckhardt einen Blick zurück warfen, diskutierten Barbara von Schnurbein, Head of Communications, Public Affairs and Business Operations Roche Pharma Schweiz, Martin Helfenstein, Verwaltungsratspräsident ESTECH Industries Angenstein AG, und Andrea Grisard Verwaltungsratspräsidentin Ultra Brag AG, im Gespräch mit Dani von Wattenwyl über aktuelle Herausforderungen und die Bedürfnisse des Wirtschaftsstandorts. Zukunftsperspektiven lieferten Lernende von Etavis, indem sie ihre Erwartungen an die Wirtschaft teilten.
Abschließend appellierte Schneider-Schneiter den Fokus im neuen Jahr auf die Chancen zu legen: „Dass wir nicht mit großen Egos und Säbeln rasseln. Sondern mit Neugier, Verantwortung und gesundem Menschenverstand agieren. Und vor allem gemeinsam mit all jenen, denen diese Zukunft gehört.“