Viele Besucher kommen zum Neujahrsempfang in den Spiegelsaal des Bad Liebenzeller Kurhauses. Foto: Ralf Recklies

Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Bad Liebenzell wurde beim Neujahrsempfang für sein anhaltendes ehrenamtliches Engagement an der Verwaltungsspitze gewürdigt.

Es war ein außergewöhnlicher Neujahrsempfang, zu dem Bad Liebenzell am Sonntag eingeladen hatte. Nicht nur, weil es in der Rotunde des Kurhausfoyers erstmals einen Markt der Möglichkeiten gab, bei dem sich Vereine präsentierten. Sondern auch, weil der Empfang erstmals mit einer umfassenden Bürgerinformation durch die Amtsleiter der Stadtverwaltung kombiniert worden war und darüber hinaus viele Sportler sowie ehrenamtlich Engagierte geehrt wurden.

 

Bei Finanzen gibt es Hoffnung

Besondere Ehre Einem wurde dabei eine besondere Ehre zuteil: Sebastian Kopp. Weil er nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Bürgermeister Roberto Chiari seit dem vergangenen Frühjahr als Chiaris Stellvertreter im Ehrenamt umfassend an vorderster Stelle mit viel Einsatz für Bad Liebenzell gewirkt hat, gab es für Kopp nur eine von einer Bürgerin angeregte Ehrung und stehende Ovationen.

Denn, so die Antragstellerin der Ehrung, Yvonne Bayer: Sebastian Kopp habe sich in seinem Tun „weit über das im Ehrenamt Erwartbare“ für seine Heimatstadt eingesetzt. Kopp selbst nahm die Würdigung eher gelassen. Sein sinnvolles Wirken habe ihm in „einer sehr herausfordernden Zeit“ auch „viel Freude und Spaß gemacht“, so seine Reaktion.

Er wiederum dankte allen Akteuren, die sich in der Stadt und der Verwaltung einbringen. Darüber hinaus aber auch der Kreisverwaltung, die ihm bei allen Fragen stets mit Rat zur Seite gestanden habe.

Finanzen Umrahmt von musikalischen Darbietungen des Musikvereins Bad Liebenzell-Beinberg und einer Tanzaufführung der erfolgreichen Hip-Hopperin Melina Kronewett waren es neben Kopp vor allem die Amtsleiter, die Bürgern vor Augen führten, wie es aktuell um die Stadt steht. Kämmerer René Kaufmann erklärte, Bad Liebenzell sei, was die Pro-Kopf-Verschuldung im Bundesland angehe, derzeit das Schlusslicht der mehr als 1000 Städte und Gemeinden.

Sebastian Kopp moderiert den Neujahrsempfang. Foto: Ralf Recklies

Der Kämmerer sagte, vielfältige Faktoren hätten dazu geführt, dass Bad Liebenzell inzwischen mehr als 50 Millionen Euro Schulden angehäuft hat. Gestiegen Ausgaben und höherer Zinsen, aber auch eine deutlich gestiegen Kreisumlage führten zu einem jährlichen Defizit von inzwischen sechs bis sieben Millionen Euro.

Dennoch sieht er einen Streif am Horizont, da die Budgetierung aller Abteilungen, eine zeitweise Haushaltssperre und das Aufschieben von nicht dringend erforderlichen Maßnahmen inzwischen dazu geführt hätten, dass das gemeinsame Handeln „langsam Früchte trägt“.

Bauen Laut Rainer Becht und Daniel Heitzmann vom Bauamt entwickelt sich die Stadt dennoch weiter. Mit dem Baugebiet Wasenäcker in Möttlingen, dem zweiten Abschnitt des Gewerbegebiets Egarten in Unterhaugstett oder der Stadtsanierung im Stadtkern. Außerdem habe man mit Fördergeldern bereits große Teile der Stadt ans Glasfasernetz angeschlossen. Erfreulich für die Kommune: 90 Prozent der Investitionen in die „notwendige Infrastruktur“ in Höhe von fast sechs Millionen Euro werden durch Fördermittel getragen.

Neben weiteren Maßnahmen berichteten sie: Mit der Unterstützung von Ehrenamtlichen seien in diesem Jahr auch Maßnahmen im Freibad geplant.

Sanierung des Kurhauses wird zu großer Herausforderung

Tourismus Sina Gehring, Geschäftsführerin der Freizeit und Tourismus Bad Liebenzell (FTBL), berichtete von Baumaßnahmen im Thermalbad und einer erneuten Steigerung der Besucherzahlen auf mehr als 250 000 im vergangenen Jahr. Auch kündigte sie an, dass nach zwei „sehr anstrengenden Jahren“ bis Ostern die Kurhausgastronomie wieder öffnen soll.

Zeitlich wie finanziell sei die Sanierung des Kurhauses auch wegen nicht bekannter Mängel und Schadstoffe zu einer großen Herausforderung geworden. Man hoffe aber, künftig den Abmangel von bislang jährlich 500 000 bis 800 000 Euro deutlich zu verringern, möglichst gar auf Null bringen zu könne. Dafür müsse man aber auch sparen „und das wird teilweise weh tun“, so Gehring.

Notfälle Hauptamtsleiter Fabio Hubert ging zudem im Rahmen des Empfangs auf die umfangreichen Pläne für Bevölkerungsschutz und Notfallmanagement ein, die in der Stadt mit zahlreichen Experten entwickelt worden seien, um im Falle von Hochwasser, bei Stromausfall oder Starkregen gut gerüstet zu sein.

Grußworte Während Daniel Lenoir, Bürgermeister der Bad Liebenzeller Partnerstadt Villaines-la-Juhel in Frankreich, mit einer Videobotschaft seine Grüße übermittelte, war es Liliana Delgado von der Verwaltung der portugiesischen Partnerstadt Lourinha, die persönlich Grüße überbrachte und dabei vor allem auf die Bedeutung des Miteinanders für die jungen Menschen aufmerksam machte.

Dass es wichtig sei, weniger auf soziale Medien und mehr auf menschliche Begegnungen zu setzen, darauf verwies Frank Wiehe, der Erste Landesbeamte im Kreis Calw, unter anderem. Und er meinte, dass man Menschen, die laut und populistisch einfache Lösungen propagieren würden, misstrauisch begegnen müsse.

Darüber hinaus forderte er vor allem eines: Mehr Wertschätzung für die Menschen, die sich für die Gemeinschaft einbringen, und für Dinge, die man ehrlich schätze.