Beim Neujahresempfang der Stadt Bad Dürrheim blickte Bürgermeister Jonathan Berggötz mit Freude und Zuversicht in das Jahr 2026. Es gelte zusammenzustehen.
Rund 250 Gäste aus Bürgerschaft, Politik, Wirtschaft und Vereinen waren beim traditionellen Zusammenkommen im Bad Dürrheimer Haus des Bürgers dabei. Der Musikverein Oberbaldingen sorgte mit dem Aufspielen seines Blasorchesters unter seinem Dirigenten Simon Glunz für einen gelungen musikalischen Rahmen.
Stadtoberhaupt Berggötz konnte einige Amtskollegen aus der nahen Region begrüßen, etwa die Bürgermeister von Brigachtal, Bräunlingen, Königsfeld und Schonach. Zudem auch aus Tuningen und Blumberg die Rathausschefs Ralf Pahlow und Markus Keller, die ihr Rüstzeug für ihre Ämter mit wichtigen Funktionen in der Wellnessstadt in früheren Jahren erlangt hatten.
Das „Who-is-who“ der Lokalpolitik und Verantwortungsträger im Ortsgeschehen waren natürlich auch da, ebenso der FDP-Landtagsabgeordnete Frank Bonath und Landrat Sven Hinterseh. Als Ehrengast war Steffen Jäger, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, gekommen.
Angesichts der aktuell immer schwieriger werden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sieht Bürgermeister Berggötz, dass mittlerweile die Bürger vieles als schwer, problematisch und hoffnungslos erscheinen lässt, etwa mit – auch schlecht geredeten – Entscheidungen in Brüssel, Berlin und Stuttgart. Problemstellungen würden auch ihn beschäftigen.
Die Sicht des Bürgermeisters Im Freundeskreis seien schon Gedanken übers Auswandern aufgekommen, indes eigentlich will man ja bleiben: „Hier ist unsere Heimat, sind unsere Freunde, wachsen unsere Kinder auf, ist Verantwortung konkret und hat ein Gesicht.“ Vieles sei aus den Fugen geraten, aber die Antwort dürfe nicht Weggehen oder Wegducken sein. Konsequent forderte er: „Die Antwort muss Anpacken sein. Wir müssen Möglichmacher sein“. Bei aller Kritik: Es sei viel Gutes geschehen.
Berggötz, mit selten getragener Amtskette erschienen, stellte heraus, dass Wichtiges vor allem vor Ort in den Kommunen entschieden würde, etwa in Sachen Bildung und Infrastruktur. Im Zusammenhalt könne Zuversicht entstehen und Zukunft gestaltet werden. „Es geht dabei vor allem darum, das Wünschenswerte vom Notwendigen zu unterscheiden“.
Investitionen in Schulen und Kindergärten
Der Rathauschef sprach die baulichen Vorhaben mit Schulen und Kindergärten, und natürlich dem Solemar („Unsere Lebensversicherung“) sowie dem Haus des Gastes und den Breitbandausbau an. Auch klare Prioritäten müssten gesetzt werden samt der Bereitschaft, sich von manchem zu trennen. Er zeigte sich überzeugt, mit dem Gemeinderat zusammen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen die konsequente Konsolidierung der Kurstadt weiter zu entwickeln.
Blick aufs Solemar Markus Spettel, Geschäftsführer der Kur- und Bäder GmbH, sprach die Planungen um die Erneuerung des Solemars an und zeigte dessen große wirtschaftliche Bedeutung für den Ort auf. Er nannte das Solemar mit seiner Gästefrequenz von 600 000 Besuchern pro Jahr als zentralen Eckpfeiler für den Gesundheits- und Tourismusstandort, „das Solemar ist unsere Identität und der wirtschaftliche Motor“.
Die sechsstelligen Gewinne der Therme würden das finanzielle Gesamtergebnis der KuBä und damit auch der Stadt entlasten. Er sieht das Solemar als Herz und die Aorta von Bad Dürrheim, das mit den Übernachtungsbetrieben, der Gastronomie, Handel und Dienstleitung rund 100 Millionen Euro an Wertschöpfung generieren würde. Aufgezeigt wurden die Gespräche mit wichtigen Landespolitikern, um ihnen die elementare Bedeutung des Solemars zu erklären, damit für den Neubau wichtige Gelder fließen können.
Festrede von Steffen Jäger Gemeindetagspräsident Jäger sprach als Festredner die wichtige politische Bedeutung der Städte und Gemeinden im Land an und meinte: „Die Kommunen sind nicht das Problem – sie sind die Lösung. Man muss sie nur lassen“. Auswirkungen von Politik würden in den Kommunen zuerst gespürt, denn diese seien der Ort der Wahrheit und der Wirklichkeit.
Wichtige Zielsetzung sei es für die Gemeinden, mit dem realen Blick auf die Finanzen ihre Handlungsfähigkeit zu erhalten. Damit sei eben auch der Blick auf die Realität zu richten, große finanzielle Spielräume seien nicht gegeben.
Engagement für die Gemeinschaft gefragt
Jäger sprach sich für Bürokratieabbau aus, um Vorhaben vereinfacht umsetzen zu können und Lösungen nicht unmöglich zu machen. „Wir brauchen grundlegende Reformen für eine gute Zukunft, für die es Kraft und Mut brauche“, unterstrich Jäger.
Der 47-jährige Karlsruher sieht auch die Konfliktlinie der kompletten staatlichen Sicherheit versus der Eigenverantwortung der Bürger. Der Staat sei kein Dienstleister und die Demokratie eine Einladung an alle mitzumachen. Die Menschen sollten sich auch vermehrt in die Gemeinschaft etwa in Vereinen einbringen. Viel Beifall gab es für seine Aussage, dass eine Viertagewoche eben nicht mit vollem Lohnausgleich funktionieren kann.
Als Gastgeschenk bekam Jäger einen biozertifzierten Apfelbaum der Sorte Rebella überreicht, der im Kurpark gepflanzt wird. Zudem trug sich der Städtetagspräsident im Goldenen Buch ein – auf einer neuen Seite gleich hinter den Radrennfahrern Lance Armstrong und Jan Ullrich.
Würdig und feierlich sowie mit Gänsehaut pur gestaltet sich der Abschluss des gelungen Empfangs: Das Oberbaldinger Orchester spielte die Europahymne, die „Ode an die Freude“ aus dem letzten Satz der neunten Sinfonie von Ludwig van Beethoven.