Beim Neujahrsempfang (von links): Kreissparkassen-Vorstand Bernd Philippsen mit seiner Frau Eva, OB Adrian Sonder mit Frau, Regierungspräsidentin Sylvia Felder, Ann-Katrin und Klaus Michael Rückert, FDP-Landtagsabgeordneter Timm Kern, CDU-Bundestagsabgeordneter Klaus Mack mit Frau Michaela sowie die Landtagsabgeordneten Katrin Schindele (CDU) und Uwe Hellstern (AfD) Foto: Christiane Frey

Beim Neujahrsempfang von Landkreis und Kreissparkasse machte Landrat Klaus Michael Rückert seinem Ärger über die Politik im Bund mächtig Luft – insbesondere, was die Krankenhäuser angeht. Dennoch rief er zu Optimismus und Zuversicht auf. Sparkassen-Vorstand Bernd Philippsen setzt auf kreative Unternehmer.

Der gemeinsame Neujahrsempfang von Landkreis und Kreissparkasse gehört zu den gesellschaftlichen Höhepunkten in Freudenstadt. Auch am Freitagabend zog er viele Gäste an. „Wir haben 330 Anmeldungen“, freute sich Bianca Bok, die bei der Kreissparkasse für die Organisation zuständig war. Unterstützt wurde sie von Sabine Matt und Marlene Krech vom Landratsamt.

 

Diesmal gab es zwei Premieren. Die sonst übliche klassische musikalische Begleitung wurde ersetzt durch die Band Feldsonne & Friends. Landrat Klaus Michael Rückert hatte sie bei einem Auftritt erlebt und empfohlen. Die „Feldsonne“ ist eine integrative Einrichtung in Loßburg, die Menschen in Krisensituationen auf dem Weg in ein eigenständiges Leben begleitet. Mit Titeln wie „Stand by Me“, „Hope of Deliverance“ oder „I Still Haven‘t Found What I’m Looking For“ begeisterte die Band und sorgte für einen schwungvollen Auftakt.

Die fünf Musiker hatten auf eine Gage verzichtet, dafür gab es eine Spende über 2000 Euro, die Vorstandsmitglied Bernd Philippsen von der Kreissparkasse überreichte. Auch für ihn war sein Auftritt eine Premiere. Er vertrat den erkrankten Vorstandskollegen Werner Loser. Bevor es so weit war, griff aber Landrat Rückert zum Mikrofon und begrüßte zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Herausfordernde Zeiten

In seiner Rede ging Rückert auf die herausfordernden Zeiten ein. „Die nicht enden wollenden Kriege in der Ukraine und dem Nahen Osten, der neue amerikanische Präsident Donald Trump, das Ampel-Aus und die bevorstehenden Neuwahlen in Deutschland halten uns in Atem“, sagte er. Auch der Aufwind für rechtspopulistische Parteien in Europa bereite ihm Sorge.

Die Band Feldsonne & Friends bei ihrem Auftritt beim Neujahrsempfang in der Kreissparkasse. Foto: Christiane Frey

Am meisten Bauchschmerzen bereitet dem Landrat aber die „katastrophale Finanzsituation der Kommunen und des Landkreises“. Die Hauptgründe: „Der Nettoressourcenverbrauch im Sozialetat ist um acht Millionen Euro gestiegen. Und der operative Verlust des Kreiskrankenhauses im Jahr 2024 liegt bei 17,5 Millionen Euro.“ Sie ließen dem Kreis kaum noch finanziellen Spielraum und belasteten die Kommunen „in einem nie gekannten Ausmaß“.

Protest im Intensivbett

Vor allem für das hohe Defizit des Kreiskrankenhauses sei der Bund verantwortlich. Seine Kollegen in davon ebenfalls betroffenen Landkreisen rief der Landrat zu einer Kampagne auf, wie sie die Landwirte gezeigt hätten. Die seien mit Traktoren bis nach Berlin gefahren, um die Politik endlich aufzurütteln. Allerdings schwebt Rückert eher vor, dass sich etliche Landräte in Intensivbetten vor den Reichstag legen. Nach seinem Aufruf zu Optimismus und Zuversicht übergab er das Mikrofon an Bernd Philippsen.

Wolfgang Pfau, Chef der Band Feldsonne & Friends (links), freut sich über den Scheck, den Bernd Philippsen überreichte. Foto: Christiane Frey

Auch für ihn sei 2024 in vielerlei Hinsicht ein Jahr der Umorientierung gewesen, so der Vorstand der Kreissparkasse. Die Hoffnungen auf eine Erholung der deutschen Wirtschaft hätten sich nicht erfüllt, während die Weltwirtschaft weiter wachse. „Wir haben eine Wirtschaftskrise, keine Finanzkrise hier in Deutschland“, betonte Philippsen.

Die Unternehmer sind gefragt

Das stelle die deutsche Volkswirtschaft vor erhebliche Herausforderungen. „Die hat sich in den alten Strukturen hervorragend eingerichtet und ist bequem geworden“, lautete sein Befund. Nun brauche das Land neue Ideen und Produkte. Da schaute Philippsen den anwesenden Unternehmern tief in die Augen: „Sie können das, das haben Sie in der Vergangenheit schon oft bewiesen. Sie sehen Veränderung als Chance und nicht als Zumutung. Denn unsere Wirtschaft muss auf das Niveau gehoben werden, das unserem Land entspricht“, mahnte er.

In der Schalterhalle der Kreissparkasse in Freudenstadt hatte sich allerlei Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft versammelt. Foto: Christiane Frey

Auf der Galerie der Kreissparkassen-Zentrale gab es anschließend bei Häppchen und Getränken die Gelegenheit zum Gespräch.

Kreissparkasse vielfältig engagiert

Geschäftsentwicklung
Bernd Philippsen ging auch auf die Entwicklung der Kreissparkasse Freudenstadt ein. Das Geschäftsvolumen wuchs dem Bankvorstand zufolge um 3,3 Prozent. Das Kreditgeschäft hatte hohe Zuwächse, allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau. Die Einlagen wurden längerfristig und höherverzinslich angelegt. Dem Personalmangel begegnet das Institut unter anderem mit dem Einsatz von „Quereinsteigern“, die an der Sparkassenakademie qualifiziert werden.

Aktivitäten
Die im Vorjahr gut besuchte Messe „Energie und Bauen“ findet wieder statt, am 14. März in Horb. Viel beachtet wurde auch der Vortrag des IT-Experten Tobias Schrödel zum Thema „Künstliche Intelligenz und IT-Sicherheit“. Seit Oktober gibt es jeden zweiten Donnerstag den eigenen Podcast „Barista und Banking“. Die Kreissparkasse hat 2024 mit Spenden von 220 000 Euro Vereine und Institutionen im Kreis unterstützt. Sie ist zudem einer der Hauptsponsoren bei der Gartenschau „Tal X“.