Dobels Bürgermeister Christoph Schaack ging bei seiner Rede zum Neujahrsempfang vor allem auf die gesellschaftliche Stimmung ein – und forderte unter anderem Genügsamkeit.
Bereits vor dem Eintreffen der geladenen Gäste zum diesjährigen Neujahrsempfang stand Dobels Bürgermeister Christoph Schaack zusammen mit Neubürgern im Foyer des Kurhauses.
Dobel hatte im Jahr 2025 rund 100 Neubürger zu verzeichnen und Bürgermeister Schaack ließ es sich nicht nehmen, diese in einer kleinen Feierstunde vorab zu begrüßen und ihnen Brot und Salz zu schenken.
In den Saal des Kurhauses waren Freitagabend viele Bürger, Ehrengäste, Räte und Abgesandte gekommen, um gemeinsam das alte Jahr Revue passieren zu lassen – und das neue Jahr zu begrüßen.
Gleich zu Beginn eröffnete die Jugendkapelle des Musikvereins Dobel die feierliche Veranstaltung unter der Leitung von Isabell Liebich.
Humor, Wortwitz, Charme
Um seine Begrüßungsansprache halten zu können und die Bühne freizumachen, packte Bürgermeister Christoph Schaack kurzerhand selbst mit an und half beim Abräumen der Stühle.
Mit viel Humor, Wortwitz und Charme begrüßte das Gemeindeoberhaupt die Anwesenden im voll besetzten Saal. Neben Gästen aller Verein und Organisationen und der ungarischen Partnergemeinde Tótvázsony, wurden auch politische Vertreter aus dem Umland von Dobel willkommen geheißen.
Zu Bad Herrenalbs Alt-Bürgermeister Norbert Mai sagte Schaack, dass er sich mit ihm verbunden fühle wie Winnetou und Old Shatterhand: „Im Sonnenuntergang gemeinsam dem Wasserturm entgegen“. Trotz aller positiven Freude übte Schaack in seiner Begrüßung scharfe Kritik an den Besuchern Dobels in den vergangenen schneereichen Tagen: Diese hätten sich im Ort teils völlig rücksichtslos verhalten, die Zufahrten versperrt, Hilfsmaßnahmen behindert. Dies sei „sinnbildlich für unsere Gesellschaft“ gewesen, so Schaack.
Kommunen stehe finanziell „das Wasser bis zum Hals“
Nach einer entzückenden Tanzeinlage der Mädchen des TSV Dobel hielt Christoph Schaack seine mit Spannung erwartete Neujahrsrede.
Dabei ging er vor allem auf die gesellschaftliche Stimmung im Land, aber auch in Dobel ein. Man müsse sich teils von liebgewonnenem Luxus trennen, denn den Kommunen stehe finanziell „das Wasser bis zum Hals“.
Er könne keine Entwarnung geben, aber man solle dennoch nicht die Zuversicht verlieren. Es sei eine neue Genügsamkeit erforderlich. Glücklich machen könnten auch Begegnungen mit Freunden und Vereinskameraden.
„Heftig, was wir erlebten“
Der Meilenstein 2025 sei für Dobel gewesen, dass der fünfjährige Prozess abgeschlossen worden sei, in diesem Jahr den Netto-Markt abzureißen und neu zu bauen. Es sei „heftig gewesen, was wir in diesen fünf Jahren erleben mussten“.
Schaack stellte in Bezug auf die Abhängigkeit von Naturschutz in diesem Projekt die kritische Frage: „Kann und darf es sein, dass ein Falter (wie der Dunkle Ameisenbläuling) die Nahversorgung eines Ortes gefährdet?“. Das Publikum applaudierte laut nach dieser rhetorischen Frage.
Nach der Vorstellung der vier Kernprojekte der kommenden Jahre kam Schaack immer wieder auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Leben in Dobel zu sprechen: „Wir leben hier nicht in Saus und Braus.“
In Hinblick auf die kommende Landtagswahl mahnte der Bürgermeister Richtung Landeshauptstadt: „Wenn es gesellschaftlich in Dobel ruckelt, kommt das auch in Stuttgart an.“
Nach einer Bildershow mit Impressionen des Besuchs der Partnergemeinde Tótvázsony in Dobel, richtete Sozialdezernent Tobias Haußmann aus dem Landratsamt für den erkrankten Landrat Helmut Riegger seine Worte an die Anwesenden.
Lob für den „Dobler Geist“
Er lobte den „Dobler Geist“ im Sinne des Miteinanders und Zusammenhalts und hob die hervorragende Zusammenarbeit mit Dobel hervor.
Für herausragendes Engagement ehrte Bürgermeister Christoph Schaack als erste Sigrid Maulbetsch, die fast 20 Jahre Vorsitzende des Schwarzwaldvereins war.
Als jahrelanger „Dorffestorganisator“ und Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr wurde Werner Stängle auf der Kurhausbühne ebenfalls geehrt.
Mit schmissiger Blasmusik und Worten vom evangelischen Pfarrer Matthias Ahrens und der Katholikin Mechthild Voß ging eine bemerkenswerte, unterhaltsame und informative Veranstaltung zu Ende.