Pfarrer Hermann Barth (von links), Gudrun Müller, Hildegard Hezel, Bernadette Stritt, Rainer Hezel, Lissy Weiss und Alfred Weiss werden von Bürgermeister Peter Schuster (hinten) geehrt. Foto: Schmidt

Beim Neujahrsempfang verneigte sich die Gemeinde Bösingen vor drei herausragenden Bürgern. Altbürgermeister Alfred Weiss nahm die höchsten Auszeichnung der Gemeinde entgegen.

Stehende Ovationen in der Turn- und Festhalle in Herrenzimmern: Die Gemeinde Bösingen ehrte mit Altbürgermeister Alfred Weiss, Pfarrer Hermann Barth und Rainer Hezel beeindruckende Persönlichkeiten, deren Lebenswerk von den Rednern ausdrucksstark vorgetragen wurde.

 

Die Ortsteile vereint

Auch wenn sein Abschied als Bürgermeister schon zehn Jahre zurückliegt, so erhoben sich die Bürger klatschend zu Ehren von Alfred Weiss. Als er sein Amt 1974 übernahm, trat der damals 26-Jährige mutig in die Fußstapfen von gleich zwei Bürgermeistern.

Aus Bösingen und Herrenzimmern bildete sich eine Gemeinde, die nach 40-jährigem Wirken mit dem Namen Weiss und dessen Handschrift verbunden sei, betonte Bürgermeister Peter Schuster.

Die Besucher erhoben sich für Alfred Weiss. Foto: Schmidt

Mit Bescheidenheit und Beharrlichkeit habe Weiss es verstanden, ausgleichend zu handeln, Chancen zu ergreifen, zuzupacken und zu gestalten und dabei andere zu fördern – stets zum Wohle der Gesamtgemeinde, lobte Schuster. Es sei ihm eine Ehre, Weiss mit der höchstmöglichen Auszeichnung Bösingens, dem Ehrenbürgerrecht, zu würdigen.

Um 1000 Einwohner gewachsen

„Es war eine schöne Zeit“, gab Weiss den Dank zurück. In seiner Amtszeit sei die Gemeinde um 1000 Einwohner gewachsen und „fast schuldenfrei“ seinem Nachfolger übergeben worden.

Die Aufgabenerfüllung habe er stets als die „oberste Priorität“ verstanden. Die Ehrung gelte nicht allein ihm, sondern einem starken und guten Team aus Gemeinderat, Bedienstete und nicht zuletzt seiner Familie.

Mit viel Herzblut

Nicht weniger bescheiden, äußerte sich Pfarrer Hermann Barth nach seiner Laudatio: „Alles isch gsagt“. In ihrer Rede zeichnete Gudrun Müller, Bürgermeister-Stellvertreterin weitreichend und gleichzeitig berührend Barths Wirken und seine Menschlichkeit nach.

Nach seinem Studium in Tübingen und seiner Zeit als Jugendpfarrer in Ravensburg und Stadtpfarrer in Weil der Stadt kam Barth im November 2006 in die Seelsorgeeinheit Eschach-Neckar. Eine Aufgabe, die er in den vergangenen 18 Jahren mit „ganz viel Feingefühl, Herzblut und Wertschätzung“ ausgefüllt habe, sagte Müller.

Am gleichen Strang gezogen

Er habe neue Gottesdienstformen zugelassen, Menschen motiviert, diese Gottesdienste durchzuführen und stets Bereitschaft signalisiert, am gleichen Strang zu ziehen und den Weg gemeinsam zu gehen.

„Du bist und warst ein Pfarrer für die Menschen. Offen für ihre Anliegen, bereit ihre Sorgen zu teilen und ihre Themen zu unterstützen“. Ausgezeichnet wurde Barth mit dem Ehrenring, der zweithöchsten Auszeichnung der Gemeinde.

Ehrenring für Rainer Hezel

Der Ehrenring stehe für Verbundenheit, Treue, Zuwendung und Zeitlosigkeit begann Bernadette Stritt, Bürgermeister-Stellvertreterin, als dritte Rednerin ihre Laudatio. Sein Träger stehe für beständiges und zielstrebiges Engagement und Verlässlichkeit in Worten und Taten.

Mit diesen einführenden Worten war Rainer Hezel bereits treffend beschrieben. Er habe sich mehr als drei Jahrzehnte im politischen Bereich im Gemeinderat und Kreistag und vier Jahrzehnte im bürgerschaftlichen Engagement hochverdient für das Wohl der gesamten Gemeinde Bösingen eingesetzt.

Foto: Schmidt

Der Ehrenring sei ein Ausdruck des Stolzes der Gemeinde über Bürger, die weit über das allgemeine Pflichtverständnis hinaus ihre Kraft in den Dienst anderer stellen. Hezel lag die erfolgreiche Weiterentwicklung seiner Heimatgemeinde stets am Herzen, sagte Stritt.

Sein umfassendes Wissen, seine vielseitigen Kontakte, sein beispielhafter Fleiß und erklärter Wille, die Gesamtgemeinde bedarfsgerecht und liebenswert zu gestalten, zeichne ihn aus.

Es geht nicht immer um Harmonie

Ein politischer Wegbegleiter habe Rainer Hezel treffend als „gradlinigen, immer freundlichen Menschen, der sich in Situationen hineinversetzen kann“ beschrieben.

Stets habe er mit Sachargumente zu überzeugen gewusst und sich auch selbst überzeugen lassen. „Für mich bist du, lieber Rainer, stets auch ein markantes Beispiel dafür, dass nicht immer Harmonie und Übereinstimmung herrschen muss, aber dennoch eine faire, an der Sache orientierte Auseinandersetzung möglich ist. Nur auf einer solchen Basis stellt Demokratie in der Praxis die beste Form des Zusammenlebens dar“, schloss Stritt.

Bürgermeister Peter Schuster (rechts) gratuliert Altbürgermeister Alfred Weiss mit seiner Frau Lissy Weiss zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Foto: Schmidt

Auszeichnungen, denen sich auch Landrat Wolf-Rüdiger Michel anschließen konnte. „Er war einer von uns“, sagte er über Pfarrer Barth, dem er für seine Fröhlichkeit und seine Nähe zu den Menschen dankte. Rainer Hezel dankte er für seine unzähligen Ehrenämter und seine politischen Tätigkeiten, insbesondere als sein Stellvertreter im Kreistag.

Wertschätzung ausgedrückt

Und auch gegenüber Alfred Weiss drückte der Landrat seine Wertschätzung aus. Er habe dafür gesorgt, dass sich beide Ortsteile Herrenzimmern wie Bösingen gleich entwickeln. „Das war eine große Leistung“.

Neben den beeindruckenden Reden freuten sich die zahlreichen Gäste auch über die ausgezeichnete musikalische Unterhaltung durch die Musikkapelle Lyra Herrenzimmern und die Kirchenchöre Bösingen und Herrenzimmern.