400 Besucherinnen und Besucher waren in der Burladinger Stadthalle anwesend. Kurz vor Beginn des Konzertes hatte man wegen des Andrangs kurzfristig noch weitere Stuhlreihen aufbauen müssen. Foto: Matthias Badura​

400 Besucherinnen und Besucher feierten das Neujahreskonzert in der Stadthalle. Durchweg überragende und vor allem auch unterhaltsame Leistungen.

Christoph Kolb übernahm die Leitung der Stadtkapelle 2023. Man meinte als ungeschulter Hörer bei den Neujahrskonzerten der vergangenen Jahre, trotz aller Perfektion des Klangapparates fehle „irgendwie“ hie und da der alte Glanz. Vielleicht war dieses Gefühl auch falsch. Am Sonntag ein ganz anderer Eindruck.

 

Die Kapelle überzeugte von Anfang an und die ganze Veranstaltung hindurch. Nicht nur die musikalische Stimmung war überragend, man sah es auch in den Gesichtern der Musikerinnen und Musiker: Sie und Christoph Kolb, sind nach der zweijährigen Zusammenarbeit zu einer Einheit verschmolzen. Das bezeugten auch der Applaus sowie spontane Bravorufe und „Juchzger“ am Ende der Stücke.

Ausgesucht hatte Kolb Kompositionen, die sich um das Thema Mythen und Sagen gruppieren. Darunter „Die Sage der Loreley“ von Mario Bürki, „El bosque mágico“ (Ferrer Ferran) oder „Gullivers Reisen“ (Bert Appermont). Allesamt hochanspruchsvolle Werke. Sie waren den allermeisten Zuhörerinnen und Zuhörern zwar unbekannt, aber aufgrund ihrer Vielfalt, Rhythmen- und Tempowechsel durchweg unterhaltsam.

Bravourleistung von Christoph Simmendinger

Eine Bravourleistung gab Christoph Simmendinger, der an der Oboe durch den dreiteiligen „bosque mágico“, den Zauberwald, führte. Ebenso großartig das Orchester, das es schaffte, die Noten vor dem geistigen Auge in Bilder zu verwandeln. Etwa wie da einer durch den Wald voller Elfen irrt und stolpert, die ständig neue Phantasmagorien vorgaukeln.

Von völlig anderem Charakter: „Arabesque“ von Samuel Hazo. Der Orient stieg auf. Die vielleicht erstaunlichste Darbietung stellte aber das andächtige „Rest“ (Frank Ticheli) dar, bei dem das Orchester erneut zeigte, dass man nicht nur mächtige Klangfülle erzeugen kann, sondern auch die leisen und andächtigen Töne beherrscht.

Perfekte Länge

Doch diese Einschätzung ist natürlich Geschmackssache. Beim Verlassen der Halle wurde eifrig diskutiert, welches Stück das beste oder schönste gewesen sei. Was wiederum darauf hinweist: Das ganze Konzert wurde aufmerksam aufgenommen und hat durchweg gefallen.

Die Programmgestaltung? Ebenfalls hervorragend. Die Jugendkapelle trat zweimal auf, die Stadtkapelle spielte sieben Stücke, zwei weitere gestalteten als Zugabe Jung und Alt gemeinsam. Die Veranstaltung hatte mit einer Pause zwischen den beiden Hauptteilen die perfekte Länge.

Marsch hätte noch erklingen dürfen

Gibt‘s auch etwas zu kritisieren? Wagners Ritt der Walküren hätte natüüüürlich noch druckvoller gespielt werden müssen. (Aber Wagner-Fans haben ja selbst in Bayreuth auf dem Grünen Hügel immer etwas zu mäkeln.) Nein, auch dieses Stück war erstklassig vorgetragen und vermittelte gleich zu Beginn ein Hochgefühl. Gerne bei kommenden Konzerten mehr vom „Meister“.

Wie wäre es mit dem Siegfried-Idyll oder der Tannhäuser-Ouvertüre? Ein Marsch hätte noch erklingen dürfen. Aber nach „Nessaja“ aus Peter Maffays Musical Tabaluga, das den Abend harmonisch beendete, fiel das nicht allzu sehr ins Gewicht. Nein, ein Marsch hätte womöglich gar nicht mehr in diese Atmosphäre hineingepasst.

400 Besucherinnen und Besucher

Anwesend, auch das sei noch erwähnt: 400 Besucherinnen und Besucher. In aller Eile musste vor Beginn noch nachgestuhlt werden. Unter den Besuchern befand sich auch ein Gast aus dem Raum Stuttgart. Er besucht die Konzerte der Stadtkapelle regelmäßig und ist ebenso regelmäßig begeistert. Ein Vereinsorchester von dieser Klasse und Güte finde man bei ihm zu Hause nicht, meinte er gegenüber unserer Zeitung. Mehr gibt es wohl nicht zu sagen.

Durch das Programm führte in der gewohnt charmanten Weise Teresa Burkart, die Begrüßung oblag dem Vorsitzenden Maximilian Kuster, die Verabschiedung dem Mit-Vorsitzenden Steffen Schuler. Christoph Kolbs Dank galt vor der zweiten Zugabe dem Orchester, vor allem aber dem Publikum. Das gab den Dank in einem langanhaltenden Schlussapplaus zurück.