Iris Grimm vom zuständigen Planungsbüro stellt die bisherigen Überlegungen zur Gestaltung des Generationenparks Salinenfeld in Schwenningen vor. Zur Bürgerbeteiligung kam jedoch kaum jemand. Foto: Eich

Die ersten Überlegungen für die Neugestaltung des Stadtparks Salinenfeld sind nun der Öffentlichkeit vorgestellt worden – im Sinne einer Bürgerbeteiligung. Doch: Kein einziger Anwohner interessierte sich dafür. Mit Kommentar

VS-Schwenningen - "Ich muss jetzt noch mal fragen, ist denn irgendein Anwohner mit dabei?" Armin Scherzinger vom Stadtbauamt, Abteilung Grün, konnte seine Entrüstung darüber, dass kein einziger Anwohner aus dem Umfeld des Salinenfelds den Weg zur Bürgerbeteiligung gefunden hatte, nicht verbergen. Er verkniff sich jedoch einen Kommentar hierzu.

Schließlich investiert die Stadt hier nicht nur Peanuts, um das grüne Schmuckstück entlang der Salinenstraße auf Vordermann zu bringen. 600 000 Euro sind ersten Schätzungen zufolge eingeplant, um die 9200 Quadratmeter große öffentliche Grünfläche in einen Generationenpark zu verwandeln.

Junge Erwachsene bringen sich ein

Wie dieser letztlich aussehen und was dort alles zu finden sein soll, das hatte die Stadt und auch das zuständige Planungsbüro zunächst offen gelassen. Schließlich sollen die Schwenninger Bürger entscheiden, was sie dort am liebsten vorfinden wollen – damit dieser am Ende auch mit Leben gefüllt wird. Doch das interessierte nur eine Handvoll Schwenninger.

Positiv anzumerken: Neben älteren Bürgern, einem Vertreter der Feintechnikschule sowie dem Leiter des Bürgerheims Matthias Trautmann kamen auch junge Erwachsene zum Termin, um ihre Vorstellungen für den Park einzubringen.

Ergebnisoffene Planung

Dass die detaillierten Planungen bislang ergebnisoffen gestaltet wurden und das Feedback der Bürger tatsächlich mit einfließt, machten vor Ort neben Scherzinger auch Silvie Lamla, Amtsleiterin Grünflächen- und Tiefbauamt, und die Freie Landschaftsarchitektin Iris Grimm von beauftragten Planungsbüro Arbol in Rottweil deutlich.

Scherzinger: "Wir befinden uns momentan in einer Blaupause, in der wir uns weiterentwickeln, anschließend folgt die Vorentwurfsplanung." Dennoch gibt es natürlich erste Überlegungen zur Gestaltung, wie Grimm erläuterte. So soll es Aktivzonen, Entspannungsbereiche, Erlebnispfade und ein Platz für Geschichte sowie Bildung geben. Zwei Varianten zur Wegeführung standen zudem zur Auswahl, wobei vor Ort auch zugleich ein Favorit auserkoren wurde.

Synergien mit Bürgerheim und Schule

Angedacht ist ein Zentrum der Anlage, an dem Ein- und Ausgänge – mit Verbindung zur Salinenstraße – platziert werden sollen. Wichtig war den Planern zudem die Verknüpfung mit dem Bürgerheim und der Schule. Damit rannte Grimm bei den Verantwortlichen offene Türen ein.

Seitens der Feintechnikschule sieht man es als Gewinn an, dass Synergien geplant sind – insbesondere für die älteren Schüler fehle es bislang an Angebot, um sich sportlich zu betätigen. Geplant ist deshalb laut Lamla auch, den aktiven Bereich des Generationenparks im Bereich der Schule zu platzieren.

Mischung aus Parcours und Calisthenics

Heimleiter Trautmann zeigte sich zunächst positiv überrascht, dass die Stadt für den Park Geld in die Hand nimmt, er finde das Konzept des Generationenparks toll – mehrere Generationen, demnach auch die Heimbewohner, sollen zukünftig im Salinenfeld zusammenkommen, sich treffen und bewegen.

Bewegung war schließlich auch für die jüngere Generation das passende Stichwort. Eine Mischung aus Parcours und Calisthenics im Sinne eines Street-Workouts war dabei angesprochen worden und fließt nun in die Überlegungen mit ein, ein Basketballfeld (zu laut und Konflikt mit der angrenzenden Straße) sowie ein Soccercourt oder eine Pumptrackanlage (für beides zu wenig Platz) können hingegen nicht umgesetzt werden.

Gute Erfahrungen mit Street-Workout-Park

Die positiven Erfahrungen mit einem Street-Workout-Park konnte beim Termin auch Joachim Spitz von der ProKids-Stiftung unterstreichen, der bei der Realisierung eines solchen am Vorderen See maßgeblich mitgewirkt hatte. Anfangs hätte es Sorgen der Anwohner gegeben, mittlerweile freuen sie sich über die Anlage. "Es ist ruhiger geworden, die Jugendlichen passen auf die Anlage auf und sie sind beschäftigt", so Spitz.

Nicht zuletzt gibt es auch Anregungen, dort eine öffentliche Toilette zu installieren – insbesondere, aber nicht nur für die ältere Bevölkerung. "Sonst bleiben die Älteren hier nicht sitzen – fehlende Toiletten stören mich ohnehin in der Stadt", meinte ein Rentner. Auch dieser Vorschlag haben Planer und Stadtverwaltung mitgenommen – was umgesetzt werden kann, wird nun ausgelotet.

Kommentar: Unbeteiligt

Von Marc Eich

Schnell geht es immer, wenn bei Missmut über Entscheidungen der Stadtverwaltung von einer "bürgerunfreundlichen Stadt" oder bei Kritik an einem Gemeinderatsbeschluss von "Betrug am Wähler" gesprochen wird. Damit einhergehend fühlen sich viele der Bürger von der Politik "nicht gehört", schließlich wird alles "über unsere Köpfe hinweg" entschieden. Ohnehin investiert die Stadt angeblich kein Geld mehr in Schwenningen. Nun will die Stadt bei einem charmanten Projekt, für das man inmitten einer Krise 600 000 Euro locker macht, und das die Lebensqualität im Umfeld deutlich erhöhen soll, die Bürger beteiligen. Und? Kein einziger Anwohner und nur eine Handvoll Bürger halten es für nötig, ihre Vorstellungen oder Wünsche in einer ergebnisoffenen Veranstaltung mit einzubringen. Wetten, dass erst hinterher gemotzt wird, wenn was nicht passt?