„Da. Eine Hummelkönigin. Dort die gehörnte Mauerbiene, ein Weibchen. Am Boden Sonne tankend, ein Schmetterling – der kleine Fuchs!“ Volkmar Rieber (85) ist begeistert über sein Insektenparadies. Rieber gilt als „Vater“ des Naturschutzgebiets Kuglerhang.
Jede Menge wilder Orchideen. Mit-Gründer des Nabu Horb 1968 (damals: Deutscher Vogelschutzbund). Im Februar 2018 war Landesvater Wilfried Kretschmann auf Besuch. Den Kuglerhang mit seinen Orchideen und Insektenvielfalt gab es damals nur auf Dias. Wer könnte der bessere Experte sein, um zu erklären, wie man seinen Garten insektenfreundlich macht?
Rieber: „Man muss wissen, dass sehr viele Wildbienen ursprünglich Steppenbewohner waren. Dort gibt es nur im frühen Jahr genug Nahrung für ihren Nachwuchs. Im Sommer blüht dort nichts mehr!“ Heißt für den heimischen Garten: Besonders ab dem frühen Frühjahr sollte das richtige Blütenangebot vorhanden sein. Dazu aber auch der insgesamt passende Lebensraum.
Tipp 1
Schaffen Sie besonnte Flächen, die aber nie umgegraben werden, aber teilweise von Bewuchs frei gehalten werden! In seinem Garten hat er kleine Beete, in denen „Steingartenpflanzen“ wachsen, durch große Natursteine getrennt und terrassenförmig angelegt. Rieber: „Die verschiedenen Erdbienen bauen hier ihre Niströhren in die Erde, können sich auf den Steinen wärmen und haben auch gleich Pollen und Nektar liefernde Pflanzen vor der Brutröhre. Das Unkraut entferne ich nur mit der Hand. Beim Umgraben der Erde könnte ich die Niströhren der Insekten zerstören. Wenn die Röhre dabei aber nur etwas abgedeckt wird, können sich die Insekten selbst gleich wieder freischaufeln – oder eben ihre Brut später dann im nächsten Frühjahr. Durch das Umgraben wäre alles von oben nach unten verkehrt!“
Tipp 2
Ein Wildbienenhaus. „Das heißt im Volksmund auch Bienenhotel. Aber die Insekten bezahlen ja nichts!“ Doch wie mach ich das richtig? Rieber: „Die Öffnungen sollten Richtung Südosten ausgerichtet sein. Nach hinten eine Abdeckung, oben ein Dach. So entsteht das nötige Kleinklima und die verschiedenen Materialien mit den Niströhren werden nicht nass!“ Rieber hat Hohlräume in Tonsteinen mit Lehm vollgestopft, alte Tondachziegel mit Röhren und Bambusröhrenabschnitten in kleinen Holzkistchen gestapelt oder in Kalksandsteine und Holzblöcke Löcher gebohrt. Der Naturschutzexperte: „Wichtig beim Holz: Nicht nur Stücke, in denen die Löcher in die Stirnseite gebohrt sind. Sondern eher Stücke, bei denen die Löcher senkrecht zu den Fasern gebohrt werden. Dann können die Wildbienen die Niströhren auch besser erweitern und ausputzen!“ Die Löcher dürfen verschiedene Durchmesser haben: von zwei bis acht oder zehn Millimeter, da die verschiedenen Wildbienenarten selbst ganz unterschiedliche Größe haben.
Tipp 3
Das Konzept der Magerwiesen. Rieber: „Darunter versteht man Flächen, die nicht gedüngt sind. Auch nicht durch Pflanzenreste.“ Das komplette Gegenteil von Rasen. Diese Magerwiesen sind das ideale Biotop für heimische Pflanzen und die Insekten. Das Konzept: Die Magerwiese wird nur einmal im Jahr gemäht – am besten im Juli, wenn die Samenbildung abgeschlossen ist. Die komplette Biomasse wird dann abgeräumt und beispielsweise zur Kompostierung benutzt. So funktioniert es auch am Kuglerhang.