Beim Gründerzentrum am Lahrer Flugplatz geht es voran: Zwar muss der Baubeginn noch warten, bis der Förderbescheid da ist, doch junge Firmen scharren schon mit den Hufen.
Die Fassade hat einen neuen Anstrich, innen ist noch allen beim Alten: Im Sommer soll im früher von den Kanadiern genutzten Gebäude B 33 in der Rainer-Haungs-Straße das Lahrer „Innolab“ eröffnen. Beim Besuch des CDU-Bundestagsabgeordneten Yannick Bury berichtete Gründungsmanager Tobias Fischer von der Arbeit hinter den Kulissen und erläuterte, dass der Umbau aus gutem Grund noch nicht begonnen hat.
Im Juli 2025 hatte der Gemeinderat die Sanierung des Gebäudes für 1,5 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Letztendlich mit großer Mehrheit, auch wenn vorab aufgrund der hohen Kosten einige Bedenken geäußert wurden. Der ursprüngliche Zeitplan sah eine Eröffnung im zweiten Quartal 2026 vor. Nun ist „Sommer“ das grobe Ziel, so Fischer. Wie er Bury erläuterte, liege das daran, dass man in ein Förderprogramm des Landes hineinkommen konnte – und nun auf den Förderbescheid warte. Bis zu 80 Prozent, also bis zu 1,2 Millionen Euro, erhofft man sich in Lahr aus Stuttgart. Doch bevor dies klar ist, dürfe man nicht loslegen. „Es versteht sich von selbst, dass wir darauf warten“, sagte Oberbürgermeister Markus Ibert. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung habe man laut Fischer noch nachreichen müssen – und dies fristgerecht getan. „Jetzt könnte der Bescheid morgen im Briefkasten liegen“, so der Gründungsmanager.
Entsprechend sei auch schon alles für die Auftragsvergabe vorbereitet. „Jeder Heizkörper ist geplant“, gab Fischer ein Beispiel. Das „Innolab“ wird künftig aus 13 Einheiten für Gründer bestehen. Diese sind mit 20, 60 und 140 Quadratmetern Grundfläche unterschiedlich groß. „Die Flexibilität ist ein Trumpf“, zeigte sich Fischer überzeugt. Dadurch spreche man Unternehmen in unterschiedlichen Phasen ihrer Gründung an – und könne bei entsprechendem Wachstum einen Umzug in eine größere Einheit vor Ort ermöglichen. Hinzu kommen im „Innolab“ ein offener Aufenthaltsbereich für den Austausch sowie Räume für Veranstaltungen. Jede Einheit werde einen eigenen Glasfaseranschluss erhalten, der Strombedarf soll größtenteils über eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach gedeckt werden. Auch Ladesäulen für Elektrofahrzeuge sind vorgesehen.
Bisher war nur das Interesse eines Ehepaares öffentlich bekannt
Der Erfolg des Innovations- und Gründerzentrums steht und fällt jedoch mit den Start-ups, die die Einheiten belegen. Bislang war nur das Interesse eines Ehepaars bekannt, das hochwertige Trinkgläser mit 3 D-Designs im Glasboden produziert und über einen Online-Shop vertreibt. Nachdem lange nur von „guten Gesprächen“ mit weiteren Interessenten die Rede war, berichtete Fischer nun: „Fünf Gründer sind fest entschlossen.“ Er sei dabei, die Mietverträge auszuarbeiten, sodass sie im Sommer im „Innolab“ loslegen können. Im erweiterten Kreis sei die Zahl an Interessenten bereits zweistellig – das „Innolab“ also fast voll. Zudem verbleibt ein Tonstudio, das schon vorher dort beheimatet war, im „B 33“.
Sobald eine Einheit fertig sei, so Fischer, könne ein Start-up schon einziehen. Auch schon vor der offiziellen Eröffnung, die folgen soll, wenn der ganze Innenbereich fertig ist. An den Außenbereich – Visualisierungen zeigen eine attraktive Begrünung, mit denen das Gebäude anders als aktuell einladend wirken soll – könne man noch nach der Eröffnung gehen. Etwas erstaunt zeigte sich Bury ob des straffen Zeitplans, in wenigen Monaten fertig zu werden. Fischer erläuterte jedoch, dass keine Rohbauarbeiten notwendig sind – und eben schon alles für die ausführenden Firmen vorbereitet ist.
Bury zeigt sich überzeugt
Bundestagsabgeordneter Yannick Bury zeigte sich nach der Besichtigung vom Konzept überzeugt: „Es wird immer wichtiger, Wissensknoten zu schaffen.“ Da die Produktionskosten in anderen Ländern geringer seien als in Deutschland, müsse man mit solchen Projekten dagegenhalten – und auf Knowhow und Innovationen setzen.
Offenburger stimmen für Flugplatz – gut für Lahr?
Diskutiert wurde beim Besuch des „Innolab“ auch über den Bürgerentscheid in Offenburg. Dort haben sich die Menschen für den Flugplatz und gegen ein Gewerbegebiet ausgesprochen. Der Gedanke liegt nahe, dass das in Lahr gut ankam – weniger Konkurrenz. „Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal. Das wollen wir halten“, kommentierte Gewerbepark-Chef Daniel Halter. OB Markus Ibert relativierte etwas: „Man muss als Region denken. Je größer der Kreis zum Vernetzen, desto besser.“ Auch Yannick Bury betonte, dass die Lahrer Konkurrenz nicht Offenburg sei, sondern junge Unternehmen in anderen Dimensionen denken , etwa Frankreich oder Nord-Italien als Standort in Betracht ziehen.