„Feurio ond andre Katastropha“ lautet der Titel des neuen Theaterstücks von Jürgen Hartmann. Darin soll es unter anderem um den verheerenden Stadtbrand 1794 gehen. Mit uns spricht der kreative Kopf über Idee, Ausführung und den besonderen Spielort.
Fast 200 niedergebrannte Häuser, zahlreiche obdachlose Sulzer und Plünderer, die ihr Unwesen treiben – so soll es sich beim verheerenden Sulzer Stadtbrand im Jahr 1794 zugetragen haben. Dieses Ereignis bietet den Rahmen für Jürgen Hartmanns fünften Theaterstück.
Der 66-Jährige greift sich für die Einordnung der Handlung in seinen Stücken gern historische Ereignisse oder Figuren aus Sulz heraus. 2012 war es der „Räuberhauptmann Hannikel“, 2015 „Die Tote vom Wöhrd“, 2017 ging es um „Backstoi ond Herrgotts-Bscheißerle“ und vergangenes Jahr um „Graf Alwig I. Burgherr zu Sulz“.
In diesem Jahr führte der Sulzer ein Märchen mit dem Titel „Der Drache vom Gähnenden Stein“ auf, das kurzerhand zum Familienprojekt wurde, denn Tochter und Enkel spielten darin ebenfalls mit.
Tolle Kulisse
„Feurio ond andre Katastropha“, wie sein neues Theaterstück heißt, ist eine dramatische Komödie in zwei Akten und Mundart. Die Handlung spielt dabei auf dem Hofgut Geroldseck, wo im Sommer 2024 auch die Aufführung stattfinden wird.
„Die Kulisse hat es mir schon vor Jahren angetan“, schwärmt Jürgen Hartmann. Wie gut, dass Familie Schneckenburger wie er selbst im Förderverein Ruine Albeck sind. So hat der 66-Jährige sich gleich den Spielort für sein neues Stück sichern können.
Damit, dass sein Theaterstück nicht direkt in der Stadt spielt, umschifft der Theaterexperte gleichzeitig eine Schwierigkeit. „Feuer lässt sich im Theater nur sehr schwer darstellen“, erklärt er. Aber auf dem Hofgut Geroldseck habe man seinen Recherchen zufolge schon früher über eine eigene Feuerspritze verfügt und beim Löschen des Brandes mitgeholfen.
Es bleibt nicht friedlich
So spielt der Brand eine große Rolle, im Fokus steht aber, was währenddessen und danach auf dem Hofgut Geroldseck passiert. Und das ist einiges. Unter anderem erhält dort die Bürgermeisterfamilie Obdach. Zudem erfährt man, wie Metzger und Bäcker keine Verschnaufpause bekamen, sondern dafür sorgen mussten, dass die Versorgung der Bürger weiter aufrechterhalten wird.
„Im Stück werden einige historische Personen mitspielen, die auch beim ’Räuberhauptmann Hannikel’ vorgekommen sind“, sagt Hartmann, denn der spiele lediglich ein paar Jahre vor dem Stadtbrand. Und natürlich bleibt es nach so einer Katastrophe nicht friedlich. Bürger kommen sich gegenseitig ins Gehege, amouröse Verwicklungen entstehen, und bald schon hängt der Haussegen auf dem Hofgut Geroldseck gehörig schief. Parallel spielen die Stadtpolitik und der Wiederaufbau nach dem Brand eine Rolle.
Alle Schauspieler an Bord
15 Personen spielen bei dem Theaterstück mit. „Die habe ich alle schon an Bord“, sagt Hartmann. Beim Schreiben des Stücks habe er zu mancher Figur schon eine passende Person im Sinn gehabt. Auch seine achtjährigen Enkel Simon und Luis wollen dabei sein. Der Autor selbst wird voraussichtlich die kleinere Rolle eines Plünderers einnehmen und ansonsten dafür sorgen, dass bei den Aufführungen alles glatt läuft und jeder weiß, was zu tun ist.
Zu den Requisiten werden unter anderem eine Pferdekutsche und eine historische Feuerspritze aus Holzhausen zählen. Außerdem möchte Jürgen Hartmann eventuell einen traditionellen Bändertanz, wie es ihn anlässlich von Erntedankfesten gibt, zeigen.
Von allen Seiten begehbar
Die Bühne will Jürgen Hartmann im Innenhof des Hofguts Geroldseck aufbauen, so dass sie von allen Seiten begehbar sein wird. Stall, Wohnhaus und andere Gebäude bilden eine natürliche Kulisse, die mitgenutzt wird. Ein weiterer Vorteil: Anders als auf der Ruine sind Strom, Wasser und Co. auf dem Hofgut bereits vorhanden.
Die Spielzeit des Stücks, das sich für alle Altersklassen eignet, beträgt etwa zwei Stunden. Die Proben beginnen gleich nach der Fasnet 2024 und finden immer freitags statt.
Die Spieltermine
Spieltermine sind Freitag, 28. Juni, und Samstag, 29. Juni 2024, um 19.30 Uhr, sowie Sonntag 30. Juni um 14.30 Uhr.