Yahi Nestor Gahe (rechts) tanzt in „Equi libre“ gemeinsam mit Sanga Ouattara Foto: /YNG

Yahi Nestor Gahe probt für sein neues Tanzstück „Equi libre“. Premiere ist am Donnerstag im Fitz.

Gleichgewicht ist ein fast selbstverständlicher Zustand, so lange man nicht darüber nachdenkt – oder ihn jemand stört. „Equi libre“ heißt Yahi Nestor Gahes neues Stück, in dem der Tänzer von der Elfenbeinküste die tänzerischen Bedingungen der Balance durchspielt – und ihre Übertragbarkeit auf den Zustand der Welt.

 

Herr Gahe, Sie denken über Gleichgewicht nach. Was hat Sie inspiriert?

Ausgangspunkt war eine Recherche über den Körper und seine Sprache. Auf die Suche begab ich mich mit Sanga Ouattara, wie ich Tänzer und Choreograf von der Elfenbeinküste. Schon bei der ersten Improvisation in Abidjan konnten wir trotz aller Unterschiede eine tiefe Harmonie spüren. Die Frage nach Gemeinsamkeiten tauchte auf, und es wurde deutlich: Sobald wir im Gleichgewicht waren, muss es direkt wieder zerstört werden, da sonst Statik an seine Stelle tritt.

Bei den Proben fällt auf, dass ein aus der Balance geratener Körper abhängig ist von einem anderen, der ihn hält. Nutzen Sie dieses Bild, um es auf andere Situationen zu übertragen? Gerade ist ja vieles nicht im Gleichgewicht…

Jedes Mitglied im Team bringt da eine andere Sicht ein. Einige beschäftigt das Ungleichgewicht, das durch Krieg und Macht entsteht wie zum Beispiel in der Ukraine. Andere hinterfragen das Verhältnis von Mann und Frau, von Schwarzen und Weißen oder den zerstörerischen Umgang des Menschen mit der Natur.

Wer ist der dritte Man in „Equi libre“ und was sind die transparenten Bojen, die er ins Spiel bringt?

Neben den beiden Körpern ist die Szenografie eine weitere Protagonistin in „Equi libre“, sie stellt Gleichgewicht her und verhindert es. Deshalb habe ich Ikhyeon Park eingeladen. Der koreanische Szenograf, der in Straßburg lebt, hat Stehauffiguren entworfen, sie schwingen, fallen, richten sich wieder auf und interagieren mit den Darstellern. Wir suchen Wege des Koexistierens und fragen: Wer beeinflusst hier wen?

Als Journalistin interessiert mich Ihr Einsatz von alten Zeitungen. Warum werden die Stehauffiguren gerade damit beklebt?

Die Figuren können viele Bilder hervorrufen, die Ungleichgewichte in unserer Welt spiegeln. Mal erinnern sie an einen Wald, die Darsteller sind eins mit der Natur, um sie im nächsten Moment zu zerstören. Mal sind sie eine Armee, das Volk... Die Zeitungen spiegeln dabei die aktuelle Flut an Informationen. Auch das ist eine fragile Situation. Informationen werden dazu benutzt, um andere Menschen zu manipulieren, sie können uns erdrücken und aus dem inneren Gleichgewicht bringen.

Vorstellungen am Fr und Sa um jeweils 20 Uhr

Info

Termin
Premiere im Fitz am Do, zu sehen bis Sa, jeweils 20 Uhr