Aufgrund der Preiserhöhung blieben die meisten Kunden mittags an den Tankstellen in Calw aus. Foto: Verena Slama

Seit dem 1. April dürfen Tankstellen die Preise nur noch einmal täglich erhöhen – um 12 Uhr. Wie reagieren die Autofahrer in Calw und was bedeutet das für die Tankstellen vor Ort?

Bisher änderte sich der Spritpreis bis zu 22 Mal täglich – seit Mittwoch gilt nun das neue Tankgesetz: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich, um 12 Uhr, erhöhen. Bis 11.59 Uhr sind Preisanstiege untersagt, danach dürfen die Preise bis zum nächsten Tag nur noch gesenkt werden.

 

Bei Verstößen gegen das Verbot mehrfacher Preiserhöhungen drohen nun Bußgelder von bis zu 100 000 Euro.

Autofahrer nutzen Gesetz gezielt

Die Erwartung: ein großer Andrang am Vormittag, wenn Autofahrer noch vor der einmaligen Preiserhöhung tanken wollen. Doch zumindest in Calw blieb dieser weitgehend aus. Gegen 11.40 Uhr war an mehreren Tankstellen kein ungewöhnlich hohes Aufkommen zu beobachten.

Einige Autofahrer nutzten die Regel dennoch gezielt. Frank Maier tankte kurz vor zwölf an einer Tankstelle. „Ich bin gespannt, wie stark die Preise steigen“, sagte er. Deshalb habe er noch vor der möglichen Erhöhung tanken wollen.

Foto: Verena Slama

Andere Kunden gerieten eher zufällig in die Situation. Alexander Schmitt füllte sein Auto an einer anderen Tankstelle, ohne strategisch geplant zu haben: „Ehrlich gesagt war das Zufall, der Tank war einfach leer.“ Entsprechend erleichtert zeigte er sich über die vergleichsweise niedrigen Preise vor Mittag.

Preise steigen um 12 Uhr sprunghaft an

Punkt 12 Uhr änderte sich das Bild: Die Spritpreise stiegen, während sich die Tankstellen leerten. Autofahrer waren kaum noch vor Ort.

Um 12 Uhr stiegen die Tankstellenpreise unseren Beobachtungen nach um bis zu 11 Cent: Diesel erreichte einen Höchstpreis von bis zu 2,40 Euro. Innerhalb von zwei Stunden fiel der Preis an derselben Tankstelle wieder auf 2,29 Euro.

Nicht alle Kunden messen der neuen Regel große Bedeutung bei. Jonas Kienle aus Calw beobachtete das Geschehen an einer Tankstelle, ohne selbst zu tanken. „Am Ende geben die Menschen für so viel Geld aus – da machen ein paar Cent beim Tanken auch keinen großen Unterschied“, sagte er. Gleichzeitig äußerte er Kritik an der aktuellen Preispolitik von Unternehmen und Regierung. Sie würden die aktuelle Situation bewusst ausnutzen.

Langfristige Preiserhöhungen unklar

Wie stark die Preise tatsächlich um 12 Uhr steigen, dürfte sich erst in den kommenden Tagen zeigen. Nach Angaben der Bundesregierung soll das Gesetz die Transparenz erhöhen und häufige Preissprünge beschränken. Bis jetzt steht fest: Das neue Gesetz verändert vor allem den Zeitpunkt möglicher Preiserhöhungen. Ob Autofahrer dadurch spürbar sparen, bleibt abzuwarten.