Bei Nagold (A)live ist Doris Reichenauer im Hof der Seminarturnhalle zu erleben. Das Publikum bekam beste Unterhaltung serviert.
Einen Open-Air-Auftritt im Hof der Seminarturnhalle bei Nagold (A)live bestritt Doris Reichenauer mit ihrem Soloprogramm „Jetzt hat’s gschnacklt…“. Die als Kabarett-Duo „Dui do on de Sell“ bekannte Kabarettistin aus Gechingen präsentierte auf der Außenbühne Geschichten aus dem Alltag, zum Brüllen komisch und vom Publikum mit viel Beifall quittiert.
Die seit mittlerweile zwei Jahren frischverliebte Oma verwöhnt ihren Enkel, den sie liebevoll „Scheißerle Willi“ nennt, mit Leckereien, die er bei Mama und Papa nicht essen darf und entwickelt eine eigene Strategie zur Einnahme von Hustensaft.
Sie plaudert über heutige Hochzeitsvorbereitungen, die rund 18 Monate in Anspruch nehmen und einen Junggesellenabschied auf Mallorca beinhalten, während die Braut mit ihrem Gefolge durch den Schwarzwald wandert.
Dass der Kauf eines Brautkleids für die Brautmutter plärrend endet, weil sich aus der ursprünglich schlichten Variante ein Prinzessinnen-Kleid mit drei Meter langer Schleppe entwickelt hat, führt zur urkomischen Demonstration des Toilettengangs in diesem Gewand. Dazu wird das Tüllungetüm in einer umgehängten IKEA-Tasche verstaut.
Zuschauer kringeln sich vor Lachen
Die Kabarettistin verrät, dass sie es mit der Ordnung im Haushalt nicht so hat, nennt ihren Saugroboter Giovanni, der auch mal das Hundehäufchen in der Wohnung verteilt hat. Zwischendurch singt sie ein Lied, wonach Mama sein toll, aber Oma sein noch toller ist.
Inzwischen hat sie auch die mit großer Kunststoffblüte dekorierten Flip-Flops abgelegt und steht barfuß auf der Außenbühne. Sie erzählt über ihre Suche im Internet nach einem Spritzbeutel-Ständer, bei der sie auf einer Pornoseite landet und womit ihr Mann etwas Neues im Schlafzimmer ausprobieren will, nämlich einer Bierzapfanlage hinterm Bett.
Spontangrillen für Männer „nicht viel Geschäft“
Nach der Pause erfahren die Zuschauer, dass ein Glas Sekt pro Tag zwar genug, aber doch wenig sei. Doris Reichenauer erklärt, dass Spontangrillen aus Männersicht „gar nicht so viel Geschäft bedeutet“, wenn man von der Vorbereitungszeit für Kartoffel- und grünem sowie Nudelsalat und Tomate-Mozzarella, aber auch dem Obstsalat zum Dessert mal absieht. Ihr Vater ist Handwerker, der Baumarkt für ihn ein Paradies und er betoniert am liebsten alles zu, weshalb er auch „Beton Herbert“ genannt werde. Beim All-Inklusiv-Urlaub, den Reichenauer ihren Eltern schenkte, betonierte er am dritten Tag am Neubau des Hotels in der Nachbarschaft mit und hat damit „Ägypten gezeigt, wie man baut.“
In ihrer Kindheit hatte der Vater im italienischen Riccione immer den Werkzeugkasten dabei und hat auf dem Campingplatz bei Angelo die Elektrik in Ordnung gebracht. Das Dorfleben mit seinen Eigenheiten und die mehr als drei Tage vermisste Katze Minka ihrer für drei Monate in USA weilenden Freundin Damaris, die im Einschläfern einer verwechselten kranken fremden Katze mündet, ist ebenfalls amüsant-köstlicher Teil ihres Soloprogramms.
Sie bereut nichts
Doris Reichenauer philosophiert über das Alter, in dem sich die von ihr erlachten und erfeierten Falten ohne Rücksicht auf Verluste vermehren. „Man muss jung etwas erleben, um im Alter etwas zum Schmunzeln zu haben“, so ihre Überzeugung und sie singt „Non, je ne regrette rien“ – heißt, sie bereut nichts, da es „sowieso egal ist, wie ich es mache, es wird sowieso gschwätzt.“
Aufgeregt war Doris Reichenauer wegen vieler bekannter Gesicht in Nagold und ihres neuen Programms. Als Zugabe servierte sie nach einem großen Dank an das Team der Semihalle ein paar Gassenhauer, die dem Publikum viele Lacher und noch mehr Beifall entlockten.