Die Doppelstadt soll fahrradfreundlich werden. Deswegen hat die Verwaltung einen Radverkehrskonzept mit Radwegenetz als Basis erarbeitet, das jetzt als Grundsatzbeschluss in die Gremien kommt.
VS-Schwenningen - Es ist ein komplexes Thema, das sich Mobilitätsmanager Ansgar Kundinger, der im Amt für Grünflächen und Tiefbau arbeitet, seit rund zwei Jahren zu eigen gemacht hat: das Radverkehrskonzept für Villingen-Schwenningen, das die Bürger vermehrt zum Radfahren animieren soll – und das auf sichere und benutzerfreundliche Weise.
Konzept kommt in die Gremien
Im Vorfeld zur Sitzung des Technischen Ausschusses am Dienstag, 10. Mai, sowie des Gemeinderats am Mittwoch, 18. Mai, wenn das Thema auf die Tagesordnung kommt, beleuchteten die Verantwortlichen der Stadt die wichtigsten Punkte und machten Geschmack auf das Projekt, das zum Teil bereits in der Durchführung ist.
Neues Radwegenetz
Denn das Radwegenetz als Basis für entsprechende Maßnahmen ist in Anlehnung an bestehende Routennetze bereits erstellt und digitalisiert worden, wie Ansgar Kundinger erklärt, aber gleichzeitig sofort deutlich macht, dass es flexibel und erweiterbar ist. Das neue Netz soll wichtige Ziele im Innen- und Außenbereich von VS, also mit den Ortschaften, verbinden. Dazu wurden die Strecken in sogenannte Vorrang-, Haupt- und Nebenrouten eingeteilt, die farblich unterschiedlich gekennzeichnet sind. Die Intention der Vorrangrouten, auf denen das Hauptaugenmerk liegt: den Radverkehr zügig, attraktiv und gebündelt zu führen und Radfahrer aktiv dazu verleiten, diese Routen bevorzugt zu nutzen. Während Hauptrouten Zubringerfunktion zu den Vorrangrouten haben, sollen Nebenrouten der feingliedrigen Anbindung dienen.
Quick-Wins und iterative Maßnahmen
Die geplanten Maßnahmen hat die Verwaltung in zwei Bereiche untergliedert: Um "mit wenig Aufwand eine große Wirkung zu erzielen und die Radfahrer überhaupt bemerken, dass sich etwas tut", so Bürgermeister Detlev Bührer, sollen sogenannte Quick-Wins in der ersten Umsetzungsstufe des Radverkehrskonzepts möglichst zügig und einmalig umgesetzt werden. Mit den sogenannten iterativen Maßnahmen, die Straße und Wege für den Radverkehr verbessern, soll sukzessive, also in mehreren Umsetzungsstufen und auf einen längeren Zeitraum hin, agiert werden.
Interaktive Erfassung von Schildern
Konkret bedeutet dies: Mit "Furteinfärbungen", das heißt der – voraussichtlich – grünen Markierung von Gefahrenstellen an Kreuzungen von Rad- und KfZ-Verkehr bei Ein- und Ausfahrten, möchte die Stadt den ersten Quick-Win erzielen. Desweiteren sollen Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet werden, in denen Tempo 30 gilt, zudem plant die Stadt, S-Pedelecs außerorts freizugeben sowie die Beschilderung hinsichtlich des Radverkehrs zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren. Hierbei setzt sie auch auf die interaktive Erfassung durch die Bürger, die im Rahmen des Stadtradelns und einer geplanten Radschnitzeljagd überholungswürdige Schilder melden sollen, wie Silvie Lamla, neue Leiterin des Amts für Grünflächen und Tiefbau, erläutert.
Villinger Krebsgraben als Pilotprojekt bei Streifeneinfärbung
Noch konkreter wird es bei den iterativen Maßnahmen, die in der ersten Umsetzungsstufe Vorrangrouten im Innenbereich des Radwegenetzes bedienen. Hier sieht die Stadt zunächst vor, Schutz- und Radfahrstreifen vollflächig grün einzufärben, um eine höhere Aufmerksamkeit zu gewinnen. Der Villinger Krebsgraben soll dazu als Pilotprojekt dienen und im Laufe des Jahres 2022 in Angriff genommen werden.
Neue Fahrradstraßen
Als weitere iterative Maßnahme möchte die Stadt neue Fahrradstraßen mit Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30 einrichten, in denen Radfahrer hier nebeneinander fahren, ohne dass sie bedrängt werden dürfen. Sie sind anliegerfrei, Durchgangsverkehr ist aber nicht erlaubt, wie Silvie Lamla betont. Im laufenden Jahr betrifft dies die Schwenninger Staufenstraße sowie einen Teil der Sturmbühlstraße, 2023 sollen dann Carl-Haag- sowie Bert-Brecht-Straße hinzukommen, um die Verbindung zum Deutenberg-Schulzentrum herzustellen, sowie die Mozart- und Beethovenstraße rund ums geplante Beethovenquartier. In Villingen soll die Brigachstraße zur Fahrradstraße werden.
Zwei verschiedene Haushalte
Bei den Kosten für die erste Umsetzungsstufe des Gesamtkonzepts bedient sich die Stadt aus zwei verschiedenen Haushalten: Im Ergebnishaushalt sind 340 000 Euro – verteilt auf 2022 und 2023 – bereitgestellt, über die die Quick Wins und die meisten iterativen Maßnahmen finanziert werden. Weil die Umnutzung der Brigach- sowie der Mozartstraße zur Fahrradstraße im Rahmen von jeweils größeren baulichen Maßnahmen passieren, werden sie über den Investitionshaushalt gespeist. Für die Brigachstraße stehen dabei 30 500 Euro, für die Mozartstraße 115 500 Euro zur Verfügung.
Info: Die Bürgerbeteiligung
Eine separate Homepage zum geplanten Radverkehrskonzept mit Kontaktformular ist in Planung. Unter https://bit.ly/3EAyMJg erhalten Bürger einen Überblick über die geplanten und umgesetzten Furteinfärbungen, unter https://bit.ly/38dafOr über die geöffneten Einbahnstraßen sowie unter https://bit.ly/3K7t4zw über die freigegeben Wege für S-Pedelecs. Das Stadtradeln findet vom 1. bis 21. Juli statt, ein Termin für die Radschnitzeljagd wird noch bekanntgegeben.